Slowakei: Wenn Geschichten auf der Straße liegen bleiben

Kennt ihr das, wenn man unterwegs ist und es springen einem einfach die Geschichten entgegen? Mir geht es eigentlich immer so, wenn ich unterwegs bin. Ob es nun in Cornwall war, wo ein es vor allem soft Geschichten waren oder in Schottland, wo wir eine Reihe von Individualisten, Kleinunternehmern und spannende Typen kennengelernt haben. Da war der Hostel-Betreiber in Uig, einem Dorf mit wenig mehr als einer Anlegestelle. Die Familie die ein kleines Freiluftmuseum betreibt und untereinander auf Gälisch spricht. Der Pub-Besitzer der erst vor kurzem seine Bar eröffnet hat. Das Ehepaar, das sich in den Kopf gesetzt hat nordenglischen Wein zu keltern oder mein Hostel-Zimmerkollege, der seine Pension damit verbringt im unwirtlichen Schottland die Einsamkeit der Wanderung zu genießen.

Die Geschichten gibt es überall und bei jeder Reise, besonders wenn man auf den all-inclusive Mist verzichtet. Und wie es meistens so ist, wirklich Zeit zur Recherche oder für tiefergehende Gespräche bleibt meistens nicht.

Teilweise muss die Autobahn in der Slowakei noch gebaut werden.

Teilweise muss die Autobahn in der Slowakei noch gebaut werden.

Vor Kurzem war ich zwei Tage in der Slowakei. Der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Bratislava war so freundlich und hat mir das Land gezeigt. Wir haben steirische Unternehmen besucht, die oft schon seit Jahrzehnten im Land tätig sind. Das Ziel war eine Reportage über ein Land zu schreiben, über das kaum berichtet wird. Soweit so gut. Das hat auch sehr gut funktioniert und durch die durchgeplante Organisation der Reise konnten wir sehr viel abdecken. Besonders die Gespräche mit den Unternehmern und Managern aber auch mit dem Wirtschaftsdelegierten Patrick Sagmeister selbst waren sehr spannend.

Auch solche Läden finden sich in mittelslowakischen Städten.

Auch solche Läden finden sich in mittelslowakischen Städten.

Doch eines ist aufgrund der wirklich kurzen Reise leider auf der Strecke geblieben. Da waren die Hipster-Lokale in Banska Stiavnica. Die Weingüter an denen wir vorbei gefahren sind. Die kleinen Brauereien, die die Biertradition hochhalten. Aber auch die wachsenden Konflikte mit der Minderheit der Roma und Sinti. Die Ghettos in Kosice haben wir nur von der Autobahn aus gesehen. Die fehlende Kaufkraft im Land werde ich in den kommenden Wochen noch

Auch moderne Lokale, die man auch in Graz finden würde, verstecken sich in den renovierten Innenstädten.

Auch moderne Lokale, die man auch in Graz finden würde, verstecken sich in den renovierten Innenstädten.

thematisieren. Es scheint könnte Monate in der Slowakei verbringen und täglich Geschichten aufgabeln. Und so geht es mir in vielen Ländern. Vorerst ist eine Wirtschaftsreportage im Entstehen, die erst in der Steirischen Wirtschaft und in weiterer Folge wohl etwas ausführlicher im Blog zu lesen sein wird. Auch auf das eine oder andere bierige Highlight könnt ihr euch freuen. Und eines ist sicher, es wird nicht meine letzte Reise in die Slowakei gewesen sein. Denn obwohl ich diesmal viele Geschichten auf der Straße liegen gelassen habe. Ich werde sie mir früher oder später noch holen.

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Ich bin ein Mikrokredit-Hai – hoffentlich ein guter

Pedro schuldet mir Geld.

Pedro schuldet mir Geld.

Ich bin ja eigentlich kein großer Spender. Zumindest was Geldspenden anbelangt. Ich habe noch nie ein offenes Ohr für die Spendenkeiler am Jakominiplatz gehabt und auch andere Spendenaufrufe habe ich erhört. Das lag wohl auch daran, dass ich als freier Journalist nicht das regelmäßige Einkommen hatte um viel zu spenden. Aber auch der Umstand, dass ich ohne hin viel Zeit in Form meiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Roten Kreuz gespendet habe, hat mich davon abgehalten.

Bis vergangenen Februar. Damals habe ich zum ersten Mal Geld für die gute Sache in die Hand genommen. Was daraus geworden ist, möchte ich euch hier berichten.

Im Grunde war es eine Impulsentscheidung. Ich hatte einen neuen Job und endlich ein wirklich geregeltes Einkommen. Doch die Überlegung etwas zu spenden war auf keinem Fall auf meinem Radar. Bis Clemens Maria Schuster von der schweizer PR-Agentur „Hofrat Suess“ von seinem Mikrokredit-Engagement auf seiner Facebook Timeline berichtet hat.

Mikrokredit, das klang interessant. Immerhin heißt Kredit auch zurückzahlen und zurückzahlen heißt, dass es ja eigentlich kein spenden ist. Das war mir sympatisch, denn es kommt dem Grundsatz „don’t give a fish, teach how to fish“, der mir sehr gefällt, recht nahe. Also habe ich Clemens kontaktiert und er hat mir von der Plattform „Kiva“ erzählt. Dabei handelt es sich um eine Online-Plattform die mit verschiedenen Mikrokreditgebern zusammenarbeiten. Man zahlt ein Startkapital – in meinem Fall 50 Dollar – ein und kann dann aus verschiedenen Projekten auswählen die man unterstützt. Diese kann man mit mindesten 25 Dollar unterstützen.

In meinem Fall habe ich folgende Projekte ausgewählt:

25 Dollar gingen an Pedro Juan aus El Salvador. Er ist Elektriker und brauchte einen Mikrokredit für Baumaterial. Mit den 325 Dollar, die er bekommen hat kaufte er elektrische Schalter, Kabelschächte, Sicherungen und Kabel. Er hat versprochen den Kredit innerhalb von 12 Monaten zurückzuzahlen und dieses Versprechen hat er bis jetzt übererfüllt. 66 Prozent seine Kredits hat er bereits abgestottert.

Gevorg will seine Fabrik aufbauen.

Gevorg will seine Fabrik aufbauen.

