Wenn zwei eine Reise tun…

Fotos meiner letzten Reise nach Cornwall. Das Wetter wird in Schottland nicht so schön sein.

Fotos meiner letzten Reise nach Cornwall. Das Wetter wird in Schottland nicht so schön sein.

Aber steile Küsten wird es hoffentlich auch dort geben.

Aber steile Küsten, wie in Cornwall, wird es hoffentlich auch dort geben.

Spannend ist auch die Frage. Wie lange es den Union Jack noch geben wird. Manch Schotten wollen ja unabhängig werden.

Spannend ist auch die Frage. Wie lange es den Union Jack noch geben wird. Manch Schotten wollen ja unabhängig werden.

Kommende Woche geht es mit Johanna für elf Tage nach Nordengland und Schottland. Wie ihr euch denken könnt, sind meine Reisen bei weitem nicht so konventionell wie es der Durchschnittsurlauber machen würde. Manche Ziele sind ähnlich, etwa die eine oder andere Sehenwürdigkeit, ein Museum oder im Fall Schottlands auch einmal eine Whiskey Destillerie. Trotzdem eine völlig durchgeplante Reise oder gar eine geführte Tour wird es mit mir nicht geben.

Etwas Planung braucht es aber doch. Das war auch schon einmal anders. Vor dem Studium bin ich während meines längeren USA-Aufenthalt schon einmal spontan losgefahren um zwei Tage später an einer State-Line wieder umzukehren. Meine letzte wirklich ungeplante Reise war mein erster Balkantrip. Aus einer Reise nach Dubrovnik wurde eine Rundreise die mich über Montenegro, Albanien, Kosovo, Serbien und Bosnien praktisch in alle Exjugoslawische Länder geführt hat.

Diesmal aber sind fast alle Übernachtungen vorgebucht. Dazu braucht es eine intensive Recherche, denn länger als zwei Nächte halte ich es nirgends aus. Die erste Frage die sich stellt, wo werden wir übernachten. Sind diese Eckpunkte einmal festgelegt, konsultiere ich Google Maps. Aus zwei Gründen: Ich möchte mir gerne das Umfeld der Herberge anschauten. Und ich bin es leid große Umwege zu fahren, nur um zur Unterkunft zu kommen. Ich sehe mir also an, welche B&Bs in der Nähe unserer Destination zu finden sind. Nachdem ich einige ausgemacht habe, konsultiere ich deren Website um die Preise zu recherchieren und kontrolliere danach die Bewertungen vor allem auf auf tripadvisor. Ich bemühe mich darum, immer direkt bei einem B&B zu buchen. Daher rufe ich oft an oder buche direkt auf deren Website. Ich bevorzuge außerdem B&Bs und keine Hotels. Besonders in England sind B&Bs genau das was man von ihnen erwartet. Günstiger als Hotels, individueller und damit flexibler, besonders wenn es um Check-ins geht. Und! Dadurch, dass es meistens von Einheimischen geführt wird, bekommt man auch schnell einmal einen Insider Tip und auch etwas Einblick in das Leben im Gastland.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Suche nach der Exotik. Auf der Reise selbst hat man selten die Zeit wirkliche Schmankerl zu recherchieren. Zwar ist es meistens sicher, dass man im Kontakt mit „Locals“ so manche Besonderheit findet. Trotzdem suche ich zumindest eine exotische Besonderheit für die Reise. Etwas das man erzählen kann, auch wenn Captain Zufall einmal nicht zuschlägt.  Am Beispiel Schottland wird es ein Weingut in Nordengland sein. Ich bin schon gespannt, was der Besuch zeigen wird. Nordenglischen Wein habe ich noch nie probiert. Und als ich bei meinen Weinbauern an der südsteirischen Weinstraße erwähnt habe, dass ich ein Weingut fast bei Schottland besuchen werde, waren die Reaktionen oft sehr überrascht.

Trotz aller Pläne, sollte man auf keinen Fall die Reise zu dicht durchplanen. Denn gerade die Einheimischen haben oft tolle Vorschläge, die man dann auch nutzen sollte. Ihr könnt euch auf einen ausführlichen Reisebericht in ein paar Wochen freuen. Ich habe mir extra eine zusätzliche Speicherkarte für die Kamera besorgt.

Kommende Woche gibt es einen vorgeschriebenen Beitrag: Es wird um englischen Wein gehen.

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Aufgelesen (3) – Deutschland, Afghanistan, Ägypten, Ukraine, Türkei, Syrien, Kuba

In der zweiten Ausgabe meiner Rubrik “Aufgelesen” spielt wieder die Ukraine eine besondere Rolle. Ich möchte aber auch Geschichten aus anderen Teilen der Welt vorstellen. Was es hier nicht gibt: Agenturmeldungen die es wie Kopien in fast allen Medien gibt und die bei “Breaking News” unkommentiert zu Live-Blogs verwurstet werden. Guter Auslandsjournalismus nimmt, meiner Meinung nach, auch etwas Tempo heraus.

Krieg im Frieden
Henning Sussebach hat sich für die “Zeit” mit den Afghanistanveteranen der deutschen Bundeswehr beschäftigt. Wie geht es Veteranen in einem Land, das eigentlich “friedensverwöhnt” ist? Vier Veteranen-Portraits mit gänzlich unterschiedlichen Geschichten.

Im Reich des Todes
Die Geschichte ist schon älter, aber jetzt für den Henri-Nannen-Preis nominiert. Michael Obert berichtet für das “SZ-Magazin” von der ägyptischen Sinai-Halbinsel – durch das Machtvakuum eine Region ohne Recht und Gesetz. Obert schreibt über einer unerzählte Geschichte, die Foltercamps in Sinai.

Wo es noch nach Sowjetunion riecht
Nina Jeglinski schreibt für den “Standard” aus Donezk in der Ostukraine. Sie erzählt von einer Region, wo die Menschen kaum etwas über den Westen und die EU wissen und trotzdem zwischen Russland und der EU hin und her gerissen sind.

Kubas findige Unternehmer
Raniah Salloum berichtet von Havannah aus für den “Spiegel” über das neue Wirtschaftsleben auf Kuba. Sie erzählt von Unternehmern, die erst lernen müssen Unternehmer zu sein. Wie das Experiment ausgehen wird, weiß noch niemand.

