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KFOR fordert den Abbau neu errichteter Barrikaden

Die KFOR hat in einer Presseaussendung gestern die Demonstranten in Jagnjencia aufgefordert, die neu errichteten Barrikaden zu beseitigen. Die KFOR wolle dafür einen Checkpoint einrichten und betont, dass sich im Kosovo jeder frei bewegen können muss. Straßensperren werden nicht akzeptiert werden. Außerdem begrüßt die KFOR, dass die Gespräche zwischen der serbischen und kosovarischen Regierung, trotz der Vorfälle, weitergeführt werden.

Offiziell möchte die KFOR derzeit keine Presseaussendungen verschicken. Man möchte keinen Einfluss auf die politischen Gespräche nehmen, betonen die Pressesprecher. Deshalb könne man nur auf aktive Anfragen reagieren. Und so heißt die Presseaussendung nicht “press release” sondern “respond to queries”.

In Mitrovica angekommen

Gestern Nacht bin ich in Mitrovica angekommen. Ich sitze derzeit im selben Cafe das ich schon vor zwei Jahren als Basis genutzt habe. Der Kontakt mit der KFOR und Journalistenkollegen gestaltete sich etwas schwierig, da mein bosnisches Handy den Geist aufgegeben hat. Ersatz wurde gefunden. Meine Telefonnummer im Kosovo ist +386 49 272109

Ich hoffe heute können wir ein paar Termine mit KFOR Soldaten realisieren. Auch das Nachrichtenmagazin NEWS hat ein Reporterteam in den Kosovo geschickt. Ich werde sie heute im Laufe des Tages treffen. Ich freue mich schon.

Besuch bei den Sufis in Sarajevo

Da gestern das Neujahrsfest der Moslems war und sich die Gelegenheit bot, bin ich heute das erste Mal in eine Moschee gegangen. Zugegeben, es war keine klassiche Moschee sondern eine sufistische.  Das heißt es wurde viel gesungen und es gab viele Gebete mit, sagen wir meditativen Charakter. Ich habe gehört, dass Gottesdienste in anderen Moscheen anders ablaufen.

Bevor ich aber überhaupt am Gottesdienst teilnehmen durfte, musste ich den Scheich, den geistigen Führer und Lehrer der Gemeinde, treffen. Bei einer Tasse Tee erklärte er mir, dass ich keine Fotos machen durfte. Auch wollte er wissen, woher ich komme und warum ich hier sei. Die Erklärung, ich wolle die bosnische Kultur kennen lernen, hat ihm aber gereicht.

Die Predigt wurde mir übersetzt und zwischendrin wurde mir immer wieder erklärt was passiert. Ein Vergleich des Scheichs ist mir dabei in Erinnerung geblieben. “Mohammed ist aus Mekka nach Medina geflüchtet. Er ist aber wieder nach Mekka zurückgekehrt. Auch die Kriegflüchtlinge sollen wieder nach Bosnien zurückkehren. Denn es ist die Pflicht eines Gläubigen seine Heimat zu lieben.”

Auch was der Scheich zum Thema Bildung zu sagen hatte war interessant: “Es ist wichtig zu lernen. Ziel einer jeden Religion ist es, dass die Menschen für sich und für die Gemeinschaft lernen.” Auch hilftbereit sollen die Menschen sein: “Man soll ein gutes Verhältnis mit den Menschen haben und hilfsbereit sein, egal welcher Religion sie angehören. Denn nur ein moralischer Mensch ist ein guter Mensch.”

Beim Ablauf des Gottesdienstes habe ich einige Paralellen zu jenen Gottesdiensten gesehen, die ich aus meiner katholische Erziehung kenne. Es gibt Fürbitten, es wird für die Toten gebetet und es gibt den Friedensgruß, Handschütteln inklusive. Anstatt des “Amen” zu Abschluss eines Gebetes wird ein Satz gesprochen, der mir so übersetzt wurde “Ich glaube an Allah und Mohammed seinen Propheten.”

Die Suren wurden, ähnlich einer Predigt oder einer Lesung, vorgetragen. Gelesen wurde erst auf arabisch und im singenden Ton. Im Anschluss wurde die Übersetzung gelesen.