Die zweite Hälfte meiner Investitionssumme ging an ein europäisches Projekt. Gevorg aus Armenien betreibt gemeinsam mit seinem Bruder eine kleine Serviettenmanufaktur. Eine Fabrik kann man das kaum nennen, denn im Prinzip produziert eine kleine alte Maschine die Servietten. Sein Bruder kümmert sich um die Produktion und Gevorg hat den Vertrieb übernommen. Er beliefert rund 500 Läden und einige Fast-Food-Restaurant mit seinem Produkt. Um mehr Servietten produzieren zu können müssen sie einiges an Rohmaterial vorfinanzieren und hier ist der Mikrokredit eingesprungen. 1,700 Dollar sind zusammengekommen, 25 Dollar davon kamen aus meiner Tasche. Eine so große Summe braucht dafür auch länger mit der Rückzahlung. 32 Monate sind das Ziel und bis jetzt sind sie auf jeden Fall im Plan, denn 16 Prozent des Kredites sind bereits zurückgezahlt.

Mein Portfolio zeigt, dass beide Kreditnehmer ihre Schulden zurückzahlen.

Mein Portfolio zeigt, dass beide Kreditnehmer ihre Schulden zurückzahlen.

Da das Geld schön langsam wieder auf mein Konto zurückgezahlt wird, kann ich mir jetzt überlegen, welches Projekt ich als nächstes unterstützen will. Dabei gehe ich nach einigen persönlichen Kriterien vor. Ich unterstütze vor allem Geschäfte, also Leute die aus dem Kredit ihre Arbeit bestreiten wollen. Außerdem habe ich Zugriff auf die Daten der einzelnen Kreditorganisationen. Dabei schaue ich mir vor allem die „Default rate“ an, also die Ausfallsrate. Ich will ja mein Geld wieder zurück bekommen. Übrigens kann ich das Geld das auf meinem Konto liegt auch wieder zurückfordern. Das Risiko besteht also in erster Linie im Währungsrisiko, da die Kredite in lokaler Währung ausgezahlt werden.

Was bleibt ist also eigentlich ein Nullsummenspiel, und trotzdem hat man den Menschen mit geringen Summen geholfen. Wirklich kümmern muss ich mich um die Geschichte auch nicht. Einmal im Monat bekomme ich ein Email, wo mir mitgeteilt wird, dass wieder eine Rückzahlungsrate eingegangen ist. Dann logge ich mich kurz ein, schaue was ich hab und wenn wieder 25 Dollar beisammen sind, dann suche ich mir ein neues Projekt.

Kritik an Mikrokrediten
Natürlich gibt es auch Kritik an Mikrokrediten. Der Service ist nicht unumstritten und manche Studien stellen die Wirkung in Frage. Viele sehen darin in erster Linie ein Geschäftsmodell der Finanzwirtschaft. Hauptkritikpunkt ist aber, dass viele Kreditnehmer nicht das Wissen hätten um erfolgreich als Kleinunternehmer zu arbeiten. Dieses Risiko versuche ich durch die Auswahl der Projekte und der Kreditvergeber zu minimieren. In Summe halte ich das System für sehr spannend.

 

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Ein Laie trinkt Bier V: Tuzlanski Pilsner

Tuzslanski Pilsner, das Standard Bier aus der bosnischen Stadt Tuzla.

Tuzslanski Pilsner, das Standard Bier aus der bosnischen Stadt Tuzla.

Mit dem Tuzlanski Pilsner will ich die Serie der Balkanbiere abschließen. Nachdem ich bereits das Schwarzbier aus der Pivara Tuzla vorgestellt habe, möchte ich die Gelegenheit nutzen und auch die Hauptmarke, nämlich des Pils aus Tuzla vorstellen. . Kennengelernt habe ich das Bier bei meinem Bosnien-Abenteuer. Da ich immer wieder in Tuzla zu Gast war, habe ich es auch immer öfter serviert bekommen. Daher kenne ich dieses Pils schon länger. Besprochen und so bewusst getrunken wie heute habe ich es aber noch nie.

Biername: tuzlanski pilsner
Herkunftsland:Bosnien
Hersteller: Pivara Tuzla d.d.
Bierart:Pils
Alkoholgehalt: 4,7 Prozent vol.
Verschlussart: Kronkorken
Zutaten: Gerstenmal, Maisgrieß, Hopfen, Wasser. 
Getestete Flaschengröße: 0,33 Liter Flasche

Gekauft habe ich dieses Bier, wie die anderen Balkan-Biere, in einem bosnischen Supermarkt. Ich habe mich für die 0,33 Liter Flasche entschieden, obwohl es auch 0,5 Liter Flaschen gibt. Gut gekühlt und eingeschenkt bildet sich ein feiner Schaum, der sich auch ein paar Minuten halten kann. Optisch präsentiert sich das Tuzlanski Pilsner dunkler als etwa das Jelen Pivo von vergangener Woche. So präsentiert sich ein klares goldgelbes Bier bei dem fein die Kohlensäure ausperlt. Viel von dieser Spritzigkeit merkt man beim ersten Schluck aber nicht. Erst beim runterschlucken stellt sich ein prickelndes Gefühl im Gaumen ein. Beim zweiten Schluck hingegen, der deutlich langsamer getrunken wurde, prickelt es schön auf der Zunge. Kein Bier zum schnell trinken also. Eine deutliche Hopfennote, wie sie andere Kritiker erriechen, konnte ich leider nicht feststellen. Auch erscheint mir das Bier nicht übermäßig süß. Im Abgang taucht dann dieser, vielleicht etwas heftige, Kohlensäureschub auf. Ein unangenehmer Nachgeschmack bleibt aus und so wird das Tuzlanski Pilsener zu einem klassischen Bier, das man entspannt mit Freunden trinken kann.

Der Biersieder-Test
Auch im Biersiedertest ist das Tuzslanski Pilsner ganz nach meinem Geschmack. Die agressive Kohlensäure im Abgang ist weg. Manche würden sagen, dass das Bier, wenn man es stehen lässt, schal schmeckt. Aber ich empfinde es durchaus als angenehm. Negative Eigenschaften treten auch keine hervor. Das macht es durchaus zu einem Bier, das man auch langsam trinken kann.

Das Etikett
Optisch ist das tuzlanski Pilsner recht klassisch. Das Etikett der grünen Flasche ist in Rot und Gold gehalten. Die Banderole am Flaschenhals scheint Werbung für ein Gewinnspiel zu machen. Interessant ist, dass auf dem Etikett mehrere Sprachen zu finden sind. So wird etwa auf Deutsch auf die „natürliche Qualität“ hingewiesen und darauf, dass die 1884 gegründete Brauerei die „erste Dampfbrauerei“ sei. Auch zum Tuzlanski Pilsner habe ich eine Fernsehwerbung gefunden.