Ein paar Quadratmeter Krieggrund
Len Jacobsen berichtet für den “Spiegel” wie der türkische Premier Erdogan in Syrien zündelt. Es geht um eine minimale Enklave, die Probleme mit den Kurdeng und um den Bürgerkrieg im türkischen Nachbarland.

Unter dem Kosovo liegt ein gefährlicher Schatz
Stefan Beutelsbacher berichtet für die Welt aus Obilic im Kosovo. Dort liegen große Braunkohleressourcen. Eine Chance aber auch ein gewaltiges Risiko für das junge Land.

 

 

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Belgrad auf dem Weg zur EU

Der Zug nach Belgrad rollt endlich. Ob er 2018 schon ankommen wird?

Der Zug nach Belgrad rollt endlich. Ob er 2018 schon ankommen wird?

Serbien befindet sich auf dem Weg in die EU. Nach dem Parlamentswahlen vergangenen Sonntag umso mehr, da die letzte EU-kritische Partei aus dem Parlament geflogen ist. Das macht die serbische Politik aber auch austauschbar. 

Vergangenen Sonntag wurde in Serbien gewählt, nach nur zwei Jahren wurden Neuwahlen beschlossen. Es ist nicht meine erste serbische Wahl die ich näher beobachte. Deshalb habe ich mir angesehen, was ich vor zwei Jahren über die Wahl geschrieben habe und bin dabei auf interessante Zitate gestoßen, die auch heute noch zur Situation in Serbien passen. Im März 2012 haben die europäischen Außenminister Serbien den EU-Kandidatenstatus verliehen. Heuer wurde endlich mit den Verhandlungen begonnen. Zu einem Zeitpunkt, wo Kroatien zum Beispiel, schon längst in der EU ist. Schon 2012 sagte mir ein Taxifahrer, dass es sich anfühle, als würde man auf eine Party kommen, die schon vorbei sei. Aber jetzt schirrt endlich ein mögliches Beitrittsjahr herum, wobei ich aber glaube, dass 2018 wirklich zu optimistisch ist. Was sich in der serbischen Politik getan hat, lässt aber zu hoffen übrig.

So sah der serbische Wahlkampf vor zwei Jahren aus. Viel nationaler Pathos.

So sah der serbische Wahlkampf vor zwei Jahren aus. Viel nationaler Pathos.

Ehemalige Nationalisten sind heute für den Beitritt zur Europäischen Union und die einzige EU-kritische Partei hat eben den Einzug ins Parlament verpasst. Das macht die Politiker aber austauschbar. Schon vor zwei Jahren sagte mir ein serbischer Barkeeper: “Wir haben ja nicht einmal eine Wahl. Die Politiker unterscheiden sich ja kaum noch.” Jetzt regiert also Aleksandar Vučić mit absoluter Mehrheit. Bei einer absoluten Mehrheit bin ich immer skeptisch. Ein Machtwechsel ist die aktuelle Wahl nicht. Immerhin war Vučić schon bisher in der Regierung vertreten. Aber manche Kommentatoren fürchten eine Orbanisierung Serbiens und sprechen damit die fragwürdigen Zustände in Ungarn an. 

Für die “steirische Wirtschaft” habe ich den Wirtschaftsdelegierten  Andreas Haidenthaler sowohl 2012 (als freier Journalist) als auch heuer zur Wahl gesprochen. Beide Male betonte er, dass gerade wirtschaftlich Serbien keine Alternative zum EU-Beitritt hat. Hier das aktuelle Interview in seiner langen Version. 

Andreas Haidenthaler (Fotocredit: WKO)

Andreas Haidenthaler (Fotocredit: WKO)

Die serbische Wirtschaft öffnet sich immer mehr der Europäischen Union. Wird das nach dem Wahlerfolg von Vučić weiter gehen?
Ja, Serbien hat sich sehr stark in Richtung EU entwickelt und ist auch schon lange Beitrittskandidat. Diese EU-Orientierung wird auch mit der neuen Regierung weiter gehen. Ein äußeres Zeichen sind nicht nur die Aussagen vom Wahlgewinner Aleksandar Vučić. Schon bisher waren alle bis auf eine Partei für den EU-Beitritt. Die einzige Partei die gegen den EU-Beitritt war hat nun den Einzug ins Parlament nicht geschafft. Auch zwei Drittel des serbischen Außenhandels finden bereits mit der EU statt. Und geographisch gibt es keine Alternative. Es sind nur 570 Kilometer von Graz nach Belgrad.

Was erhofft sich die serbische Wirtschaft von der EU?
Es sind zwei große Hoffnung. Das eine ist, dass mit einem EU-Beitritt der europäische Markt geöffnet wird und gewisse Reformen über die EU-Schiene beschleunigt werden. Es wird natürlich eine Anpassungszeit geben, deshalb erhofft man sich auch finanzielle Unterstützung von der EU. Der zweite Punkt ist die Imageverbesserung für den Investitionsstandort Serbien. Oft herrscht noch das Bild der 90er Jahre vor. Das heutige Serbien kennt man kaum.

Vučić war früher Ultranationalist. Kann man ihm seinen inhaltlichen Schwenk zu einer proeuropäischen Politik abkaufen? Gerade in der Kosovo-Frage.
Man soll die Leute nach ihren Taten beurteilen. Es stimmt, Vučić hat früher andere Positionen vertreten. Er sieht diese Phase in seinem Leben selbst sehr kritisch. Man muss Vučić als Person zugute halten, dass in den vergangen zwei Jahren einige Schritte in Richtung Kosovo gesetzt wurden. Damit wurden auch Bedingungen der EU erfüllt. Das war in der Vergangenheit nicht so einfach. Serbien hat hier die Blockadepolitik gegenüber Kosovo aufgegeben. Man muss anerkennen, dass gerade die, denen man eine nationalistische Vergangenheit anlastet, konkrete Schritte gesetzt haben und nicht nur geredet haben. Diese Öffnungspolitik wird allein aus wirtschaftlichen Überlegungen weitergehen.

Wo muss sich die serbische Wirtschaft noch ändern um mit Europa mithalten zu können?
Die serbische Wirtschaft kämpft mit dem Erbe der Vergangenheit. Damit meine ich die Sanktionszeit der 90er Jahre und die Kriege im Zuge der Auflösung Jugoslawiens. Damals sind die Märkte weggebrochen. Das und der Übergang vom alten Wirtschaftssystem macht dem Land zu schaffen. Es gibt auch gute Industrien, etwa in der Agrarwirtschaft oder in der IT. Kritisch sind die vielen Staatsbetriebe, die in der bestehenden Form nicht fit für einen freien Wettbewerb sind. Das sind sie aber jetzt schon nicht. Ein Beispiel ist die Air Serbia, die als JAT sicher nicht konkurrenzfähig war und im Herbst teilprivatisiert wurde.