Die erwähnten meditativen Gebete, so wurde mir erklärt, haben den Zweck Herz, Zunge und Körper auf das Gebet zu konzentrieren und sich von Egoismus zu entsagen. Sie sollen außerdem die Gemeinschaft stärken. Gerade der Punkt mit dem Stärkung der Gemeinschaft hat mich überzeugt. Denn auch Sportteams und kriegerische Gruppen nutzen solche Gesänge und Gebete um die Gemeinschaft einzuschwören.

Interessant war auch, dass anders als in christlichen Kirchen, wo man die Kopfbedeckung abnimmt, hier ein Hut, nämlich der Fes, aufgesetzt wurde. Er gilt als Symbol der Weisheit und des glaubens. Priester und der Scheich trugen einen weißen Fes, alle anderen einen roten.

Der Gottesdienst wurde durch eine Teepause unterbrochen ehe die meditativen Gebete (2. Video) stehend wiederholt wurden. Da der erste Teil des Gottesdienstes aber schon fast drei Stunden dauerte, habe ich den zweiten Teil ausgelassen.

Leider durfte ich weder Fotos, noch Audioaufnahmen machen. Um euch aber einen Eindruck der Stimmung zu vermitteln habe ich euch zwei Videos auf youtube herausgesucht. Die Sänger tragen aber eine andere Kopfbedeckung. Das zweite Video zeigt die meditativen Gebete die ich erwähnt habe.

Für mich war es jedenfall ein spannender Einblick in eine mir völlig unbekannte Kultur. Ich bereue es, während meiner Zeit als Gedenkdiener nie einen jüdischen Gottesdienst besucht zu haben. Auch werde ich sicher in nächster Zeit einen orthodoxen Gottesdienst besuchen.

 

 

Jugo-Nostalgie in Jajce

Morgen wird Geburtstag gefeiert. Vor 68 Jahren wurde nämlich in Jajce nämlich die südosteuropäische Nachkriegsordnung bestimmt und somit Jugoslawien ein zweites mal aus der Taufe gehoben. Damals wurde unter Tito ein Nationalkomitee gegründet.

Heute feiert man in Jajce noch immer den Geburtstag eines längst verstorbenen Staates. Und genau das werde ich mir morgen ansehen. Ich erwarte jede Menge Jugoslawien-Nostalgie und alte Menschen in Uniformen. Ich lasse mich aber gerne überraschen.

Michael Neumayr: Graz – Sarajevo

Es ist soweit. Seit mehr als zwei Jahren reise ich regelmäßig in die Länder Südosteuropas. Da war es nur eine logische Konsequenz, meine Balkan Geschichte irgendwann zu intensivieren. Deshalb bin ich nun öfters in Sarajevo anzutreffen. So oft, dass ich behaupten kann, in Sarajevo und in Graz zu wohnen.

In Sarajevo angekommen, bekommt man auch gleich einen ganz anderen Blick auf die Stadt und ihr Leben. Wo finde ich den nächsten Bäcker? Welche Metzger kann man empfehlen? Es fühlt sich auf einmal anders an, wenn man durch die Straßen geht. Einmal mehr merke ich, dass ich die Sprache lernen muss.

Nachdem ich mich heute vor allem um eine funktionierende Internetverbindung gekümmert habe, werde ich morgen jemanden suchen, der mir B/K/S (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) beibringen kann. Dann brauche ich nur noch einen ordentlichen Schreibtisch und dann kann ich anfangen vernünftig zu arbeiten.

Ist Print tot? – Über Medien und Geschichten.

Die Frage ob Print in der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts noch eine Zukunft hat, begleitet die Branche nun schon seit Jahren. Auch auf der World Newspaper Week  beschäftigte man sich wieder mit diesem Thema, ohne eine wirkliche Antwort zu erhalten. Natürlich, gerade in der westlichen Welt und in den Industrienationen verlieren Printprodukte immer mehr an Marktanteil. Andererseits sind heute wahrscheinlich weltweit noch nie so viele Printprodukte am Markt gewesen. Denn gerade in Asien, Afrika und Lateinamerika verzeichnen gedruckte Medien Wachtumsraten von oft mehr als zehn Prozent.