Gesamteindruck
Das Tuzlanski Pilsner gefällt mir. Es ist nicht besonders aufdringlich und lässt sich so zu vielen Anlässen servieren. Besonders hervorstechen tut es aber nicht nicht. Das macht es eher zu einem Alltagsbier, das ich aber ziemlich sicher nicht ablehnen werden. Mein Fazit daher: Trinkempfehlung

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Ein Laie trink Bier IV: Jelen Pivo

Jelen Pivo, noch kurz mit Schaumkrone.

Jelen Pivo, noch kurz mit Schaumkrone.

Ich möchte meine Serie mit einem der großen Balkanbiere fortsetzen. Deshalb stelle ich euch in der vierten Folge das „Jelen Pivo“, das Hirschenbier, aus Serbien vor. Kennengelernt habe ich das Bier am Guca-Festival, einem Nach langer Schaffenspause will ich meine Serie „Ein Laie trinkt Bier“ wieder aktivieren. Auch am Balkan entwickeln sich die Biere, entsprechend dem internationalen Trend, weiter. Das hat auch mit einer gewissen Internationalisierung zu tun und das ist nicht immer gut. Die Apatinska Brauerei, aus dessen Hause Jelen stammt, gehörte seit 2003 zur InBev-Gruppe und seit Juni 2012 gehört die Brauerei zur kanadischen Molson Coors Brewing Company. Trotzdem ist das Bier das beliebteste Bier in Serbien. Ob das Jelen Pivo dadurch zu einem Einheitsbier geworden ist soll der Trinktest zeigen.

Biername: Jelen Pivo
Herkunftsland:Serbien
Hersteller: Apatinska pivara
Bierart:Helles Bier
Alkoholgehalt: 5,0 Prozent vol.
Verschlussart: Kronkorken
Zutaten: Gerstenmal, Braumalz, Wasser, Hefe, Hopfen.
Getestete Flaschengröße: 0,33 Liter Flasche

Gekauft habe ich dieses Bier in Bosnien, doch angeblich ist es auch in Österreich erhältlich. Ich habe mich für die 0,33 Liter Flasche entschieden, obwohl es auch 0,5 Liter Flaschen und 0,5 Liter Dosen gibt. Gut gekühlt und eingeschenkt bildet sich nur ein leichter grober Schaum, der innerhalb einer Minute zusammenfällt. Optisch ist das Bier, das ich bisher bei Festivals direkt aus der Dose oder aus der Flasche getrunken habe, heller als erwartet. Es zeigt sich eine klares hellgelbes Bier mit ordentlich viel Kohlensäure die ausperlt. Das merkt man auch beim trinken, wenngleich die Spritzigkeit doch recht flott verfliegt.

 

Der Biersiedertest war recht ereignislos.

Der Biersiedertest war recht ereignislos.

Geschmacklich ist es ein klassisches helles Bier ohne dass es mich vom Sessel haut. Eher ein Alltagsbier und nichts das man als Spezialität einschenken würde. Dafür, dass es fünf Prozent Alkohol hat, wirkt es auch eher leicht. Wer herbe Biere mag sollte nicht zum Jelen-Pivo greifen. Es fehlt eine charakteristische Getreidenote und auch im Abgang bleibt nicht viel hängen. Das, kombiniert mit der schnell verfliegenden Spritzigkeit, macht das Jelen Pivo recht süffig. Wer aber ein Bier zu den traditionell deftigen Speisen Serbiens trinken will, ist vielleicht mit etwas schwererem besser bedient.

Der Biersieder-Test
Auch im Biersieder-Test passiert dem Jelen-Pivo kein großer Patzer. Bemerkenswert ist, dass es geschmacklich weder zu- noch abgenommen hat. Es schmeckt, sieht man von der Temperatur ab genau gleich. Nur im Abgang stört mich jetzt ein komisch künstlicher Nachgeschmack. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise kommen manche Geschmacksstoffe durchaus stärker zum Ausdruck, wenn das Bier einmal warm geworden ist.

Das Etikett
Optisch ist das Jelen Pivo recht interessant. Die Verpackung kommt mit einer breiten gelben Banderole am Flschenhals aus. Am Flaschenkörper findet sich eine große Prägung eines Hirschen, dem Jelen-Logo. Gar nicht blöd eigentlich, denn wenn sich im kühlenden Wasser das Etikett löst, weiß man noch immer was man da trinkt. Interessant ist auch der Claim des Jelen Pivo: „Muskarci znaju zasto“, „Männer wissen, warum.“ Hierzu habe ich auch die Fernsehwerbung von Jelen Pivo gefunden.

Immer ein trauriger Anblick, das ausgetrunkene Bier.

Immer ein trauriger Anblick, das ausgetrunkene Bier.

Gesamteindruck
Leider hat sich mein Verdacht erhärtet. Das Jelen Pivo ist eines der vielen Einheitsbiere aus einer Großbrauerei, das genauso gut aus Österreich, Deutschland oder den USA kommen könnte. Ein gutes Alltagsbier ohne große Fehler aber auch ohne viel Charakter. Ich will trotzdem eine Trinkempfehlung aussprechen. Warum? Weil es es viele schlechtere Biere gibt. Quasi unschuldig aus Mangel an Beweisen.

Mein Fazit: Trinkempfehlung

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Ein Laie trinkt Bier III – Premium Crno Pivo

 

Das schwarze Bier hat seinen Namen verdient.

Das schwarze Bier hat seinen Namen verdient.

Nach langer Schaffenspause will ich meine Serie „Ein Laie trinkt Bier“ wieder aktivieren. In der dritten Ausgabe möchte ich euch ein etwas exotischeres Bier vorstellen. Wer mich kennt weiß, dass ich eine gewisse Affinität für den Balkan entwickelt habe. Und so habe ich natürlich auch die dortigen Biere kennen und teilweise auch schätzen gelernt. Auch am Balkan entwickeln sich die Biere, entsprechend dem internationalen Trend, weiter. So finden sich immer mehr Radler-Variationen, die wohl dem allgemeinen Zeitgeist entsprechen. Für die heutige Ausgabe habe ich mir aber eine andere Biervariation ausgesucht. Ich möchte euch heute das Schwarzbier „Premium Crno Pivo“ von der Tuzlanski Pivera in Bosnien vorstellen.