Vučić will ja die serbische Wirtschaft ankurbeln. Ist das realistisch schaffbar?Die serbische Regierung versucht ausländischen Investment anzulocken. Nicht nur aus der EU sondern auch auch den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Zweite was er angekündigt hat betrifft die Reform der serbischen Bürokratie, die das Wirtschaftsleben derzeit sehr schwierig macht. Es geht zum Beispiel darum Baubewilligen zu vereinfachen. Serbien liegt in diversen Rankings bei den bürokratischen Genehmigungsprozessen auf einem verbesserungsfähigen Platz. Wenn es hier zu Verbesserungen kommt, dann ist das für die Wirtschaft höchst willkommen. Das fordern ausländische Investoren immer wieder.

Welche Chancen sehen Sie für steirische Unternehmen, die in Serbien noch nicht tätig sind?
Wenn österreichische Unternehmen kommen sind sie willkommen weil sie nicht alleine sind. Es gibt österreichische Banken und Versicherungen. Es gibt mit Martin Auer sogar einen steirischen Bäcker. Interessant ist Serbien bei allen, die mit arbeitsintensiven Produktionen zu tun haben. Die Arbeitskraft in Serbien ist günstig und es gibt steuerliche Förderungen, die eine Produktion interessant machen. Auch Kooperationen im Software-Bereich sind interessant. Microsoft hat hier etwa ein eigenes Forschungszentum. Nicht nur wegen der günstigen Arbeitskräfte, sondern weil Serbien über gut ausgebildete Techniker verfügt. Besonders im Norden ist Serbien außerdem landwirtschaftlich sehr stark. Nachholbedarf hat Serbien bei der Infrastruktur. Hier sind aber zahlreiche Bauprojekte geplant.

Konzentrieren sich die österreichischen Investoren vor allem auf die Hauptstadt Belgrad oder gibt es auch in der Peripherie Chancen?
Serbien besteht nicht nur aus Belgrad. Aber Belgrad ist in jeder Hinsicht Hauptstadt. Danach kommt gleich Novi Sad. Im Süden sieht es wirtschaftlich nicht mehr so optimistisch aus. Dort hat man sehr stark unter den Sanktionen gelitten. Auch die Arbeitslosigkeit ist dort höher.

Erst kürzlich haben die EU-Beitrittsverhandlungen mit Serbien begonnen. Welchen Zeitrahmen gibt es hierfür?
Es werden immer wieder Zahlen genannt. Aber man muss unterscheiden, ob das politisch motivierte Zahlen sind und wo die Absichten sind. Konkret geht es um einen Beitritt entweder 2018 oder 2020. Man will sich in Serbien bemühen die Verhandlungen schnell voranzutreiben. Wobei auch sämtliche EU-Mitglieder einstimmig sagen müssen, dass dieses Land aufgenommen werden soll. In Österreich haben die Verhandlungen sieben Jahre gedauert. Am Ende ist es eine politische Frage. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass 2018 ein zu ambitioniertes Ziel ist. Die meisten Kommentare aus der EU sprechen eher von 2020 oder später. Es geht aber da weniger um ein Datum, sondern um die Perspektive eines Landes in der auch eine Rechtssicherheit besteht. Ob dann 2018 oder 2020 daraus wird ist dann nicht mehr ganz so wichtig.

Russland gilt als enger Partner Serbiens. Ist das eine Chance oder angesichts der aktuellen Lage ein Risiko für das Land?
Enger Partner ist relativ. Partnerschaft impliziert, dass es sich um gleichstarke Parteien handelt. Das ist hier nicht der Fall, weil Russland viel stärker ist. Serbien wünscht sich ein bisschen, dass Russland ein großer starker und selbstloser Bruder ist. Serbien hat aber gewisse Vorteile was Russland betrifft, es gibt zum Beispiel ein Freihandelsabkommen. Aber der Außenhandel zu Russland ist ausbaufähig. Ich würde Russland auch nicht als selbstlosen Partner ansehen. Für Firmen kann es sinnvoll sein, wenn man den russischen Markt bearbeiten will, zuerst nach Serbien zu gehen. Bisher waren die Reaktionen serbischer Politiker zum Thema Ukraine nicht so, dass man eins zu eins die Position Russlands nachgebetet hat. Das zeigt sich auch im Wahlergebnis, denn der einzige der das gemacht hat, Vojislav Koštunica, ist nicht mehr ins Parlament eingezogen. Die Leute haben erkannt, wo die reale Zukunft des Landes liegt.

Was bedeutet ein EU-Beitritts Serbiens für die Region? Stichwort Kosovo und Bosnien?
Aus heutiger Sicht wird Serbien auf jeden Fall vor Bosnien der EU beitreten. Das liegt auch an den strukturellen politischen Problemen in Bosnien. Montenegro verhandelt zwar länger als Serbien, hat aber strukturell eine ganze Menge aufzuholen. Der Beitritt Serbiens wäre aber ein wichtiges Signal was die permanente friedliche Neuordnung in Südosteuropa angeht. Wir sind in einem historisch bedeutenden Jahr. Ich glaube man darf das auch im größeren historischen Kontext sehen. Wir gedenken heute der Tatsache, dass vor 100 Jahren hier ein furchtbarer Krieg begonnen hat. Heute sind die Nachfolgestaaten zu einem Gutteil in der EU vertreten oder auf dem Weg dorthin. Das ist ein gutes Zeiten. Das geht über die Bedeutung der EU als Wirtschaftsmacht hinaus.

