Am Sonntag findet in Serbien ein Superwahltag statt. Neben den Kommunal- und den Parlamentswahlen finden nämlich auch Präsidentschaftswahlen statt. Das schreit nach einer Richungswahl, möge man denken. Doch im Grunde steht der Serbischen Bevölkerung keine große Auswahl zur Verfügung.
In der Frage des EU-Beitritts ist man sich, zumindest auf politischer Ebene, in Serbien einig. 90 Prozent des politischen Spektrums spricht sich für den EU Beitritt aus. Nur die Partei des ehemaligen Präsidenten Kostunica und die rechtsradikalen Nationalisten treten gegen einen Beitritt auf.
Was Serbien aber mit wohl allen Ländern in Europa gleich hat, ist die Frustration gegenüber der Politik. Ich habe in den vergangenen Tagen niemanden in Belgrad getroffen, der sich positiv über die serbischen Politiker geäußert hätte.
Die wirtschaftliche Situation im Land ist eine Katastrophe. Die Arbeitslosigkeit steigt, der Wechselkurs des Dinar zum Euro wird immer schlechter und ein Ende der Krise ist nicht absehbar. Große Bereiche der serbischen Industrie ist zerstört und ausländische Investoren können nur langsam das Land wieder auf seine Beine bringen. Hinzu kommt eine grassierende Korruption und eine Politik, die nicht wirklich ein Konzept hat. So verkommt die serbische Wahl zu einem Persönlichkeitswahlkampf ohne wirkliche Inhalte. Der bisherige Präsident Boris Tadic wird sich dabei die Wahl mit seinem Konkurrenten Tomislav Nikolic ausmachen.
Kritisch könnte die Situation im Kosovo werden. Besonders nach Wahlen gibt es viele Gruppen, ob aus der organisierten Kriminalität oder aus dem politischen Bereich, die Interesse an einer instabilen Lage haben. Deshalb hat die KFOR Verstärkung aus Österreich und Deutschland angefordert. Für die Menschen in Serbien hat die Kosovo-Frage längst nicht mehr Vorrang. Zu groß sind die eigenen, vor allem wirtschaftlichen, Sorgen.




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