Biername: Premium Crno Pivo
Herkunftsland:Bosnien
Hersteller: Pivara Tuzla d. d.
Bierart: Schwarzbier
Alkoholgehalt: 4,7 Prozent vol.
Verschlussart: Kronkorken
Zutaten: Wasser, Braugerste, Maisgrütze, Hopfen, Hopfenextrakt, Melasse
Getestete Flaschengröße: 0,33 Liter Flasche

 

Fast zu schade für den Biersieder-Test.

Fast zu schade für den Biersieder-Test.

Entdeckt habe ich dieses Bier in einem Restaurant in Tuzla, wo es auch vom Fass gezapft wurde. Danach habe ich es einfach in einem bosnischen Supermarkt, leider nur in 0,33 Liter Flaschen gekauft. Und eines kann ich gleich vorweg nehmen. Die Palette die ich gekauft habe ist fast schon weg getrunkten. In Österreich habe ich dieses Bier noch nicht gesehen. Gut gekühlt und eingeschenkt bildet sich ein schöner feinporiger Schaum. Eine feine Schicht der Schaumkrone hält sich auch recht lange. Farblich präsentiert sich das Crno Pivo seinem Namen entsprechend. Pech schwarz kann man wirklich von einem echten Schwarzbier sprechen. Auf dem ersten Blick scheint das Bier nicht besonders zu perlen, nimmt man aber einen Schluck merkt man schnell, dass es so richtig auf der Zunge prickelt. Trotzdem bleibt das Bier, zumindest für ein Schwarzbier recht süffig.

Geschmacklich erinnert mich das Crno Pivo an die Biere die man sonst eher in Belgien vermuten würde. Besonders der charakteristische Nachgeschmack ist ein Hinweis dafür, dass sich die Braumeister ein Vorbild aus dem Ausland genommen haben. Besonders fällt außerdem die sanfte süße des Bieres auf. Das liegt wohl auch am zugesetzten Zucker, der wohl auch für die dunkle Farbe verantwortlich ist. Durch eine besondere Duftnote kann das Bier nicht bestechen, das macht es aber im vollen Geschmack wieder wett. Auf jeden Fall ist es ein Bier, das man in ruhe genießen muss. Etwa zu einem, für Bosnien typisch schweren, Fleischgericht oder einfach nur auf der Terrasse mit dem Blick auf die Abendsonne.

 

Die Überraschung aus Bosnien.

Die Überraschung aus Bosnien.

Der Biersieder-Test
Der Biersieder-Test ist mir diesmal recht schwer gefallen. Nicht nur weil mir das Bier gut geschmeckt hat sondern auch, weil man eine 0,33 Liter Flasche nicht besonders lange stehen lässt. Aber es hilft nichts, er gehört einfach zur Rubrik und so habe ich das Bier wieder stehen lassen. Und jetzt merkt man erst, wie süß das Bier tatsächlich ist. Der Geschmack erinnert mich an die Malzmelasse die ich vor ein paar Monaten in einer schottischen Whiskydestillerie gekostet habe. Also sollte man das Crno Pivo besser kalt trinken, wie fast jedes Bier. 

 

Das Etikett
Interessant am Etikett ist, dass es auf Englisch verfasst ist. Nur „Crno Pivo“ steht auf bosnisch auf der Flasche. Auch, dass das Bier eigentlich aus Bosnien ist wird eher versteckt. Dafür wird betont, dass es sich um ein Premium-Bier handeln soll. Ein Grund dafür ist wohl auch, dass bosnische Produkte bei der einheimischen Bevölkerung nicht besonders gut ankommen und oft, leider oft auch zu recht, als minderwertig angesehen werden.

Gesamteindruck
Ich muss sagen, mein erstes Schwarzbier vom Balkan hat mich positiv überrascht. Schade, dass man die bosnische Herkunft so versteckt. Schade nur, dass man das Crno Pivo hierzulande nicht bekommt. Wer aber nach Dubrovnik auf Urlaub fährt könnte in Neum kurz stehen bleiben und mir eine Palette mitnehmen.

Mein Fazit: Trinkempfehlung

 

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Money, Money, Money – Bloggen und das Geld

Es geht immer ums liebe Geld. Credit: Avij - Wikimedia

Es geht immer ums liebe Geld. Foto: Avij – Wikimedia

Ritchie Pettauer hat kürzlich einen guten Blogpost zum Thema Blogger Relations geschrieben. Diesen Beitrag will ich aufgreifen und ein paar eigene Gedanken dazu formulieren.

Ritchie nimmt Bezug auf einen Artikel den Tina Goebel im Profil geschrieben hat. Darin zeigt sie das Marketingpotenzial von Blogs auf und schreibt, dass Blogger wohl weniger scheu vor Vereinnahmung hätten als Journalisten. Und genau hier will ich einhacken.

Die Bloggerszene ist so differenziert wie die Medienlandschaft. Zwar gehe ich davon aus, dass Journalisten beim Profil weitgehend vom Einfluss der Anzeigenkunden und anderen PR-Abteilungen abgeschirmt sind, aber das gilt doch noch lange nicht für die gesamte Medienlandschaft. Ein Großteil der österreichischen Medien werden in Klein- und Kleinstredaktionan produziert, wo Anzeigenkunden rar und Anzeigenabteilung und Redaktion sehr eng miteinander, wenn nicht gar in Personalunion agieren.

Ähnlich verhält es sich mit Bloggern. Sofern sie überhaupt groß genug sind, ich bin es nicht, dass sie Kooperationsangebote bekommen sind sie natürlich, wie jedes kleine Medium, Anzeigenabteilung und Redaktion in Personalunion. Und wie im klassischen Journalismus gibt es auch bei den Bloggern faule Äpfel die auf die Kennzeichnung von bezahlten Beiträgen verzichten und den Erhalt von Zuwendungen verschweigen. Aber das ist leider kein Phänomen das sich auf die Blogger beschränkt. Deshalb wundert es mich, dass eine, eigentlich leider gängige Praxis, verwundert festgestellt wird. Besonders weil ich eine Vielzahl an Blogger kenne, die sich relativ strengen Compliance Richtlinien unterworfen haben.