Welche kulturellen Fettnäpfchen gibt es eigentlich für österreichische Geschäftsleute in Serbien?
Das Wirschaftsleben ist nicht so fremd wie vielleicht in Japan oder China. Absolute, für uns ungewöhnliche, No-Gos gibt es nicht. Man muss sich aber darauf einstellen, dass vieles kurzfristig geplant wird. Serbische Terminplanung ist viel kurzfristiger als bei uns. Sechs Monate vorher kann man keinen Termin planen. Es funktioniert in der Regel auch nicht, einfach nur ein Email zu schreiben. Das geht so nicht, die Leute wollen eine persönliche Beziehung aufbauen. Diese Ebene muss man auch pflegen. Das ist auch der Grund warum sich Österreicher leichter tun als zum Beispiel Deutsche. Politische Diskussionen, vor allem was den Zerfall Jugoslawiens angeht, würde ich auch vermeiden, weil das Befindlichkeiten berühren kann. Kosovo ist für Serbien ein historisch bedeutsamer Platz, da muss man nicht unbedingt dranrühren. Wenn ich ins Fußballstadion gehe setze ich mich ja auch nicht mit einem Partizan-Schal in die Fankurve von Roter Stern Belgrad.

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Aufgelesen (2) – Ukraine, Uruguay, Syrien, Frankreich und Venezuela

In der zweiten Ausgabe meiner Rubrik “Aufgelesen” spielt wieder die Ukraine eine besondere Rolle. Ich möchte aber auch Geschichten aus anderen Teilen der Welt vorstellen. Was es hier nicht gibt: Agenturmeldungen die es wie Kopien in fast allen Medien gibt und die bei “Breaking News” unkommentiert zu Live-Blogs verwurstet werden. Guter Auslandsjournalismus nimmt, meiner Meinung nach, auch etwas Tempo heraus.

Eine Armee verschwindet
Till Schwarze berichtet für „Zeit Online“ über die Auflösungserscheinungen der ukrainischen Armee. Ziemlich schwierige Situation, auch weil es zwischen den ukrainischen und russischen Soldaten auf der Krim familiäre Verbindungen gibt.

Häftlinge gegen Handelsbeziehungen
Josef Oehrlein erzählt aus Buenos Aires warum Uruguay bereit ist Häftlinge aus dem berüchtigten Guantanamo Gefängnis aufnehmen will. Soviel ist gesagt, das Entgegenkommen ist nicht ganz uneigennützig.

Traurige Gewinner
Onur Burcak Belli erzählt, wie in den Wirren des syrischen Bürgerkriegs im Norden des Landes ein autonomer kurdischer Teilstaat entsteht. Mit modernen Strukturen. Die größte Gefahr sind derzeit islamistische Kämpfer.

Der Frauenkampf von Paris
Stefan Simons berichtet für den „Spiegel“ aus Paris über den Kommunalwahlkampf in Frankreich. In der Hauptstadt Paris kämpfen zwei Frauen um das Bürgermeisteramt.

Geheimdienst verhaftet Bürgermeister
Jürgen Vogt berichtet von Buenos Aires aus für die „Taz“ über die Unruhen in Venezuela. Wo nun gezielt gegen Oppositionspolitiker vorgegangen wird. 

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Aufgelesen I – Ukraine

Das ist die erste Ausgabe meiner Rubrik “Aufgelesen”. Darin stelle ich fünf ausgewählte internationale Geschichten vor. Was es hier nicht gibt: Agenturmeldungen die es wie Kopien in fast allen Medien gibt und die bei “Breaking News” unkommentiert zu Live-Blogs verwurstet werden. Guter Auslandsjournalismus nimmt, meiner Meinung nach, auch etwas Tempo heraus.

Hier meine Auswahl zur aktuellen Woche.

Es fehlt an allem, was zum Kämpfen nötig ist
Konrad Schuller berichtet für die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus Simferopol darüber wie es den ukrainischen Soldaten auf Krim geht.

“Ich sehe nur noch wenig Hoffnung”
Philipp Hedemann berichtet für die Tageszeitung “der Standard” aus Kfar Zabad im Libanon über die Flüchtlingsdramen die sich zum dritten Jahrestag des Syrienkrieges im Nahen Osten abspielen.

Zug nach Nirgendwo
Mathias Becker erzählt im “Cicero” von 71 Afghanen die von Ungarn nach Deutschland fahren. Ihre Chancen auf Asyl sind sehr gering.

Die Mission
Johannes Dieterich hat für das Magazin “Brand eins” einen somalischen Koch begleitet. Er ist aus dem Exil in London nach Mogadischu zurückgekehrt um dort ein Restaurant zu eröffnen.

Die großen Ohres des Elysée
Michaela Wiegel berichtet für die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” aus Paris darüber wie frühere und aktuelle französischen Präsidenten ihre politischen Gegner und Freunde abgehört haben.

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Es wird international im Nachrichtenfluss

Leider kann ich kaum noch vor Ort recherchieren. So wie 2012 im Kosovo, wo sich österreichische KFOR-Soldaten und Kosovo-Serben gegenüberstanden.

Leider kann ich kaum noch vor Ort recherchieren. So wie 2012 im Kosovo, wo sich österreichische KFOR-Soldaten und Kosovo-Serben gegenüberstanden.

Es ist ein Kreuz mit meinen Interessen. Wie Ihr ja wisst, habe ich für ein Jahr recht intensiv aus Südosteuropa berichtet. Dabei habe ich viel gelernt. Unter anderem auch, dass Außenpolitik mein Traumressort ist. Das Balkan-Experiment, quasi ein Svabo in Sarajevo, ist leider gescheitert. Auch weil es in der Österreichischen Medienlandschaft kaum Interesse und kaum finanzielle Mittel für einen ordentlichen Auslandsjournalismus gibt. Wohl auch nicht unbegründet. So wie Journalisten mit Auslandsthemen kaum Geld verdienen können, so können auch Zeitungen kaum von einer guten Auslandsberichterstattung profitieren. Welcher Anzeigenkunde will schon neben Völkermord und Krieg stehen. Und auch der Leser, wirtschaftlich gesehen spielt er im Mediengeschäft ohnehin zweite Geige, begnügt sich mich der allseits verbreiteten und ewig gleichen Nachrichtenwüste der großen Agenturen.

Nur noch “Breaking News” zählt
Der Effekt? Der ist klar. Interessant sind nur noch „Breaking News“. Syrien war gestern, Ukraine ist es bald, denn der nächste Konflikt kommt bestimmt. Die Proteste in Bosnien wurden, medial gesehen, sowieso zwischen der Ukraine und Syrien zerrieben. Von den ganzen spannenden Auslandsgeschichten von denen wir kaum etwas erfahren, von Nigeria bis Südostasien ganz zu schweigen. In die Tiefe kann bei der Schnelllebigkeit eine Berichterstattung ohnehin nicht gehen. Das scheint auch nicht wirklich gewünscht zu sein. Der Vergleich hinkt zwar, aber die zwei Biertests hier im Blog hatten (auf niedrigem Niveau) im Schnitt vier Mal so viele Leser wie die Geschichten zu Bosnien oder zur Ukraine.