 

Manjula Rajagopal, Redakteurin der indischen Tageszeitung Dinamalar, erklärte mir, warum man in Indien die Zukunft trotzdem mit gemischten Gefühlen sieht: “Der Markt boomt, unsere Zeitung verkauft sich derzeit 850.000 mal pro Ausgabe und alle Zeitungen in Indien expandieren. Doch nun verschenkt die indischen Regierung hunderttausende Tablet-Computer an Studenten.  Das ist eine tolle Sache, wir müssen aber darauf auch richtig reagieren, denn die junge Generation wird wahrscheinlich zur Gänze auf Zeitungen verzichten. Obwohl der Zeitungsmarkt boomt, müssen wir in Zukunft auch auf Tablets setzen.”

Und genau diese Aussage gab mir Hoffnung. Denn wenn man Tablet-Publishing als Chance sieht und nicht nur jammert, dann wird man auch mit dem Printprodukt als Mutter Erfolg haben. Ich habe in der letzten Woche beim World Editors Forum immer wieder gehört: “Man darf nicht mehr zwischen Print-Journalisten, Online-Journalisten, Radio-Journalisten und TV-Journalisten unterscheiden. Nicht das Medium, sondern die Geschichte zählt. Journalisten sind Geschichtenerzähler und die werden wohl nie aussterben.” Was wie eine Durchhalteparole klingt, sollte man jedoch eher als Aufruf verstehen. Journalisten sollten sich wieder mehr über ihre Geschichten und nicht über das Medium für das sie Arbeiten definieren. Das gleichte gilt wohl auch für die Verleger. Wenn Verleger und Journalisten sich nicht mehr als Teil des “Zeitungs-” oder “Fernseh-Geschäfts” sehen, sondern sich als Teil des “Nachrichtengeschäfts” wieder erkennten, dann werden sie überleben. Die Musikindustrie hat das, mit ihren “Record-Labels” verschlafen.

Zurück zur Frage, ob Print tot ist. Nein, Print ist nicht tot. Vor allem dann nicht, wenn “Print” es versteht multimedial zu werden und diese Multimedialität auch gleichberechtigt ausspielt. Dann wird Print auch in Zukunft weiter ein erfolgreicher Distributionskanal sein. Nur weil der Markt in den USA und Europa gesättigt ist, ist Print noch lange nicht ausgestorben. Das zeigen die boomenden Märkte in Lateinamerika, Afrika und Asien. Das Printprodukt, als Stand-alone Produkt, wird es jedoch auch am lokalen Markt schwierig haben, denn die junge Generation will multimedial und auf mehreren Kanälen versorgt werden. Ob vor oder hinter der Paywall wird sich weisen.

Zum Giveaway: Passend zum Artikel habe ich ein ganz besonderes Giveaway für Print-Enthusiasten und Fans der Typographie und des Zeitungsdesign. Mit der 100. Zeitung die auf WIFAG Druckmaschinen gedruckt werden, hat das Schweizer Unternehmen eine Postkartenserie herausgebracht und die Titelseiten aller 100 “WIFAG” Zeitungen zusammengetragen. Einem oder einer von euch schenke ich ein komplettes Set dieser Postkartenserie. Jeder Kommentar (hier, auf Google+ und auf Facebook), jedes Like auf den Beitrag auf der Nachrichtenfluss-Fansite, jeder Trackback und jedes Email  an mich nimmt teil. Am Mittwoch wird verlost. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.

General Jovan Divjak in Wien verhaftet

Gestern Abend wurde am Wiener Flughafen der bosnische General Jovan Divjak verhaftet. Er war im Bosnienkrieg der einzige serbische General der bosnischen Armee und dabei für die Verteidigung Sarajevos verantwortlich. Die serbische Regierung macht ihn für Kriegsverbrechen verantwortlich und hat dementsprechend einen internationalen Haftbefehl ausgestellt.