Die eigentliche Frage ist aber wohl: Sollen sich Blogger überhaupt bezahlen lassen. Nun. Das ist eine persönliche Entscheidung die jeder Blogger selbst treffen muss. Ich halte es so. Bloggen ist Arbeit. Genauso wie jedes Hobby und jede ehrenamtliche Tätigkeit Arbeit ist. Ich blogge gratis und zwar über Themen die mich selbst beschäftigen und über die ich schreiben will. Hinzu kommt, dass ich bei Ironblogger mitmache, um wirklich regelmäßig zu bloggen. Eine Freizeitbeschäftigung eben. Genauso wie meine Tätigkeit beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr. Und gerade die Freiwillige Feuerwehr liefert hier ein gutes Beispiel. Sie rückt nämlich aus, wenn es notwendig ist. Dafür werden die ehrenamtlichen Feuerwehrleute natürlich nicht bezahlt und das ist vollkommen in Ordnung. Findet aber zum Beispiel eine Veranstaltung statt und die Freiwillige Feuerwehr übernimmt etwa eine Brandwache, dann wird das selbstverständlich, nach einem vorher festgelegten Stundensatz, bezahlt. Denn hier wird eine außerordentliche, dem eigentlichen Zweck fremde, Dienstleistung erbracht.

Und genau so sehe ich das beim Blogger. Er stellt sein Wissen und seine Expertise außerhalb des eigentlichen Zwecks des Blogs zur Verfügung. Wieso sollte er sich dafür nicht bezahlen lassen? Da er aber ein Medium betreibt, muss er das auch entsprechend kennzeichnen. Denn meiner Meinung nach unterscheidet sich ein Blog nicht mehr von einem klassischen Medium wie einer Zeitung.

Disclaimer: Ich wurde noch nie fürs bloggen auf meinem privaten Blog bezahlt. Würde ich ein seriöses Angebot bekommen, würde ich es vielleicht annehmen. Das würde ich aber entsprechend kennzeichnen. Da mein Blog jedoch recht klein ist, rechne ich nicht in nächster Zukunft, dass es so weit kommen wird.

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Blogparade: Für Content ins kalte Wasser springen

Mirko Lange stellt in einer Blogparade die Frage: “Geiler Content – aber wie geht das?”. Das ist wohl eine Frage, die sich viele Blogger, PR-Leute und auch Journalisten stellen. Und es gibt tausende Antworten dafür und wahrscheinlich ist jede richtig. Warum? Weil jeder Leser, jede Zielgruppe und jedes Unternehmen unterschiedlich ist.

Es gibt Unternehmen die sich mit attraktiven Themen leicht tun, weil ihnen die Themen einfach zufliegen. Das wäre ein Katzenzüchter zum Beispiel, weil Katzencontent immer zieht. Aber es sind auch Unternehmen der großen Consumer-Bereiche, die ein gewisses Lebensgefühl transportieren können. Auf die Schnelle fallen mir hier, nicht ganz objektiv, Stiegl und Hornig ein. Die eine Marke steht für Bier, die andere für Kaffee. Da geht jede Menge leicht verdauliche Emotion mit.

Aber im Grunde kann man das auf jedes Unternehmen umlegen. Sei es eine Supermarkt-Kette, der sich besonders um lokale Marken im Sortiment bemüht, eine Service/Lobbying-Organisation, die sich auf die Internationalisierung der Wirtschaft konzentriert,  eine Zeitung sich die als Sprachrohr einer bestimmten Gesellschaftsgruppe sieht oder ein kleiner Tischler, der coole Möbel baut. In jedem Unternehmen, jeder Organisation und jedem Hobby findet sich eine Vielzahl an Geschichten die es wert ist zu schreiben. Man muss nur offen damit umgehen und sich auch tatsächlich hinsetzen und sie formulieren.

Content funktioniert aber nur, wenn auch tatsächlich Leidenschaft dabei ist. Ich merke es zum Beispiel an der “Zeitenblicke”-Serie, die ich gemeinsam mit Klaus Krainer in der “Steirischen Wirtschaft” schreibe. In einer elf-teiligen Serie haben wir uns sehr intensiv und wissenschaftlich begleitet mit 100 Jahren Wirtschaftsgeschichte in der Steiermark beschäftigt. Keine kleine Aufgabe, besonders wenn man bedenkt, dass wir in diesen fast drei Monaten auch unsere anderen Aufgaben in der Zeitung zu betreuen hatten. Aber, und genau hier ist der Knackpunkt, es hat uns Spass gemacht und das haben die Leser auch gemerkt. Das zeigen die zahlreichen positiven Rückmeldungen die wir bekommen.

Leidenschaft ist King – niemand kann über alles schreiben
Robert Basic hat damit Recht, wenn er schreibt, dass man als Blogger einfach mit Herzblut dabei sein soll. Das gilt aber für jeden der schreibt und da sitzen Journalisten und Blogger in einem Boot. Primär sollte es bei Content also um die Leidenschaft um eben diesen gehen und erst in zweiter Linie um Leserzahlen. In einer Welt die von Zahlen regiert ist, lässt sich das aber schwer verkaufen. Doch Glaubwürdigkeit lässt sich nicht mit Zahlen festnageln.

Das werden jetzt manche Agenturen nicht gerne hören: Guten Content gibt es nicht von der Stange. Ich betreibe selbst einen corporate Blog. Und als externer Schreiber ist das gar nicht so einfach. Zum Glück habe ich bisher immer gute Hinweise auf Geschichten direkt vom Auftraggeber bekommen. Und da kann ich Uwe Baltner Recht geben. Wenn sich das Unternehmen und der Auftraggeber nicht öffnen will, dann kann man gleich wieder einpacken. Das gelingt manchen mehr und ganz vielen weniger. So hatte ich zum Beispiel die Gelegenheit mich direkt mit der Thematik, es geht um Wein – ich weiß dankbares Thema -, einzulassen. Ohne direkt in die Geschichte einzutauchen und vor Ort zu recherchieren kann man nämlich keinen guten Content liefern. Das gilt für den Journalismus und das gilt noch viel mehr für Blogger. Ein Reiseblogger der nicht reist, ein Weinblogger der nicht trinkt und ein Gadget-Blogger der diese “Wischhandys” (quote Johanna) nicht mag kann doch nur unglaubwürdig sein. Deshalb liebe Auftraggeber potenzieller Corporate Blogs, lasst euch ja nicht einreden, dass eure Agenturen über alles schreiben können. Können sie nämlich nicht. Schon gar nicht, wenn sie das von einem fernen Büro aus machen, ohne auch nur einen Zehen ins kalte Wasser des Themas zu stecken. Man muss schon einen Köpfler vom Drei-Meter-Brett machen um irgendwie Meter zu gewinnen. (Und, bitte lasst euch nicht das Gegenteil einreden, das kostet natürlich Zeit und Geld.)

