Als ich die KFOR an einer Straßensperre im Nordkosovo besucht habe, gab es kaum schöne Sachen zu berichten. Es war von Molotovcocktails die Rede, von Handgranaten und gewaltätigen Auseinandersetzungen. Wir wurden permanent von bewaffneten Soldaten begleitet, die die Umgebung zu sichern hatten. Ein Gespräch mit serbischen Straßenblockierern wurde uns nur auf eigene Gefahr ermöglicht. Die Soldaten blieben im Respektabstand von etwa 100 Metern. An der Straßensperre waren die Soldaten schwer bewaffnet. An einem Soldaten habe ich sechs verschiedene Waffen gezählt: Sturmgewehr, Granatwerfer, Pistole, Leuchtpistole, Schlagstock, Pfefferspray und Messer.
Das gehört natürlich alles zur militärischen PR. Man will veranschaulichen, dass die Situation gefährlich ist und die Geschichte entsprechend “drehen”. Im Feldlager, lief die Sache schon entspannter ab und zwischen den Soldaten tollte ein kleiner Hund. Rocky heißt er und geriet angeblich bei einer kleinen Auseinandersetzung zwischen Serben und KFOR zwischen die beiden Gruppen. Die Soldaten haben den kleinen Hund herausgeholt und ihn im Feldlager aufgenommen. Sogar eine Hundehütte haben sie gebaut.
Ein weiterer PR Spin oder doch einfach nur eine nette Geschichte? Diese Frage kann ich nicht beantworten.
Die Balkan Entdeckung die ich euch heute präsentieren möchte heißt “Fanta stills” und ist genau so wie es heißt. Es ist Fanto, ohne Kohlensäure und genauso schmeckt es. Schales Zuckerwasser. Dieses Getränk habe ich im “Westen” noch nicht gesehen, entdeckt habe ich es bei einem Kiosk in Mitrovica – Kosovo.
Die KFOR hat in einer Presseaussendung gestern die Demonstranten in Jagnjencia aufgefordert, die neu errichteten Barrikaden zu beseitigen. Die KFOR wolle dafür einen Checkpoint einrichten und betont, dass sich im Kosovo jeder frei bewegen können muss. Straßensperren werden nicht akzeptiert werden. Außerdem begrüßt die KFOR, dass die Gespräche zwischen der serbischen und kosovarischen Regierung, trotz der Vorfälle, weitergeführt werden.
Offiziell möchte die KFOR derzeit keine Presseaussendungen verschicken. Man möchte keinen Einfluss auf die politischen Gespräche nehmen, betonen die Pressesprecher. Deshalb könne man nur auf aktive Anfragen reagieren. Und so heißt die Presseaussendung nicht “press release” sondern “respond to queries”.
Gestern Nacht bin ich in Mitrovica angekommen. Ich sitze derzeit im selben Cafe das ich schon vor zwei Jahren als Basis genutzt habe. Der Kontakt mit der KFOR und Journalistenkollegen gestaltete sich etwas schwierig, da mein bosnisches Handy den Geist aufgegeben hat. Ersatz wurde gefunden. Meine Telefonnummer im Kosovo ist +386 49 272109
Ich hoffe heute können wir ein paar Termine mit KFOR Soldaten realisieren. Auch das Nachrichtenmagazin NEWS hat ein Reporterteam in den Kosovo geschickt. Ich werde sie heute im Laufe des Tages treffen. Ich freue mich schon.
Eigentlich wollte ich erst im Jänner einen Kosovoschwerpunkt machen. Angesichts der aktuellen Entwicklung werde ich aber morgen wahrscheinlich für ein paar Tage in den Kosovo reisen. Viel Zeit konnte ich bisher nicht in die Vorbereitung stecken. Ich werde die Sache einfach auf mich zu kommen lassen. Auch Kontakte habe ich nicht viele erreicht. Wir werden sehen.
Der geplante Kosovoschwerpunkt im Jänner wird aber wahrscheinlich trotzdem stattfinden. Next blog entry, hopefully from Kosovo.
Da gestern das Neujahrsfest der Moslems war und sich die Gelegenheit bot, bin ich heute das erste Mal in eine Moschee gegangen. Zugegeben, es war keine klassiche Moschee sondern eine sufistische. Das heißt es wurde viel gesungen und es gab viele Gebete mit, sagen wir meditativen Charakter. Ich habe gehört, dass Gottesdienste in anderen Moscheen anders ablaufen.
Bevor ich aber überhaupt am Gottesdienst teilnehmen durfte, musste ich den Scheich, den geistigen Führer und Lehrer der Gemeinde, treffen. Bei einer Tasse Tee erklärte er mir, dass ich keine Fotos machen durfte. Auch wollte er wissen, woher ich komme und warum ich hier sei. Die Erklärung, ich wolle die bosnische Kultur kennen lernen, hat ihm aber gereicht.
Die Predigt wurde mir übersetzt und zwischendrin wurde mir immer wieder erklärt was passiert. Ein Vergleich des Scheichs ist mir dabei in Erinnerung geblieben. “Mohammed ist aus Mekka nach Medina geflüchtet. Er ist aber wieder nach Mekka zurückgekehrt. Auch die Kriegflüchtlinge sollen wieder nach Bosnien zurückkehren. Denn es ist die Pflicht eines Gläubigen seine Heimat zu lieben.”
