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Sarajevo: Bosnier protestieren weiter vor österreichischer Botschaft

Zwei Tage nach der Verhaftung von General Jovan Divjak in Wien dauern die antiösterreichischen Proteste in Sarajevo weiter an. Heute haben sich deutlich mehr Demonstranten in Zentrum von Sarajevo eingefunden als noch gestern. Auch die Demonstrationsroute hat sich verändert. Wie am Vortag startete man vor der österreichischen Botschaft und marschierte Richtung Präsidentenpalast. Bevor die Demonstration jedoch bei der serbischen Botschaft ankam, stattete die wütende Menge noch dem Parlament und dem Amtssitz des Hohen Repräsentanten Valentin Inzko einen Besuch ab. Die Proteste verliefen ruhig, lediglich einige Schneebälle flogen auf die Polizei als diese wieder den Zugang zur serbischen Botschaft absperrte. Polizeiangaben zufolge nahmen deutlich mehr als 500 Menschen an der Demonstration teil. Sie sangen mehrmals die bosnische Nationalhymne und skandierten vor allem vor der österreichischen Botschaft gegen Österreich.

Vor zwei Tagen wurde General Jovan Divjak, ein ethnischer Serbe, der jedoch im Bosnienkrieg auf der bosnischen Seite kämpfte, in Wien verhaftet. Grundlage für die Verhaftung war ein serbsicher Haftbefehl der über Interpol übermittelt wurde. Die Serben werfen Divjak Kriegsverbrechen vor. Viele Bosnier in Sarajevo sehen das anders und bezeichnen Divjak als Helden. Dementsprechend empört sind sie über seine Verhaftung.

In der österreichischen Regierung dürfte man sich inzwischen Sorgen um die Reputation des Landes in Bosnien machen. Im Außenministerium hofft man, dass sich die Lage bis Montag beruhigt. Dann wird nämlich Außenminister Michael Spindelegger Bosnien besuchen.

Weitere Proteste vor österreichischer Botschaft

Während die österreichischen Medien kaum über die antiösterreichischen Proteste in Sarajevo berichten, werden die Demonstrationen vor der geschlossenen österreichischen Botschaft fortgesetzt. Die größte Tageszeitung in Bosnien, Dnevni avaz, berichtet in seiner heutigen Ausgabe auf der Titelseite und vier weiteren Seiten von der Verhaftung von General Divjak und die Proteste vor der österreichischen Botschaft.

Zur Erinnerung: General Jovan Divjak wurde vorgestern am Wiener Flughafen wegen eines internationalen Haftbefehls, ausestellt von Serbien, verhaftet. Divjak gilt in Sarajevo als Kriegsheld, in Serbien wird er für Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht.

Ich war eben an der Österreichischen Botschaft und habe dort obligatorisch geklingelt um auch die österreichische Sicht der Dinge zu erfahren. Da die Botschaft aber erst am Montag wieder aufsperrt, war dieses Anliegen natürlich erfolglos. Die Polizeipräsenz wurde im Vergleich zu gestern deutlich verstärkt. Befand sich gestern um zehn Uhr, also drei Stunden vor Protestbeginn, nur ein Polizist vor der Botschaft, waren es heute um die selbe Uhrzeit bereits zehn. Weitere Polizistengruppen fand ich wenige Häuser weiter wartend.

Vielleicht werden durch das Wochenende heute mehr Demonstranten zur österreichischen Botschaft pilgern.

Polizist: “Diese Verhaftung ist doch nur politisch”

Nach der Demonstration traf ich zufällig Polizisten die zuvor die Demonstranten begleitet haben. Bei einem schnellen Kaffee beginnen die Polizisten mit mir über die Demonstration zu diskutieren. “Diese Verhaftung ist doch nur politisch,” erklärt einer und will nicht verstehen, warum General Divjak verhaftet wurde. Es würde ohnehin nicht um Verbrechen gehen, sondern nur um eine politische Botschaft, kritisiert er.