Heiko Stein bringt es auf den Punkt. Er sagt: “Guter Content ist eine Chance, keine Garantie.” Denn im Endeffekt entscheidet der Leser wie glaubwürdig und damit gut der Content ist. Wer das übrigens lernen will, also das mit dem geilen Content, sollte sich diesen Studiengang anschauen.

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Bosnien-Hochwasser Teil II: Wie Bosnien helfen?

 

Die Zerstörung geht über den Bedarf an Gummistiefel hinaus.

Die Zerstörung im Überschwemmungsgebiet ist enorm.

Vergangene Woche habe ich erörtert, dass Bosnien nach dem Hochwasser Hilfe von außen braucht. Selbst kann sich das Land kaum helfen und das hat viele Gründe und so manche dieser Gründe machen Hilfe von außen sehr schwierig.

Zum Einen blockiert sich die staatliche Struktur Bosniens selbst. Das zeigt sich vor allem bei Katastrophen, die über die Grenzen der jeweiligen Entitäten (Republika Srpska und Föderation) hinausgehen. Wenn man sich die Grenzziehung dieser beiden Teilstaaten anschaut, dass kann man bei jeder größeren Naturkatastrophe davon ausgehen, dass beide Teilstaaten betroffen sind. Es war schon bemerkenswert, dass man während der Katastrophe die Zusammenarbeit beider Teilstaaten im militärischen Bereich betonen musste. Das zeigt nämlich vor allem, dass diese Zusammenarbeit nicht selbstverständlich war, obwohl es sich um eine gemeinsame – aber eben ethnisch getrennte – Armee handelt.

Hinzu kommt, dass – und das zeigten zahlreiche Proteste vor einigen Monaten – die bosnischen Behörden von Grund auf korrupt sind und man ihnen daher kaum trauen kann. Erneut habe ich eben aus unterschiedlichen Quellen gehört, dass auch im Zeichen der Katastrophe der eine nicht weiß was der andere tut. Jeder auf seinen eigenen Vorteil aus ist und auch so manche alte Konflikte dazu führen, dass Hilfe nicht so koordiniert ablaufen kann, wie es sollte.

Sperrmülltransporte landen unsortiert auf einem Haufen und kommt im besten Fall wohl auf den Flohmarkt.

Sperrmülltransporte landen unsortiert auf einem Haufen und kommen im besten Fall wohl auf den Flohmarkt.

Deshalb verstehe ich auch gut, wenn viele hilfsbereite Menschen im Ausland, zum Beispiel in Österreich, skeptisch sind, wenn es darum geht Geld an nationale Hilfsorganisationen in Bosnien zu schicken. Würde ich wohl auch nicht tun, denn die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich dort ankommt ist eher gering.

So unterwirft sich etwa auch das nationale bosnische Rote Kreuz den Regeln des staatlichen, zum Beispiel kantonalen, Zivilschutzes. Mit dramatischen Folgen. Nicht nur, dass dadurch ein wichtiger Rote-Kreuz-Grundsatz – nämlich die Neutralität – über Bord geworfen wird. Es führt auch dazu, dass das Rote Kreuz nicht selbst bestimmen kann, wen man hilft. Hilfe bekommt nämlich nur, wer auf einer Liste des kantonalen Zivilschutzes eingetragen ist. Wer Bosnien kennt weiß jetzt genau, dass erstens nicht alle Menschen auf diesen Listen erfasst sind und zweitens es für manche Gruppen, etwa Roma, sehr schwierig ist auf diese Listen zu kommen. Diese müssen dann zwangsläufig, weil sie im System nicht existieren, weggeschickt werden.

Bosnien braucht mehr als nur Gummistiefel.

Bosnien braucht mehr als nur Gummistiefel.

Umso mehr verstehe ich natürlich, wenn Menschen in Österreich mit diesem System nichts zu tun haben wollen. Im besten Fall kennen diese Leute selbst Leute unten, wissen was gerade gebraucht wird und unterstützen ihre Freunde und Verwandte direkt. Das ist wohl der beste und unbürokratischste weg. Er führt aber auch dazu, dass gerade die die am wenigsten haben, und eben keine Kontakte ins Ausland besitzen, wieder durch die Finger schauen.

Also lasst uns Gummistiefel und Gewand sammeln und sie per LKW runter transportieren, werden sich viele denken. Und tatsächlich, immer wieder kommen LKW mit mehr oder weniger organisiert gesammelten Gütern in Bosnien an. Gemeinsam mit meinem Freund Georg Wallner haben wir in Bosnien zufällig so einen Transport getroffen. Und gerade dieser Transport hat uns gezeigt, dass solche Aktionen nicht unbedingt zielführend sind. Abgesehen, dass der Transport teuer war und die Ladung um ein Haar nicht durch den bosnischen Zoll gekommen wäre. Als der LKW von den Helfern und dem bosnischen Militär in einer Lagerhalle entladen wurde stellte ich mir die Frage, ob man das nicht besser machen könnte.

Im LKW befanden sich zahlreiche Matratzen die man tatsächlich nur gut gebrauchen kann und die man hoffentlich bald verteilt. Der größte Teil der Ladung bestand jedoch aus alter Kleidung, Schuhen (etwa alten Stöckelschuhen) und zahlreichen alten Elektrogeräten, wo nicht klar war ob sie noch funktionieren. Da war ein alter Heizkörper dabei, ein altes Radio und ein alter Fernseher. Kurz, man hatte den Eindruck irgendjemand hat endlich einmal seinen Keller ausgemistet. Zwischen den Kisten fanden sich immer wieder Lebensmittel. Alles war unsortiert und relativ chaotisch verpackt.

Bosnien ist nach wie vor ein zerrüttetes Land mit vielen Problemen.

Bosnien ist nach wie vor ein zerrüttetes Land mit vielen Problemen.

