Die Frage ob Print in der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts noch eine Zukunft hat, begleitet die Branche nun schon seit Jahren. Auch auf der World Newspaper Week beschäftigte man sich wieder mit diesem Thema, ohne eine wirkliche Antwort zu erhalten. Natürlich, gerade in der westlichen Welt und in den Industrienationen verlieren Printprodukte immer mehr an Marktanteil. Andererseits sind heute wahrscheinlich weltweit noch nie so viele Printprodukte am Markt gewesen. Denn gerade in Asien, Afrika und Lateinamerika verzeichnen gedruckte Medien Wachtumsraten von oft mehr als zehn Prozent.
Manjula Rajagopal, Redakteurin der indischen Tageszeitung Dinamalar, erklärte mir, warum man in Indien die Zukunft trotzdem mit gemischten Gefühlen sieht: “Der Markt boomt, unsere Zeitung verkauft sich derzeit 850.000 mal pro Ausgabe und alle Zeitungen in Indien expandieren. Doch nun verschenkt die indischen Regierung hunderttausende Tablet-Computer an Studenten. Das ist eine tolle Sache, wir müssen aber darauf auch richtig reagieren, denn die junge Generation wird wahrscheinlich zur Gänze auf Zeitungen verzichten. Obwohl der Zeitungsmarkt boomt, müssen wir in Zukunft auch auf Tablets setzen.”
Und genau diese Aussage gab mir Hoffnung. Denn wenn man Tablet-Publishing als Chance sieht und nicht nur jammert, dann wird man auch mit dem Printprodukt als Mutter Erfolg haben. Ich habe in der letzten Woche beim World Editors Forum immer wieder gehört: “Man darf nicht mehr zwischen Print-Journalisten, Online-Journalisten, Radio-Journalisten und TV-Journalisten unterscheiden. Nicht das Medium, sondern die Geschichte zählt. Journalisten sind Geschichtenerzähler und die werden wohl nie aussterben.” Was wie eine Durchhalteparole klingt, sollte man jedoch eher als Aufruf verstehen. Journalisten sollten sich wieder mehr über ihre Geschichten und nicht über das Medium für das sie Arbeiten definieren. Das gleichte gilt wohl auch für die Verleger. Wenn Verleger und Journalisten sich nicht mehr als Teil des “Zeitungs-” oder “Fernseh-Geschäfts” sehen, sondern sich als Teil des “Nachrichtengeschäfts” wieder erkennten, dann werden sie überleben. Die Musikindustrie hat das, mit ihren “Record-Labels” verschlafen.
Zurück zur Frage, ob Print tot ist. Nein, Print ist nicht tot. Vor allem dann nicht, wenn “Print” es versteht multimedial zu werden und diese Multimedialität auch gleichberechtigt ausspielt. Dann wird Print auch in Zukunft weiter ein erfolgreicher Distributionskanal sein. Nur weil der Markt in den USA und Europa gesättigt ist, ist Print noch lange nicht ausgestorben. Das zeigen die boomenden Märkte in Lateinamerika, Afrika und Asien. Das Printprodukt, als Stand-alone Produkt, wird es jedoch auch am lokalen Markt schwierig haben, denn die junge Generation will multimedial und auf mehreren Kanälen versorgt werden. Ob vor oder hinter der Paywall wird sich weisen.
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