Ich habe das Glück bei der „Steirischen Wirtschaft“ das Ressort „International“ zu betreuen. Dort habe ich die Möglichkeit, im Korsett der Blattlinie natürlich und sofern es vom Platz her auch möglich ist, ein wenig hinter die Kulissen zu schauen und tiefergehende Interviews zu führen. So haben wir uns in den vergangenen Wochen intensiv mit der Ukraine auseinander gesetzt und uns auch die Frage gestellt, ob der Machtwechsel in Italien wirtschaftliche Auswirkungen auf Österreich hat.

“Aufgelesen” und Ausführliches
Trotzdem, der deutschsprachige Auslands-Journalismus liegt am Boden. Das mag jetzt nicht weiter tragisch sein, doch mich stört es. Deshalb werde ich mich hier im Blog, unabhängig von den Leserzahlen, vor Allem mit zwei Dingen beschäftigen. Ich möchte unter der Rubrik „Aufgelesen“ wöchentlich Links zu Geschichten posten, die ich für guten Auslandsjournalismus halte. Quasi so etwas wie ein Readers Digest abseits der Agenturmeldungen. Denn es gibt ihn noch, den guten Auslandsjournalismus. Zu finden ist er in den Qualitätsmedien die leider keine Massenwirksamkeit haben.

Zusätzlich werden ich jene Interviews die ich für die „Steirische Wirtschaft“ führe, wie gewohnt, in einer längeren Version hier online stellen. Auch kann es immer wieder vorkommen, dass ich das eine oder andere Interview oder eine ausführlichere Geschichte zusätzlich hier posten werde, ohne, dass sie in der „Steirischen Wirtschaft“ erschienen sind. Leider kann ich, aus verständlichen Gründen, nicht vor Ort recherchieren. Das machen viele große Zeitungen auch nicht und wenn sie es tun, dann nur sporadisch. Dieses Manko muss ich eben versuchen auszubügeln, indem ich immer wieder Experten zuhause in Österreich zu Wort kommen lassen will.

(Das heißt aber nicht, dass die Biergeschichten ganz sein lasse. Irgendwoher muss ja der Traffic herkommen.)

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EU – Ukraine – Russland: Zwei Systeme zerren um ein Land

Die Ukraine kommt nicht zur Ruhe. Wie sich die Lage entwickelt kann man heute schwer sagen. So hat sich seitdem ich die folgenden Interviews geführt habe die Situation dramatisch geändert. Unmittelbar danach hat nämlich Russland Truppen auf die Halbinsel Krim gesendet. Zumindest ist das der große Verdacht, denn offiziell bestreitet der russische Bär, dass es sich um russische Truppen auf der Krim handelt. Vielmehr seien es lokale “Selbstverteidigungstruppen” die nur zufällig russische Uniformen (ohne Distinktionen) und russische Ausrüstung tragen.

Ich wollte mir etwas Hintergrund verschaffen und auch herausfinden, was die Unruhen und der Nervenkrieg in der Ukraine für österreichische Unternehmen bedeuten. Dazu habe ich für die “Steirische Wirtschaft” mit Benedikt Harzl. Harzl forscht und lehrt im Osteuropazentrum der Universität Graz und hat sich auf den postsowjetischen Raum spezialisiert. Außerdem habe ich auch kurz mit dem österreichischen Wirtschaftsdelegierten in Kiew Hermann Ortner gesprochen. Das Interview findet sich hier. Da ich in der „Steirischen Wirtschaft“ nicht das gesamte Interview abdrucken konnte, will ich beide Gespräche hier veröffentlichen.

(Disclaimer: Die Interviews wurden unmittelbar vor der (vermutlich russischen) Besetzung der Krim geführt. Daher sind sie nicht mehr am neuesten Stand. Jedoch geben sie einen guten Einblick zur Ausgangslage.)

Hier das Gespräch mit Benedikt Harzl:

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in der Ukraine ein?
Das ist die große Frage. Wir haben keine Regierung in der Ukraine und die muss jetzt schnell gebildet werden. (Anmerkung: Die Regierung ist inzwischen gebildet.) Es gibt in diesem Zusammenhang drei große Fragezeichen. Die Ukraine ist ein kulturell gespaltenes Land. Der Westen spricht ukrainisch und ist eher dem Westen zugewandt. Er ist aber auch wirtschaftlich schwächer aufgestellt. Von dort ging auch der Protest aus. Der Osten hingegen hat eine Affinität zu Russland. Die aktuelle Krise hat dabei nicht geholfen das Land zu einen, sondern hat es weiter gespalten. Die Frage die sich stellt, ist ob man es jetzt schafft eine stabile Demokratie einzuführen. Dafür braucht es einen nationalen Konsens. Das Problem das ich hier sehe ist, dass die ersten Signale des Parlaments nicht dieser Hoffnung gerecht werden. Eine dumme Aktion war etwa die Aufhebung eines Sprachengesetzes, wonach russisch auch Amtssprache in manchen Regionen war. Das wirkt als ob man in einem betrunkenen Siegestaumel den Osten der Ukraine bestrafen will. Die radikalen und gewaltbereiten Kräfte müssen eingebunden werden. Doch die Frage ist, wie man das schafft. Das Fußvolk der Demonstranten waren Leute aus dem rechten und rechtsextremen Sektor. Das sind Leute die rechtsradikale Motive haben und kein Interesse an einem Kompromiss haben. Das ist ein großes Problem.

Das zweite Problem ist, dass es sich momentan ankündigt, dass wieder Oligarchen die Bühne betreten. Julia Timoschenko wurde entlassen, was ein guter Schritt war, aber sie ist keine Heilige. Sie hat sich genauso am Staat bedient. Das strukturelle Problem liegt darin, dass sich Oligarchen die Macht aufteilen und nicht der Wettbewerb die Wirtschaft formt. Oligarchen sind nicht an einer langfristigen Entwicklung der Ukraine interessiert.