So wurde es auch entladen. Man versuchte die Lebensmittel von den restlichen Gütern zu trennen. Die Matratzen konnte man separat aufstapeln. Der Rest, der ganze Sperrmüll, wurde einmal auf einen Haufen geworfen. Und wahrscheinlich liegt dieser unsortierte Haufen noch immer dort. Im besten Fall geht jemand durch und sucht sich für sich selbst etwas oder verkauft es auf den zahlreichen Flohmärkten. Verantwortlich für die Lagerhalle war übrigens wieder der kantonale Zivilschutz, was uns wieder zum ersten Problem führt.

Abgesehen davon wäre es zielführender gewesen, das Geld, das der Transport und die Zollformalitäten gekostet haben, zu nutzen und in Bosnien entsprechende Hilfsgüter anzuschaffen. Es ist nicht so, dass das Hochwasser das ganze Land zerstört hätte. Zwei Dörfer weiter kann man nach wie vor in den Supermärkten Nahrungsmittel, Insektensprays und Hygieneartikel kaufen. In den Baumärkten gibt es Baumaterial und Werkzeug zu kaufen. Damit wäre ein deutlich besserer Effekt zu erzielen gewesen, als mit alten Schuhen und kaputten Fernsehern.

Zwei mögliche Hilfsvarianten
Was bleibt also übrig? Den nationalen Hilfsorganisationen kann man nicht trauen. Die wild gesammelten Sachspenden kommen nicht an, außer man kennt persönlich jemanden. Es braucht aber nun einmal Hilfe und wer wirklich den Leuten unter die Arme greifen will, sollte sich eine dieser beiden Varianten einmal ansehen.

Variante eins: Man suche sich eine Hilfsorganisation der man vertraut. Das kann, muss aber nicht, das österreichische Rote Kreuz sein. Ich habe vorhin geschrieben, dass man dem bosnischen Roten Kreuz nicht trauen kann. Das scheint auch das nationale schweizerische Rote Kreuz zu glauben, und betreibt daher seit Jahren eine eigene Organisation in Bosnien. Damit können sie unabhängig vom bosnischen Roten Kreuz und damit vom staatlichen Zivilschutz arbeiten. Und genau hier klinkt sich das österreichische Rote Kreuz ein. Gemeinsam mit dem schweizerischen Roten Kreuz werden nämlich Hilfspakete geschnürt, die Familien, die vom Hochwasser betroffen sind, zugute kommen sollen. In erster Linie werden das Gutscheine für Baumaterial sein. Gekauft werden diese vor Ort. Damit kann die lokale Wirtschaft gestützt und – aufgrund der niedrigeren Preise – das gespendete Geld effektiver eingesetzt werden. Importiert werden nur Geräte die es in Bosnien nicht oder nur kaum gibt. Dabei geht es in erster Linie um Trocknungsgeräte, die die durchnässten Wände wieder trockenlegen sollen. Da diese Geräte sehr viel Strom fressen, wird es wohl aber auch Bargeld für die betroffenen Familien geben, damit diese ihre Stromrechnung bezahlen können.

Wie ihr seht. Es reicht nicht einen alten Pullover gen Süden zu schicken. Es braucht Planung, eine Bedarfsfindung und eine vertrauenswürdige Organisation die langjährig in der Region tätig ist. (Spendeninformation hier)

Variante zwei: Ihr habt direkte Kontakte ins Überschwemmungsgebiet und vertraut den Hilfsorganisationen nicht. Angesichts des Greenpeace Spendenskandals ist das nicht verwunderlich. Wenn das der Fall ist, dann erkundigt euch bei euren Freunden was gebraucht wird. Sammelt Geld und fährt damit nach Bosnien um direkt zu helfen. Kauft das benötigte Material direkt vor Ort. Es ist meist günstiger als in Österreich und es spart euch jede Menge Nerven am Zoll. Hier der Auszug aus der Reiseinformation des Außenministeriums:

Bei der Einfuhr von Gütern aller Art in größeren Mengen (also nicht haushaltsmäßigen Mengen), auch wenn diese für wohltätige Zwecke oder als Spenden vorgesehen sind, müssen durch die empfangende Organisation/Stelle die entsprechenden Importdokumente vorbereitet werden (unbedingt direkte Kontaktaufnahme mit jener Zollstation über welche die Einfuhr abgewickelt werden soll). Sind die Waren für Privatpersonen gedacht, so empfiehlt es sich im Vorfeld mit einer humanitären Organisation, die in Bosnien und Herzegowina tätig ist, in Kontakt zu treten, die bei der Einfuhr der Güter behilflich ist. Bei Spenden ist immer zu bedenken, dass durch den Empfänger der Waren Abgaben zu entrichten sind, deren Höhe sich nach der Art und dem Alter der gespendeten Güter richtet.“

Das alles ist nicht einfach und es soll schon Hilfstransporte gegeben haben, die schon an der Schengen-Außengrenze zu Kroatien gescheitert und umgekehrt sind. Dann war der Aufwand umsonst und man hat einen LKW voll Sperrmüll um den man sich kümmern muss.

In der kommenden Woche werde ich über die Trinkwassersituation, die Seuchengefahr und die zerstörte Infrastruktur in Bosnien schreiben.

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Wall of shame – die Kopierredaktionen dieses Landes

Shame on you - Wiener Zeitung.

Shame on you – Wiener Zeitung.

Ich bin einer der letzten, der normalerweise den Ablauf in Redaktionen kritisiert. Ich weiß wie stressig der Job in einer Onlineredaktion sein kann und auch in den gedruckten Tageszeitungen ist nicht jede Geschichte recherchiert. Viele Geschichten werden einfach von der Nachrichtenagentur übernommen. Das ist ganz normal und dafür sind Nachrichtenagenturen leider

Shame on you - Wirtschaftsblatt.

Shame on you – Wirtschaftsblatt.

auch da.

Trotzdem habe ich mich heute geärgert. Denn offensichtlich werden die Meldungen nicht einmal durchgelesen. Oder sie werden von monkeys (if you pay peanuts… ) gegengelesen.

In einer APA Meldung kursiert der

Shame on you - Kleine Zeitung

Shame on you – Kleine Zeitung

Vorschlag, dass Arnold Schwarzenegger amerikanischer Botschafter in Moskau werden könnte. Soweit so gut. Eine typische APA-Meldung. Fälschlicherweise wird in dieser Meldung behauptet, dass Schwarzenegger bis 2001 Gouverneur von Kalifornien war. Es ist ein Tippfehler, denn er bekleidete dieses Amt bis 2011. Das kann passieren und ist

Shame on you - Kronenzeitung

Shame on you – Kronenzeitung

keine Tragödie. Auch APA-Redakteure machen Fehler.