Da Divjak in Sarajevo sehr beliebt ist, wurde schon gestern Nacht vor der österreichischen Botschaft in Sarajevo gegen die Verhaftung demonstriert. Für heute, 13 Uhr, ist eine weitere Demonstration angesetzt. Ich befinde mich derzeit in einem Kaffeehaus zwei Gehminuten von der österreichischen Botschaft entfernt und werde mir die Demo wohl ansehen.

Wirklich beeindrucken wird die Demonstration die österreichischen Diplomaten wahrscheinlich nicht. Die österreichische Botschaft ist freitags nämlich geschlossen, wie mir der einsame Polizist am Eingang der kleinen Villa versichert. Da ich so niemanden aus der österreichischen Botschaft erreichen konnte, kann ich leider auch nicht über die österreichische Sicht der Dinge berichten.

Dnevni Avaz, die größte Tageszeitung des Landes hat die Verhaftung auf der Titelseite und schreibt in der Schlagzeile: “General Devjak verhaftet – Öffentliche Proteste: Neuer Terror aus Serbien” Man muss aber festhalten, dass Dnevni Avaz als pro bosniakische Zeitung gilt deren Marktanteil in der Republika Srbska sehr gering ist und in der Föderation mehr als 60 Prozent beträgt.

Dnevi Avaz kritisiert auf jeden Fall, dass die österreichischen Behörden die bosnische Botschaft in Wien nicht über die Verhaftung informiert haben. Drazen Maloca, der stellvertretende Handelsdelegierte der österreichischen Wirtschaftskammer in Bosnien und Herzegowina, erklärte mir, dass Divjak in Sarajevo sehr beliebt sei. Er hat mich erst auf die Verhaftung hingewiesen. Außerdem beschuldigt die Zeitung Serbien der Geschichtsfälschung und dass sich das Land als regionalen Polizisten aufspielt.

Die Meldung über die Verhaftung in der Zeitung Glas Srbske aus Banja Luka fällt deutlich kürzer aus. Sie schreibt, dass Divjak für einen Angriff auf abziehende JVA-Einheiten in Sarajevo am 2. Mai 1992 verantwortlich ist. Generell fallen die Meldungen serbischer Zeitungen zu diesem Thema eher kurz aus.

Ob Jovan Divjak wirklich ein Kriegsverbrecher ist, müssen die Gerichte feststellen. Als Außenstehender, der die Sprache noch nicht versteht, kann ich mir natürlich noch kein Urteil bilden. Österreichische Stellen und Meinungen von Hohen Repräsentanten, der österreichischen Botschaft bis hin zur Eufor konnte ich leider nicht erreichen und einholen.

Sightseeing in Saravjevo

Heute wurde ich gefragt, was man sich denn in Sarajevo so anschauen könnte. Eine Freundin macht gerade eine Tour durch Bosnien und wünschte sich ein paar Sightseeing Tipps.

Zu meiner Schande musste ich gestehen, dass ich zwar drei Tage in Sarajevo verbracht, von der Stadt aber kaum etwas zu Gesicht bekommen habe. Am ersten Tag habe ich mich auf das Interview mit Generalmajor Bair vorbereitet, am zweiten Tag war das Interview und am dritten Tag bin ich schon nach Srebrenica weiter gefahren.

Trotzdem dürfte die Stadt sehr aufregend sein. Allein schon der Blick von den vielen Stadtbergen ins Zentrum war ein Verweilen wert. Mein erstes Zimmer des Youth Hostel war auf so einem Berg und der Blick über den Friedhof war wohl auch charakteristisch für die Stadt.

Auf jeden Fall werde ich wohl noch nur zum Urlaub nach Sarajevo kommen müssen. Dann ohne General und ohne Interviewtermin. Einfach nur um die Atmosphäre der Stadt zu inhalieren.

Was sich im letzten Jahr in Bosnien nicht geändert hat

Vom abenteuerlichen Verkehr in Bosnien ganz abgesehen, sind auch die Straßenbedingungen eine besondere Herausforderung in diesem Land. Ein Anschauliches Beispiel ist dabei die Beleuchtung der Tunnel.