Das dritte Problem ist die geopolitische Umgebung. Russland konzentriert sich auf die Wiederherstellung des sowjetischen Raumes. In diesem Zusammenhang hat Putin einen Kredit von 15 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Zwei Milliarden wurden bereits gezahlt, weitere Zahlungen wurden aber nach den Protesten eingefroren. Aber dieses Darlehen ist an keine Bedingungen geknüpft. Ein ganz klares Druckmittel um Russland in die Regierungsbildung einzubinden. Auch die EU hat ein Interesse an ihrer Nachbarschaft. Das grundsätzliche Problem ist, dass beide Integrationsprojekte das andere Projekt ausschließen. In Expertenkreisen weiß man, dass beide Partner eingebunden werden müssen. Fünf Prozent des BIP sind Überweisungen aus dem Ausland. 40 bis 50 Prozent davon kommen aus Russland. Das ist ein großer Hebel. Auf der anderen Seite hat Russland viele Freihandelsabkommen mit der Ukraine. Ein weiterer Sanktionsmechanismus, da Russland den Warenverkehr sperren könnte. Die Russen sind für die Ukraine gleich wichtig wie die EU beim Export.

Welche Rolle sollte die EU Ihrer Meinung nach in der Ukraine spielen?
EU muss eine wesentliche Rolle übernehmen. Die Ukraine braucht aber Perspektiven. Der Westen hat bisher vergessen, dass sie nicht zum ersten Mal der Westen der Ukraine unter die Arme greift. Der IWF hat 2010 15 Milliarden Dollar an Krediten gewährt. Es ist aber nichts weiter gegangen. Es gab auch vor Janukowitsch überhaupt keine Reformen, etwa der Stop von Gassubventionen für die lokale Bevölkerung. Diese Subvention macht zwei Prozent des BIP aus.

Was das Assozierungsabkommen mit der EU betrifft: 80 Prozent des Rechtsbestandes müsste von der EU übernommen werden. Kurzfristig würde das in der Ukraine zu extremen Verwerfungen führen. Russland würde wegen dem Abkommen den Markt sperren. Die Anreize seitens der EU haben gefehlt. Etwa Visafreier Reiseverkehr, von dem die Ukrainer träumen.Es ist demütigend um ein Visum anzusuchen. Das Freihandelsabkommen war so gesehen zu ambitioniert. Die Ukraine ist total korrupt. Es gab keine Reformen. Seit 1991 findet daher eine Schaukelpolitik zwischen Russland und EU. Die Frage ist, ob die Bevölkerung wirklich die Geduld hat. Die erwarten sich einfach schnelle Veränderungen. Es ist viel Mythos mit dem EU-Abkommen verbunden. Die bitteren Programme sind seit 2010 bekannt und werden sich nicht ändern. Die EU wird diese Forderungen nicht zurückschrauben können. Es gibt in Sachen EU in der Ukraine viel Optimismus, ohne dass es einen Grund gibt optimistisch zu sein. Vor allem weil Reformen in der Ukraine nur im letzten Moment unter enormen Zeitdruck durchgeführt werden.

Sind es tatsächlich proeuropäische Proteste gewesen oder spielt die rechtsradikale Strömung eine bedeutende Rolle?
Die Rechtsradikalen haben erst im Laufe der Zeit Bedeutung dazu gewonnen. Ursprünglich war das eine ernstzunehmende und proeuropäische Bewegung. Durch ganz bewusste Provokation hat sich der Protest erweitert und verselbstständigt, die vom Westen des Landes getragen wurden. Der Protest wurde zur Projektionsfläche für alle Probleme im Land. Die Menschen haben keine Perspektiven. Das hat auch rechtsradikale Gruppen angezogen.

 

Was bedeutet die aktuelle Entwicklung für die angrenzenden EU-Länder? Es gibt ja eine ungarische Minderheit in der Ukraine?
Natürlich sind die Nachbarländer sehr betroffen. Zum Beispiel die ungarische Minderheit, die sehr besorgt wegen des nationalistischen Rausches in der Westukraine ist. Wenn es zu russischen Sanktionen kommt, würde die Grenzwirtschaft, zum Beispiel zwischen Polen und Ukraine, nicht besonders betroffen. Die ostukrainische Industrie ist aber stark mit der russischen Waffenindustrie verbunden. Kritisch ist, dass sich die nichtrussischen Auslandsbanken weitgehend aus der Ukraine zurückziehen. 2012 waren noch 40 Prozent aller Bankgeschäft in der Hand nichtrussischer Auslandsbanken. Heute sind es nur noch 17 Prozent. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Probleme für die Ukraine erst beginnen.

Halten Sie eine Teilung der Ukraine für realistisch? (Anmerkung: Zwei Tage nach dem Interview wurde die Halbinsel Krim militärisch besetzt.)
Das wäre brandgefährlich. Abgesehen davon halte ich es für unrealistisch. Es besteht kein Interesse an einer Teilung. Es muss aber alles daran gesetzt werden, jede weitere Konfrontation zu verhindern. Man muss schauen, dass konsensorientierte Politik gemacht wird. Da wird es darauf ankommen, dass sich auch Europäer und Russen absprechen. Zum Beispiel die Initiative Steinmeier war sehr positiv. Das hat gezeigt, dass die EU die einzigen sind, die die Möglichkeit und den Willen haben für Frieden zu sorgen. Die Hoffnungen sind hoch auf einen schnellen Wandel. Aber es wird sehr schmerzhafte Einschnitte geben. Die Frage ist, wie die Radikalen darauf reagieren. Sie müssen eingebunden werden aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das reibungslos funktionieren wird. Ich glaube das ist davon abhängig wie die Europäer mit den Russen arbeiten.

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Der finanzielle Rückhalt der Ukraine ist sehr gering

Das Gespräch mit dem österreichischen Wirtschaftsdelegierten in Kiew, Hermann Ortner habe ich kurz vor dem russischen Einmarsch auf die Krim geführt. Seitdem hat sich die politische Lage in der Ukraine erneut dramatisch verändert. Trotzdem gibt das Interview wertvolles Hintergrundwissen. Ursprünglich wurde das Interview für die „Steirische Wirtschaft“ geführt. Eine kurze Version des Gespräches wurde auch dort veröffentlicht.

Wie werden sich steirische/österreichische Unternehmen in der jetzigen Situation verhalten?
Das kann man sehr schwer sagen. Es ist viel zu früh darüber zu sprechen. Unternehmen investieren immer mit einem mittel- und langfristigen Horizont, da gibt es selten kurzfristige Entscheidungen.

