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Montenegro: Zu Besuch im kleinen Venedig

Wer Kroatien wegen seiner schönen Küste als europäische Karibik bezeichnet wird die Bucht von Kotor in Montenegro lieben. Eng wie ein Fjord erstreckt sich die Bucht einen Katzensprung von der südlichsten Spitze Kroatiens ins Festland Montenegros hinein. Die Bucht erscheint dem Betrachter fast als See und ist ebenso geschützt. Ein Traum für Segler die nicht unbedingt die stetige Wellenbewegung des offenen Meeres brauchen.

Entlang der Bucht reihen sich, einer Perlenkette gleich, kleine Ortschaften und Städte die jede für sich ein traumhaftes Juwel sind. Ein besonders Schmuckkästchen ist dabei die kleine verschlafene Stadt Perast.

Von der Hauptstraße geschickt umfahren und damit kaum auszumachen, liegt Perast direkt an der Hafenmauer an der sich früher zahlreiche Handelschiffe das Stelldichein gegeben haben. Heute leben in Perast nur noch ein paar Hundert Menschen. Bei der Hinfahrt fast übersehen, haben wir uns entschlossen bei der Rückreise in Perast einen ausgedehnten Boxenstopp einzulegen. Gelandet sind wir auf der Terasse des Hotel Conte, wo wir mit Blick auf die Bucht einen gemütlichen Espresso getrunken haben. (zur Info: ein Euro, den Cappuccino gab es um 1,50)

Der anschließende Spaziergang durch den Ort war kurz aber wunderschön. Perast hat sich uns dabei als kleines Venedig präsentiert, nur dass es mit dem Auto erreichbar war. Der Einfluss der italienischen Lagunenstadt war aber auf jeden Fall zu spüren, obwohl der wohl exklusivste Basketballplatz Montenegros direkt an der Bucht das Ortsbild etwas gestört hat.

Perast ist definitiv ein Grund wieder nach Montenegro zu kommen. Eine positive Überraschung, nachdem ich bei meiner letzten Reise so enttäuscht von Podgorica, der Hauptstadt des jungen Staates war.

Fotocredit: Georg Wallner (3)

Montenegro: Warten auf das Ersatzteil

Es kam wie es kommen musste. Wenn man mich kennt, weiß man auch, dass ich und mein Bus, liebevoll „The Green Machine“ genannt, ein besonderes Verhältnis zueinander haben.

Meine „Green Machine“ war früher ein Servicewagen für landwirtschaftliche Geräte und war Zeit seines Lebens grün. Der aktuelle Grünton ist übrigens ein Maschinenlack im Farbton „Steyr Traktor Grün“. Bei meiner ersten Reise nach Bulgarien zierten noch Reste der alten Beklebung meinen Bus. Worte wie „Melktechnik“ und „Herdenmanagement“ waren noch gut zu erkennen und ließen auf die frühere Verwendung schließen. Dieses neue Deutsch ist schon interessant. Früher hätte man Hirte gesagt, heute ist das schon ein Herdenmanager.

Aber ich schweife vom Thema ab. Es geht um den Bus und der bringt mich immer mehr aber meistens weniger verlässlich ans Ziel. Kurz nach der Bulgarienreise 2006 ist der Reifen geplatzt. Bei der Reise nach Spanien 2008 ist der Dieselfilter verstopft. 2009, in Bosnien, ist der Auspuff gebrochen und schließlich bei der aktuellen Reisen nach Albanien ist das Kupplungsseil gerissen.

Das war aber eine Geschichte der Extraklasse. Abgesehen davon, dass ein Kupplungsseil nur sehr selten reißt, wem reißt es schon auf der Grenzstation zwischen Kroatien und Montenegro? Natürlich uns. Wir standen in der Warteschlange um aus Kroatien ausreisen zu können und just in dem Moment wo wir an der Reihe gewesen wären den Bus zum Grenzbeamten zu fahren, reißt uns dieses verdammte Seil.


Ihr könnt euch vorstellen wie die Beamten gelacht haben. Nichts desto trotz, drei Grenzer haben sich dann unserer Situation erbarmt und haben freundlicherweise einen Balken geöffnet und uns geholfen den Bus über die Grenze ins Niemandsland zu schieben. Den Pass wollten sie dann gar nicht mehr sehen.

Als ob das nicht schon spannend genug gewesen wäre, kam es natürlich noch viel besser. Auf einmal öffnete nämlich ein Kroate, der selbst gerade die Grenze passierte, meine Motorhaube und ruft freudig aus: „Kein Problem, ich kann ohne Kupplung fahren.“

Er setzte sich ungefragt hinter das Steuer. Wir hatten gerade noch Zeit um aufzuspringen ehe er rief: „Ich fahre zur nächsten Werkstatt,“ den ersten Gang einlegte und den Motor startete. Die Augen der montenegrinischen Grenzpolizei auf der anderen Seite des Niemandslandes hättet ihr sehen sollen.

Also brausten wir, erst durchs Niemandsland, dann die Straße nach Herceg Novi hinunter, Richtung Werkstatt. Natürlich kamen wir zwischenzeitlich in einer Radarfalle und die Polizei stoppte unseren Wagen. Schlimmer könnte es nicht kommen, dachte ich mir und stieg resignierend, ich sah in Gedanken meine Reisekassa davon schwimmen, aus und wollte schon die Brieftasche zücken. Da sprang mein kroatischer Helfer, er hat sich als Dragan vorgestellt, aus dem Fahrzeug und beschimpfte, zumindest dem Tonfall seiner Stimme nach zu schließen, die Polizisten. Natürlich erklärte er, wenn auch aggressiv, unser Problem und nach ein paar Sätzen deutete uns der Polizist, wir mögen ihn doch damit in Ruhe lassen und gefälligst weiter fahren.

Bei der Werkstatt angekommen war es ein Wechselbad der Gefühle. Erst heiß es, man könne den Schaden schnell reparieren. Doch die Freude verflog als sich bald heraus stellte, dass das Ersatzteil, nämlich das neue Kupplungsseil erst aus Podgorica geholt werden musste. Das könnte gut einen Tag dauern.

Wir saßen also außerplanmäßig in Montenegro fest und warteten auf das Ersatzteil. Die Termine in Albanien mussten verschoben werden und wir nutzten die Zeit um den etwas heruntergekommen Ferienort Herceg Novi zu besuchen. Übernachtet haben wir übrigens in der Werkstatt, aber das ist eine andere Geschichte.

Fotocredits: Michael Neumayr (2), Georg Wallner (1)

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