Wie ein schwarzes Loch öffnet sich der Berg und die Straße führt im wahrsten Sinne des Wortes ins Nichts. Und selbst wenn man mit nur 30 km/h, eine Geschwindigkeit die wohl kein bosnischer Autofahrer tolerieren und sofort mit einer Überholung bestrafen würde, in den Tunnel einfahren würde, kann in den drei Sekunden, die das Auge braucht um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, sehr viel passieren. Besonders wenn sich im Tunnel eine unbeleuchtete Baustelle befindet. Ihr könnt euch meinen Schrecken vorstellen, als plötzlich ein, natürlich unbeleuchteter, Radlader und einige Bauarbeiter ohne Warnweste vor mir standen. Und fürs Protokoll: Nein der Tunnel war nicht gesperrt.

Wie ich arbeite, eine Selbstreflextion.


Reisen, Lesen und Reflexion. Schon der berühmte Journalist und Schriftsteller Ryszard Kapuscinski hat erklärt die Kraft für seine Arbeit aus diesen drei Tätigkeiten zu schöpfen. Dem will ich mich anschließen, obwohl ich seine Argumentation etwas abändere.

Die Reise ist für den Journalisten, was für den Wissenschaftler wohl das Experiment, also die Primärforschung ist. Nur vor Ort lassen sich Eindrücke, Erlebnisse und Informationen erhaschen, ohne Gefahr zu laufen, dass das Geschriebene durch mehr als nur den eigenen Filter gegangen ist. Begiebt sich ein Journalist nicht an den Ort des Geschehens, läuft er zwangsläufig Gefahr nicht mehr der Schöpfer sondern nur noch der Multiplikator von Information zu werden. Doch die grundlegende Aufgabe des Journalisten ist es jedoch Geschichten erst zu entdecken und sich nicht auf das Gebrabbel der PR zu verlassen. Ich wurde letztens über ein soziales Netzwerk gefragt, warum ich denn immer wieder an den selben Ort und die selbe Region zurück kehre. Ganz einfach, mit einer Reise allein ist es nicht getan. Vor kurzem war ich das zweite Mal innerhalb eines Jahres in Srebrenica und es hat sich ausgezahlt, diesen Abstecher zu machen. Ich habe alte Bekannte wieder getroffen, Veränderungen die sich im letzten Jahr ereignet haben registriert und natürlich auch die Kontinuität des Ortes verspürt.

Doch mit der Reise allein ist es nicht getan. Um den Überblick und Hintergrundwissen zu erlangen, führt der Weg an Sekundärliteratur nicht vorbei. Klar, man kann kritsieren, dass so der Journalist erst recht wieder zum Multiplikator und nicht zum Schöpfer seiner Arbeit wird. Das stimmt so jedoch nicht. Auch Wissenschaftler bauen ihre Arbeit auf die Arbeit von Vorgängern auf. Nur so können sie etwas neues erschaffen. Außerdem ist es eine Frage des Stils. Liest ein Journalist nur seine eigenen Texte kommt das einem stilistischen Inzest gleich. Nur durch frische Ideen von Außen kann sich ein Journalist weiter entwickeln.

Bleibt die Reflexion in der kapuscinskischen Aufzählung. Gemeint ist dabei wohl vor allem die Selbstreflexion. Immerhin ist ein Journalist auch ein Dienstleister. Er erzählt Geschichten, transportiert Informationen und erklärt Hintergründe. Der Rückkanal, das vielbeschworene Feedback bleibt aber meistens aus. Eine selbstkritische Reflexion und die Überlegung über die Sinnhaftigkeit und Qualität der eigenen Arbeit bleibt also oft die einzige Möglichkeit sich selbst zu verbessern.

In einer solchen Reflexionsphase ist dieser Texte entstanden. Wo sonst als am Balkan habe ich die nötige Ruhe gefunden um darüber nachzudenken. Eigentlich war der Urlaub mit Freunden auf der kroatischen Insel Lopud, ein kleines Nest, das gerade einmal vier Mal am Tag von einem Postschiff des vorletzten Jahrhunderts versorgt wird, als reine Entspannung geplant, aber wann hört schon ein Journalist auf zu arbeiten.

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