Das Geschäftsleben hat sicher darunter gelitten, das ist klar. In der Ukraine gibt es aber schön länger Probleme, vor allem im Bereich Steuern und Zoll. Das wirtschaftliche Umfeld war in den letzten ein bis zwei Jahren nicht gut. Jetzt muss man abwarten. Seit ein paar Tagen sieht es so aus, dass es Neuwahlen geben wird. Es hat in den letzten paar Monaten aber so viele schnelle Änderungen der Situation gegeben, dass man nur abwarten kann.

Wie steht die Ukraine derzeit wirtschaftlich da?
Man hat in der Ukraine sehr viel Zeit versäumt. Die Unabhängigkeit ist fast 25 Jahre her und die wirtschaftliche Entwicklung ist im Vergleich sehr hinten. Das Wirtschaftswachstum war im vergangen Jahr sogar leicht negativ und Auslandsinvestitionen sind zurückgegangen. Es gibt in der Ukraine vor allem veraltete Industrie. Es bräuchte einfach bessere Rahmenbedingungen für Investitionen. Gerade Investitionen aus dem Ausland wären wichtig für die Ukraine eine wichtige Entwicklung. Geschäftsleute wollen, wie Aktienmärkte, aber ein stabiles Umfeld. Niemand hat daher wohl in den letzten Monaten die Entscheidung getroffen das Geschäft auszubauen. Ich habe das Gefühl, dass die Neuwahlen ein Szenario sind, das politische Stabilität bringen kann, aber kurzfristig wird es nicht ohne Reibereien weitergehen. Es gibt derzeit so viele Gerüchte und Geschichten, die sich schwer verifizieren lassen, etwa wenn es um den Aufenthaltsort einzelner Politiker geht.

Es gibt derzeit viele Spekulationen. Ist die Ukraine bankrott?
Man sagt, dass die Devisenenreserven gering sind. Der finanzielle Rückhalt in der Ukraine ist sehr gering. Man wird unbedingt ausländische Geldgeber finden müssen. Mit einer Teilung wird seit Jahrzehnten spekuliert. Aber ich stelle mir das persönlich unwahrscheinlich vor und ist eher Theorie.

Sind österreichische Unternehmen überhaupt im Osten der Ukraine vertreten?
Die meisten österreichischen Firmen sind in Kiew. In der Ostukraine gibt es kaum österreichische Präsenz. Ein weiteres österreichisches Stronghold ist im westukrainischen Lemberg. Im Osten ist vor allem die veraltete Schwerindustrie angesiedelt. Das heißt diese Region ist höchstens für Exporteure von Maschinen interessant. Aber in diese Industrien wurde schon in der Vergangenheit kaum investiert.

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Die olympischen Reste von Sarajevo

Trotz aller Zerstörung. Die Olympischen Spiele sind in Sarajevo immer noch präsent.

Trotz aller Zerstörung. Die Olympischen Spiele sind in Sarajevo immer noch präsent.

Die olympischen Wettkampfstätten sind jedoch weitgehend zerstört und wurden teilweise im Krieg militärisch genutzt.

Die olympischen Wettkampfstätten sind jedoch weitgehend zerstört und wurden teilweise im Krieg militärisch genutzt. 

Besonders vom Sarajevoer Hausberg Trebevic aus wurde, wegen der guten Aussicht, auf die Stadt geschossen.

Besonders vom Sarajevoer Hausberg Trebevic aus wurde, wegen der guten Aussicht, auf die Stadt geschossen.

Einzelne Schlüsselgebäude sind von dort aus gut zu sehen. Etwa hier das alte Rathaus.

Einzelne Schlüsselgebäude sind von dort aus gut zu sehen. Etwa hier das alte Rathaus.

Deshalb wurde das zerstörte Restaurant auch als Befehlsstand genutzt.

Deshalb wurde das zerstörte Restaurant auch als Befehlsstand genutzt.

Die Aussicht des Gastgartens ist einfach hinreißend.

Die Aussicht des Gastgartens ist einfach hinreißend. 

Auch nach dem Krieg wurde der Berg militärisch genutzt. Hier stand eine Abhörstation der Amerikaner.

Auch nach dem Krieg wurde der Berg militärisch genutzt. Hier stand eine Abhörstation der Amerikaner.

Die olympischen Stätten von Sarajevo sind dem Verfall preisgegeben. Vor allem der Krieg hat sie endgültig zerstört. Hier das Beispiel der Bob- und Rodelbahn am Trebevic. 

Eigentlich hatte ich geplant, dass ich die Langversion eines Interviews mit Benedikt Harzl vom Osteuropainstitut der Uni Graz im Blog veröffentliche. Leider verzögert sich das um ein paar Tage. So wie es aussieht werde ich es wohl erst am Montag veröffentlichen können. Ursprünglich habe ich das Interview für die “Steirische Wirtschaft” geführt. Etwas müsst ihr euch also dafür noch gedulden. Da ich aber ein gewissenhafter Ironblogger sein will, werde ich zu einem anderen Thema etwas zum besten geben.

Die Olympischen Spiele sind vorbei und in der vergangenen Woche hat Marco Schreuder auf Facebook ein paar Bilder von den zerstörten Olympia-Anlagen in Sarajevo gepostet. Es waren sehr beeindruckende Bilder, die mich an meine Zeit in Sarajevo erinnert haben. Natürlich sind die Olympischen Spiele von Sarajevo in der bosnischen Hauptstadt noch immer allgegenwärtig.Immerhin war es das einzige friedliche Ereignis, das mir spontan einfällt, das Sarajevo weltbekannt gemacht hat. Die anderen Beiden Ereignisse, das Attentat und die Belagerung können das ja nicht von sich behaupten. Und so kommt es, dass durch das andere, das gewalttätige Ereignis, die Olympischen Sportstätten, nicht nur zerstört, sondern auch geschändet wurden.

Schlüsselstellung bei Belagerung
Am besten zeigt sich das am Sarajevoer Hausberg Trebevic. Dort befindet sich die einzige Sportanlage, die ich auch persönlich besucht habe. Die Bob- und Rodelbahn der olympischen Spiele ist nämlich der einzige Pfad um sicher auf den Berg hinauf zu kommen. Nach wie vor werden dort nämlich viele Minen vermutet und die betonierte Strecke der Bobbahn ist davor sicher. Deshalb wurde sie wohl auch von bosnisch-serbsichen Einheiten bei der Belagerung Sarajevos als Stellung verwendet. Dementsprechend ist heute der Zustand. Oben angekommen findet man ein zerstörtes Restaurant, bei dem auch Siegerehrungen stattgefunden haben. Im Krieg wurde das Gebäude als Kommandostelle für die Belagerung verwendet, wohl auch, weil man hier einen perfekten Blick über die Stadt hat. Nicht nur wunderschön, sondern auch perfekt um sie zu beschießen.

