Mein Name ist Michael Neumayr und ich arbeite als freiberuflicher Journalist. Im Grunde bin ich das, was man einen “Journalisten aus Leidenschaft” bezeichnen würde.
Das klingt zwar etwas altbacken, trifft aber den Nagel auf den Kopf. Journalismus, das sehe ich mehr als Lebenseinstellung und weniger als einfachen Beruf. Klar gilt es Geld zu verdienen, von Luft allein kann niemand leben. Aber ohne Freude an der Arbeit funtioniert guter Journalismus einfach nicht.
Guter Journalismus, das bedeutet echte Recherche. Gemeint ist damit, dass die Geschichte nicht hinter einem Schreibtisch oder am Telefon zu finden ist. Ein persönliches Gespräch mit einem Experten ist 1000 mal mehr wert, als ein kurzes Telefonat zwischen zwei Terminen.
Die Geschichten sind auf der Straße und warten darauf entdeckt zu werden. Nach einem Spaziergang habe ich oft Ideen für fünf Geschichten und drei Dokumentarfilme.
Und da kommen wir zur nächsten Aufgabe eines Journalisten. Die Selektion des Wesentlichen. In der heutigen Informationsflut zwischen den Datensträngen, dem Blätterrascheln toter Bäume und dem Hintergrundrauschen aus Rundfunk und Fernsehen ist man schnell überfordert. Spätestens dann kann man echte Geschichten vom Datenmüll kaum noch unterscheiden. Ohne Journalisten würden wir endgültig von umfallenden Fahrrädern und anderen Belanglosigkeiten überrollt werden.
Das Internet hat zu diesem Informationstsunami ihren wesentlichen Teil beigetragen. Das ist unumstritten. Trotzdem ist das Internet das Beste was uns passieren konnte. Publizieren war noch nie so einfach und spätestens seit Geschwindigkeiten erreicht werden die die Übertragung von Fotos und Videos zulassen macht es endgültig Spass auf dieser Welle zu surfen. Es kommt aber auf die Nutzung an. “Internet literate” zu sein ist heute eine der wichtigsten Aufgaben eines Journalisten. Flickr, Twitter, Blogs und wie sie alle heißen wollen müssen genutzt werden. Zur Kommunikation, zur Selbstdarstellung und zur Recherche. Ohne den Zugang zur größten Bibliothek der Welt wäre eine Arbeit als Journalist in der heutigen Zeit undenkbar.
Journalismus bedeutet aber auch Mut. Mut die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt zu stellen. Mut sich in Bereiche zu wagen bei der jeder normale Mensch den Kopf schüttelt. Es brauch aber letztendlich aber auch die Besonnenheit, zu wissen wann der Bogen überspannt ist.
Eines darf man aber nicht vergessen. Journalismus ist auch Unterhaltung. Nur eine lebhaft erzählte Geschichte bei der man den Eindruck hat, die Protagonisten stehen direkt vor einem bleibt in der Erinnerung des Konsumenten hängen. Unterhaltung muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass man sich nur in seichten Gewässern bewegt. Dort kann man zwar nicht ertrinken, um die schönen Fische und bunte Korallen zu sehen muss man aber tiefer tauchen. Im Flachwasser finden sich nur ein paar graue Fischleichen die sich im herumschwimmenden Plastikmüll verfangen haben.
Mein Name ist Michael Neumayr und ich bin freier Journalist weil Journalismus meine Lebenseinstellung ist.
26. May 2009
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