Auf meine Bemerkung, dass wenn er tatsächlich Kriegsverbrechen begangen hat, dies verfolgt werden müsse, wiegelt der Polizist ab. Er glaube nicht, dass Divjak Kriegsverbrechen begangen haben. Er habe nur die reguläre Armee bekämpft.

Was stimmt kann ich aus meiner Position natürlich nicht feststellen. Klar ist jedoch, Divjak scheint auch unter den Polizeikräften Sympathisanten zu haben.

In Sarajevo wird gegen Österreich demonstriert

Wie angekündigt habe ich auf der Demonstration gegen die Verhaftung von Jovan Divjak fotografiert und auch einen kleinen (verwackelten) Videoclip gedreht. Es waren etwa 300 Demonstranten die sich vor der Österreichischen Botschaft versammelt haben um danach zum wenige Meter entfernten Amtsitz der bosnischen Präsidenten zu marschieren. Ein Marsch zur serbischen Botschaft wurde von der Polizei verhindert. Das Medieninteresse war enorm, ich habe mindestens fünf Fernsehteams und unzählige Redio, Print und Fotojournalisten gesehen.

Österreich ist für Bosnien ein wichtiges Land. Immerhin kommt der mächtigste Politiker, Valentin Inzko, und ein Viertel der bosnischen Auslandsinvestitionen aus Österreich. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich. Nur als die Polizei den Zugang zur serbischen Botschaft versperrte gabe es einige, teils heftige Wortgefechte.

Arbeit trotz Rahmenprogramms

Arbeitsgruppe. Foto: Michael Neumayr

Trotz Kulturrahmenprogramm, das den gemeinen Studenten unterhalten soll, sind auch weiterhin die Fachgruppen tätig. Im Bild Teile der Fachgruppe Medien/Kommunikation.

Kulturrahmenprogramm – nicht Party

Wer den ganzen Tag arbeitet und demonstriert muss auch mal entspannen können. Nein, die Studenten sprechen nicht von Party, dieser Begriff ist vorbelastet. Die “AG Kulturrahmenprogramm” hat aber ein Konzert organisiert.

Es gibt zwar Bier. Übermäßigen Alkoholismus ist mir aber noch nicht aufgefallen.

Romantische Gefängnisstimmung in der Vorklinik

Florian, (Geografie und Mathe Lehramt), unterhält die mit seiner Mundharmonika. Irgendwie fühlt man sich in den Süden der USA versetzt.

Die Stunde der Wahrheit kommt bald. Das Plenum war für 20:00 angesetzt. Noch sind nicht viele Menschen im Saal.

Korrektur um 20:21: Es ist kein 20 Uhr Plenum angesetzt. Die einzelnen Gruppen arbeiten noch.

18:00 Prof. Christian Fleck stellt sich dem Plenum

Prof. Fleck, Foto: Michael Neumayr

In der Grazer Vorklinik solidarisieren sich zahlreiche Angehörige der Universität mit dem Studenten. Prof. Christian Fleck der Soziologie diskutiert sachlich mit Studenten über realistische Ziele, ideologische Forderungen und den Fokus auf das Lokale. “In Graz können Sie nicht die ganze Welt ändern,” erklärt Fleck. Lokale Forderungen seien aber durchsetzbar. Man komme damit nicht in die Zeitung, man würde aber etwas erreichen, so Fleck. “Die Mehrheit der Professoren ist konservativ. Im österreichischen Bildungssystem herrscht quasi konservativ-klerikaler Stalinismus,” behauptet Fleck.

Vorlesung im Grünen

Vorlesung. Foto: Michael Neumayr

Die heute Nachmittag verschobene Vorlesung der Psychologie wurde im Park vor der Vorklinik abgehalten.

Vorlesungen werden verschoben

Vorlesung verschoben. Foto: Michael Neumayr

Eine Hörsaalbesetzung hat auch seine Nachteile. Zahlreiche verlorene Studenten wurden mit Aushängen wie diesem konfrontiert. Vorlesungen die eigentlich in der Vorklinik stattfinden sollten mussten sowohl geografisch als auch zeitlich verschoben werden. Chaos ist jedoch noch keines entstanden.

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