Aber wenn von sieben überprüften Redaktionen nur eine den Fehler findet, dann zeigt uns das, dass etwas schief rennt im Journalismus. Denn anders kann ich mir nicht erklären, dass fast die gesamte österreichische Medienwelt

Shame on you - Salzburger Nachrichten

Shame on you – Salzburger Nachrichten

glaubt, dass Arnold Schwarzenegger bis 2001 Gouverneur in Kalifornien war. Entschuldigung aber, wenn man die Jahre nicht im Kopf hat ist das ok, aber sich gleich geschlossen um ein ganzes Jahrzehnt zu irren, das ist peinlich. Wenn auch irgendjemand glaubt, mit dieser Art von Onlinejournalismus irgendwie, irgendwann Geld verdienen zu können,

Shame on you - Der Standard

Shame on you – Der Standard

dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

Das ist wie mit den Affen die man kriegt, wenn man Peanuts zahlt. Von Lesern denen mal solchen Mist serviert kann man nicht erwarten bezahlt zu werden. Zum schämen ist das.

Nur "Die Presse" hat den Fehler gefunden.

Nur “Die Presse” hat den Fehler gefunden.

Nur eine Redaktion ist zur Rettung der Ehre ausgerückt. Die Presse hat den Fehler gefunden. Die Formulierungen wurden kopiert, die Jahreszahl aber zum Glück ausgebessert. Kann aber leicht sein, dass sie nur als ersten einen Leserhinweis bekommen haben.

Nachtrag: Zu meinem Schrecken hat die “Österreich”-Redaktion auch den Fehler vermieden. Sie haben die Jahreszahl gleich weggelassen, als sie die Meldung in ihre übliche Trash-Sprache übersetzt haben. Immer noch besser als einfach zu kopieren. Unglaublich, dass ich einmal “Österreich” loben muss.

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Bosnien-Hochwasser Teil I: Es braucht Hilfe – aber richtig

Jetzt wird aufgeräumt. Hier in Šamac. Einer bosnischen Stadt die besonders vom Hochwasser betroffen ist. (Viele Menschen sind aber noch nicht auf der Straße.)

Jetzt wird aufgeräumt. Hier in Šamac. Einer bosnischen Stadt die besonders vom Hochwasser betroffen ist. (Viele Menschen sind aber noch nicht auf der Straße.)

Meine Recherchereise ist zu Ende und deshalb will ich euch ein kurzes Update geben. Weitere Posts zur Reise folgen in den kommenden Wochen. Ich war in Bosnien, wo vor ein paar Wochen ein großes Hochwasser eine Spur der Verwüstung gezogen hat. Genauer gesagt waren wir in Orašje und Šamac. Zwei sehr unterschiedliche Grenzstädte die unmittelbar vom Hochwasser betroffen sind. Gemeinsam mit Georg Wallner habe ich mir mein persönliches Bild der Lage gemacht und mir zwei konkrete Fragen gestellt.

  1. Was passiert mit den zahlreichen „wild“ gesammelten Sachspenden die mehr oder weniger koordiniert nach Bosnien gelangen? Eine wesentliche Frage, denn mein Anfangsverdacht war, dass viele Leute hier nur ihren Sperrmüll aus dem Keller räumen und sich damit ein gutes Gefühl abholen. Echte Hilfe aber sieht anders aus. Ob das wirklich so ist werdet ihr kommende Woche erfahren.
  2. Jetzt ist das große Medieninteresse weg. Was passiert gerade im Katastrophengebiet? Mein Anfangsverdacht war, dass einige Hilfsorganisationen sich auch mit den TV-Kameras wieder verabschieden. Das war auch der Fall, aber zum Teil ist dieser Abzug auch berechtigt. In zwei Wochen erfährt ihr dazu mehr. Außerdem zeige ich euch wer geblieben ist.

Vorab kann ich aber bereits einiges berichten. Die Zerstörungen in der Region sind enorm. Medien haben zwar berichtet, dass sie schlimmer sind als im Bürgerkrieg, das kann ich aber bei Weitem nicht bestätigen. Warum? Wie bei jedem Hochwasser, und ich habe in meinem Leben schon einige erlebt, ist das Ereignis einigermaßen lokal begrenzt. Dort wo die Flut zugeschlagen hat ist die Zerstörung natürlich unebschreiblich. Zwei Dörfer weiter geht das Leben aber ihren normalen Lauf. Das zeigt sich auch in der Psyche der Menschen. Die Menschen die uns begegnet sind sind bei weitem nicht so verzweifelt wie man es nach den Medienberichten glauben mag. Der Gedanke an den Wiederaufbau macht sich breit. Überall wird, sofern die Leute schon zurückgekehrt sind, geputzt und ausgeräumt. Es ist auch höchste Zeit, denn der zurückgebliebene Schlamm trocknet schnell.

Überall sieht man noch die Spuren des Hochwassers.

Überall sieht man noch die Spuren des Hochwassers.

Das ändert aber nicht daran, dass die Leute Hilfe von außen brauchen. Bosnien ist ein armes Land und die staatlichen Strukturen – kombiniert mit der Korruption – können offensichtlich nicht mit einer Naturkatastrophe diesen Ausmaßes umgehen. In der kommenden Woche will ich euch daher auch einen Weg einer vernünftigen Spende zeigen. Etwas das in Bosnien nicht so einfach ist. Denn die Korruption ist enorm und es ist bei weitem nicht garantiert, dass die Spenden dort landen wo sie hin sollen. Eine Möglichkeit einigermaßen sicher zu Spenden bietet aber das Rote Kreuz. Zwar hängt die Spendenfreudigkeit immer von der Medienpräsenz ab. Ich kann euch aber versichern, nur weil die Katastrophe nur wenige „news cycle“ überlebt hat, heißt es nicht, dass sie schon vorbei ist. Der Wiederaufbau beginnt erst. Entscheidet man sich aber zu spenden, dann sollte man sich eine Hilfsorganisation suchen, der man auch wirklich vertraut. Besonders wenn es um ein Land wie Bosnien gehen. Deshalb hier noch einmal die Spendeninformation des Österreichischen Roten Kreuz (warum diese Organisation folgt beim kommenden Post):

Erste Bank
IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144
BIC: GIBAATWWXXX
Kennwort: Überflutungen Südosteuropa

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