Amerikanische Abhörstation
Es gibt aber auch noch andere betonierte Flächen am Trebevic. Etwa eine Stelle wo kurz nach dem Krieg eine amerikanische Abhörstation errichtet wurde. Von dort aus wurde zum Beispiel der serbische Funkverkehr während des Kosovokrieges überwacht. Die Amerikaner sind natürlich schon längst abgezogen, die Betonfläche ist geblieben.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Die Seilbahn zum Tebevic soll wieder aufgebaut werden. Direkt vom Stadtzentrum kommt man dann in wenigen Minuten auf den Berg. Möglich ist das, weil die Schweiz eine ausrangierte Seilbahn gespendet hat. Sie liegt in Einzelteilen verpackt im Camp Butmir, dem Hauptquartier der EUFOR, der europäischen Soldaten, in Sarajevo. Die Stadt will nun einen Kredit über drei Millionen Euro Aufnehmen. Der erste von 17 Masten soll im Frühjahr 2015 stehen. Bis dahin dauert es aber noch eine Weile.

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Ein Laie trinkt Bier II – Gambrinus Bier

Das Gambrinus-Bier. So schlecht sieht das volle Glas nicht aus.

Das Gambrinus-Bier aus Österreich. Ganz so schlecht sieht das volle Glas wirklich nicht aus.

Wer aus Österreich kommt, dem ist das Gambrinus Bier, nicht das tschechische sondern das österreichische, sicher schon einmal untergekommen. Benannt ist das Bier nach niemand geringeren als den legendären niederländischen König, dem auch die Erfindung des Biers zugeschrieben wird. Gambrinus gilt als Gegenstück zum Weingott Bacchus. In Österreich ist es aber meist eines jener Biere die in der untersten Preisklasse im Supermarkt zu finden sind. Kein Wunder also, dass dieses Bier gerne auch in Begleitung des entsprechenden Klientels kommt. Man sollte ich nicht täuschen, Biertrinken hat oft auch mit Markenbewusstsein zu tun. Ein Gambrinus Bier in der richtigen Hand kann auch ein Statement sein. Oft findet man aber auch dieses Bier in den Händen Obdachloser oder den üblichen Bahnhofs-Alkoholikern. Trotzdem, soll ja nicht gesagt sein, dass diese Leute keinen Geschmack hätten. Deshalb habe ich diesmal das Gambrinus Bier ausprobiert. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass auch bei diesem Bier so manches Bild mitschwingt. Das Bier dürfte übrigens aus dem Hause Ottakringer stammen, obwohl es auf der Dose keinen Hinweis dazu gibt.

Biername: Gambrinus Bier
Herkunftsland:Österreich
Hersteller: Sörvis GmbH – Wien (Ottakringer)
Bierart: Schankbier
Alkoholgehalt: 4,2 Prozent vol.
Verschlussart: Dose
Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Getestete Flaschengröße: 0,5 Liter Dose

Halb ausgetrunken lässt die Begeisterung aber zu wünschen übrig.

Halb ausgetrunken lässt die Begeisterung aber zu wünschen übrig.

Zu kaufen gibt es das Gambrinus Bier meist nur in der 0,5 Liter Dose. Ich habe es zumindest noch nicht in einem anderen Format gesehen. Gut gekühlt und eingeschenkt bildet sich zwar ein schöner Schaum, ich musste mich aber mit dem Fotografieren beeilen, denn innerhalb einer Minute war der Schaum praktisch weg. Das liegt nicht an meinen zweifelhaften Einschenkkünsten. Farblich präsentiert sich dieses Bier klar und hellgelb. Was mir etwas fehlt ist das perlende Erscheinungsbild. Man spürt zwar kurz die Kohlensäure beim trinken aber ein wirklich prickelndes Erlebnis bleibt aus. Dafür macht es das Bier süffig, man kann es also durchaus schnell in größeren Mengen trinken. Aber das wollen wir ja nicht.

Geschmacklich weiß ich nicht recht was ich mit diesem Bier anfangen soll. Süffig schön und gut, aber wie Wasser sollte es doch nicht trinkbar sein. Besonders unangenehm ist auf jeden Fall, dass der fehlende Geschmack beim eigentlichen Schluck vom bitteren Nachgeschmack des Vorschlucks übertüncht wird. Auch der Geruch des Bieres ist relativ inhaltsleer. Es fehlt sowohl eine starke Getreidenote als auch irgend ein anderer signifikanter Geruch.

Der Biersieder-Test
Jetzt ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Lässt man nämlich ein Bier stehen, dann offenbaren sich alle schlechten Eigenschaften eines Bieres, die zuvor von der Kälte überdeckt wurden. Beim Biersiedertest spielt das Gambrinus Bier aber seine Stärken aus. Die wenige Kohlensäure ist nicht weniger geworden. Der Geschmack, nunja, der ist gleich schlecht geblieben. Nur beim Geruch hat das Gambrinus Bier massiv abgebaut. Jetzt riecht das Bier wie aus einer Bahnhofvorhalle. Aber zumindest schmeckt das Bier nicht noch schlechter.

Ein billiges Bier eben. Eher etwas für die Bierchallenge.

Ein billiges Bier eben. Eher etwas für die Bierchallenge.

Das Etikett
Das Etikett ist etwas backen. In grün gehalten zeigt es den König Gambrinus, der sein Glas hebt. Doch richtig Freude kommt beim Etikett nicht auf. Ganz klein und verwaschen, zu klein für den ungenauen Druck auf einer Bierdose versteckt sich noch der Hinweis auf das Reinheitsgebot von 1516. Reinheitsgebot hin oder her, ansprechend ist das Dosendesign auf jeden Fall nicht. Kann man sich aber bei einer Billigmarke auch nicht erwarten.

Gesamteindruck
Also Gambrinus würde sich, so es ihn tatsächlich gab, im Grabe umdrehen. Das Gambrinus Bier ist wohl eher etwas für diese schreckliche Bierchallenge auf Facebook. Schnell runter damit und sich dem Kopfweh frönen. Das kam nämlich am folgenden Tag so sicher wie das Amen im Gebet. 

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