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Grenzerlebnisse

Als Bürger der Europäischen Union kennt man das eigentlich gar nicht mehr. Alle paar Hundert Kilometer bildet sich eine Autoschlange, ein künstlicher Stau, und man wird kontrolliert. Grenzkontrollen sind in Europa eine Seltenheit geworden.

Lästige Fragen werden gestellt: Was machen Sie hier? Wohin fahren Sie? Haben Sie etwas zu verzollen? Haben Sie eine Versicherung? Wie lange werden Sie bleiben? Und als krönender Abschluss kommt die immer gleiche Aufforderung: “Aufmachen!”

Natürlich passiert das nicht an den vielbefahrenen Urlaubergrenzübergängen. Da fällt ein Campingbus nicht weiter auf. Wenn man aber irgendwo im Hinterland von Serbien nach Bosnien reisen will, dann muss man sich auf eine längere Wartezeit  und eine mehr oder weniger genaue Wagenkontrolle einstellen.

Genug Zeit um sich mit den Grenzern, die meist unterbeschäftigt sind,  zu unterhalten und eine Zigarette zu rauchen, während der Pass und die Fahrzeugnummer mühsam und pflichtbewusst per Hand abgeschrieben werden. Man hört Geschichten über die Familie und die kleine Tochter zuhause, über lange Dienstzeiten und über langweilige Nachtschichten. Es ist schön, wenn man merkt, dass hinter der Uniform auch nur ein Mensch steckt.

Ich werde nie vergessen, als ein Grenzer mir wortlos eine Zigarette anbietet und nach zwei intensiven Zügen mit rauchiger Stimme murmelt: “Its your birthday, eh? Happy birthday.”

Ein weiteres Highlight: An der bulgarisch-rumänischen Grenze wurde ich gefragt: “Entschuldigen sie! Warum haben Sie so schlechtes Auto?” Die Erklärung, dass ich mir kein besseres leisten könne, wollte der Rumäne, der in mir wohl einen reichen Westeuropäer sah, nicht gelten lassen.

Weniger erfreulich aber genauso pflichtbewusst war der Grenzer an der kroatisch-slowenischen Grenze. Ich kann schon verstehen, dass ein Campingbus mit nur einem Fahrer, der noch dazu erklärt er wäre in Bosnien gewesen und hätte nur Campingausrüstung geladen, verdächtig ist. Aber muss man deswegen den ganzen Bus durchwühlen und alle Hohlräume abklopfen?

Eher verstörend war, als mich die serbische Grenzpolizei wieder in den Kosovo geschickt hat. “You know, Kosovo is no country!” erklärte mir der Polizist und verweigerte mir die Einreise. Und als ich just an der kroatisch-montenegrinischen Grenze eine Autopanne hatte, mir war das Kupplungsseil gerissen, wurde ich von den kroatischen Grenzern kurzerhand ins Niemandsland und somit aus ihrem Verantwortungsbereich im wahrsten Sinne des Wortes “abgeschoben”.

Trotz allen Ärgers muss ich festhalten: Ohne diese Grenzerlebnisse wären die Balkanreisen nur das halbe Abenteuer.

Fotocredit: Georg Wallner

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