Auch was der Scheich zum Thema Bildung zu sagen hatte war interessant: “Es ist wichtig zu lernen. Ziel einer jeden Religion ist es, dass die Menschen für sich und für die Gemeinschaft lernen.” Auch hilftbereit sollen die Menschen sein: “Man soll ein gutes Verhältnis mit den Menschen haben und hilfsbereit sein, egal welcher Religion sie angehören. Denn nur ein moralischer Mensch ist ein guter Mensch.”
Beim Ablauf des Gottesdienstes habe ich einige Paralellen zu jenen Gottesdiensten gesehen, die ich aus meiner katholische Erziehung kenne. Es gibt Fürbitten, es wird für die Toten gebetet und es gibt den Friedensgruß, Handschütteln inklusive. Anstatt des “Amen” zu Abschluss eines Gebetes wird ein Satz gesprochen, der mir so übersetzt wurde “Ich glaube an Allah und Mohammed seinen Propheten.”
Die Suren wurden, ähnlich einer Predigt oder einer Lesung, vorgetragen. Gelesen wurde erst auf arabisch und im singenden Ton. Im Anschluss wurde die Übersetzung gelesen.
Die erwähnten meditativen Gebete, so wurde mir erklärt, haben den Zweck Herz, Zunge und Körper auf das Gebet zu konzentrieren und sich von Egoismus zu entsagen. Sie sollen außerdem die Gemeinschaft stärken. Gerade der Punkt mit dem Stärkung der Gemeinschaft hat mich überzeugt. Denn auch Sportteams und kriegerische Gruppen nutzen solche Gesänge und Gebete um die Gemeinschaft einzuschwören.
Interessant war auch, dass anders als in christlichen Kirchen, wo man die Kopfbedeckung abnimmt, hier ein Hut, nämlich der Fes, aufgesetzt wurde. Er gilt als Symbol der Weisheit und des glaubens. Priester und der Scheich trugen einen weißen Fes, alle anderen einen roten.
Der Gottesdienst wurde durch eine Teepause unterbrochen ehe die meditativen Gebete (2. Video) stehend wiederholt wurden. Da der erste Teil des Gottesdienstes aber schon fast drei Stunden dauerte, habe ich den zweiten Teil ausgelassen.
Leider durfte ich weder Fotos, noch Audioaufnahmen machen. Um euch aber einen Eindruck der Stimmung zu vermitteln habe ich euch zwei Videos auf youtube herausgesucht. Die Sänger tragen aber eine andere Kopfbedeckung. Das zweite Video zeigt die meditativen Gebete die ich erwähnt habe.
Für mich war es jedenfall ein spannender Einblick in eine mir völlig unbekannte Kultur. Ich bereue es, während meiner Zeit als Gedenkdiener nie einen jüdischen Gottesdienst besucht zu haben. Auch werde ich sicher in nächster Zeit einen orthodoxen Gottesdienst besuchen.
Morgen wird Geburtstag gefeiert. Vor 68 Jahren wurde nämlich in Jajce nämlich die südosteuropäische Nachkriegsordnung bestimmt und somit Jugoslawien ein zweites mal aus der Taufe gehoben. Damals wurde unter Tito ein Nationalkomitee gegründet.
Heute feiert man in Jajce noch immer den Geburtstag eines längst verstorbenen Staates. Und genau das werde ich mir morgen ansehen. Ich erwarte jede Menge Jugoslawien-Nostalgie und alte Menschen in Uniformen. Ich lasse mich aber gerne überraschen.
Es ist soweit. Seit mehr als zwei Jahren reise ich regelmäßig in die Länder Südosteuropas. Da war es nur eine logische Konsequenz, meine Balkan Geschichte irgendwann zu intensivieren. Deshalb bin ich nun öfters in Sarajevo anzutreffen. So oft, dass ich behaupten kann, in Sarajevo und in Graz zu wohnen.
In Sarajevo angekommen, bekommt man auch gleich einen ganz anderen Blick auf die Stadt und ihr Leben. Wo finde ich den nächsten Bäcker? Welche Metzger kann man empfehlen? Es fühlt sich auf einmal anders an, wenn man durch die Straßen geht. Einmal mehr merke ich, dass ich die Sprache lernen muss.
Nachdem ich mich heute vor allem um eine funktionierende Internetverbindung gekümmert habe, werde ich morgen jemanden suchen, der mir B/K/S (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) beibringen kann. Dann brauche ich nur noch einen ordentlichen Schreibtisch und dann kann ich anfangen vernünftig zu arbeiten.
Mein neues Navigationsgerät, die iGo-App für das iPad, ist die einzige App mit vernünftigen Landkarten am Balkan. Man sollte aber sicher gehen, dass die Funktion “ungesicherte Straßen in die Navigation einbeziehen” deaktiviert wird. Gerade in Bosnien ein wesentlicher Punkt. Das Gerät wollte mich nämlich auf dem Weg nach Srebrenica über eine “Abkürzung”, eine 20 Kilometer lange Schotterpiste schicken. Hätte mich schon wundern müssen, dass dafür zwei Stunden eingeplant wurden. Bei dieser Kreuzung habe ich mich dann zur Umkehr entschlossen.
Ein klassischer Anfang für einen schlechten Horrofilm.
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