Der Kollateralschaden amerikanischer und britischer Isolationspolitik

In dieser Woche habe ich mich eigentlich mit dem Wirtschaftsstandort Mexiko und den potenziellen wirtschaftlichen Folgen der US-Präsidentschaftswahl beschäftigt. Aber im Grunde ging es in meinen Recherchen auch um etwas anderes. Denn wenn man sich die beiden aktuell wichtigsten Volksentscheide der vergangenen Monate ansieht – nämlich die Tump-Wahl und den Brexit – dann fällt eines auf: mehr als sonst bei Wahlen üblich – zumindest ist es mir noch nie so stark aufgefallen – ist jeweils ein weiteres Land, das keinen Anteil an der Wahl hatte, unmittelbar von den Auswirkungen betroffen.

Klar, eine US-Präsidentschaft hat immer Auswirkungen auf die ganze Welt gehabt. Und auch der Brexit hat unmittelbare Auswirkungen auf die gesamte EU. Aber trotzdem sind zwei Länder überproportional betroffen. Bei Trump ist es Mexiko, immerhin will er die Nordgrenze Mexikos zumauern und das Land mit Strafzöllen belegen. Im Grunde war der Nachbar Kern seiner spärlichen Botschaften in der politischen Schlammschlacht. Beim Brexit hingegen war es nicht ganz so vordergründig. Trotzdem ist ein Land übermäßig betroffen, nämlich die Republik Irland, die nun mit ähnlichen – vor allem wirtschaftlichen – Konsequenzen leben muss.

Wirtschaftliche Abhängigkeit zum Nachbarn

Ich kenne zum Beispiel kaum ein Land, dessen Außenwirtschaft so abhängig von den USA ist, wie Mexiko. Sage und schreibe 81,1 Prozent der Exporte gehen zum nördlichen Nachbarn. Das liegt in erster Linie daran, dass amerikanische Unternehmen ihre Produktion nach Mexiko verlegt haben. Paradox ist, dass gerade die Wahl Donald Trumps den mexikanischen Produktionsstandort zumindest kurzfristig noch attraktiver gemacht hat. Warum? Mit der Trump-Wahl wurde der mexikanische Peso stark abgewertet. Die Folge: Mexikanische Exporte in die USA sind aus US-amerikanischer Sicht nun noch günstiger geworden. Das ist freilich nur ein kurzfristiger Effekt, langfristig könnte das alles dramatisch werden. Denn während Mexiko viel in die USA exportiert, kommt fast die Hälfte der Importe auch von dort (47,3 Prozent) und die sind entsprechend teurer geworden. Das wiederum könnte der mexikanischen Wirtschaft nachhaltig schaden, denn obwohl die Exporte günstiger geworden sind, könnten die teuren Importe entsprechend die Inflation antreiben und dadurch die Exporte wieder teurer machen. Der Grund dafür liegt in der unzureichend entwickelten Zulieferindustrie der mexikanischen Autobauer – den Hauptakteuren der mexikanischen Exportwirtschaft. Denn wenn die Vorprodukte teurer werden und die Inflation anzieht, dann wirkt sich das natürlich entsprechend preiserhöhend aus. Wie gewonnen, so zerronnen quasi.

Kurzfristige Effekte, langfristige Konsequenzen

Und das bringt uns zurück nach Europa. Denn auch hier gibt es in Sachen Brexit ein Land, das – von UK abgesehen – besonders stark betroffen ist und das ist die Republik Irland. Zwar ist Irland wirtschaftlich nicht ganz so extrem von den Briten abhängig wie Mexiko von den USA, trotzdem merkt man ähnliche Effekte. Im Zuge des Brexit ist der Pfund deutlich abgewertet worden und dadurch sind irische Exporte zum Nachbarn (immerhin 13,8 Prozent) über Nacht teurer geworden. Erste kleine Unternehmen, die ganz auf den britischen Markt gesetzt haben, sind dadurch schon pleite gegangen. Für manche gilt das als Frühwarnsystem was auf die irische Wirtschaft noch zukommen könnte. Auch einen kurzfristigen Shopping-Effekt in grenznahen Gebieten – und dazu gehört auch die Hauptstadt Dublin – gibt es. Der irische Einzelhandel leidet nämlich darunter, dass der nordirische Handel jenseits der grünen Grenze plötzlich viel günstiger ist als vor dem Brexit. Das ist nur ein kurzfristig positiver Effekt für die Briten, nachhaltig richtet er nämlich großen Schaden an. Denn, dass es so günstig für die irischen Kunden bleibt, ist natürlich Wunschdenken. Erste Marken und Hersteller wie Marmite und Apple haben ihre Verkaufspreise im Vereinigten Königreich ob des schwachen Pfundes schon angehoben. Der positive Effekt für die Iren ist dadurch weg, und die Briten (und Nordiren) leiden unter den gestiegenen Preisen.

Im Endeffekt gibt es also langfristig nur Verlierer und das obwohl ich die ganzen politischen Konsequenzen der britisch amerikanischen Isolationspolitik noch gar nicht beschrieben habe. Ähnlich wie den irischen Grenzkonsumenten und den Briten wird es nämlich wohl auch der mexikanischen Autoindustrie ergehen. Jetzt sind mexikanische Autos günstig, weil der Peso schwach ist. Die steigende Inflation durch die teuren Importprodukte machen diesen Vorteil aber schnell zunichte. Voraussetzung dafür ist, dass es tatsächlich zur Abschottungspolitik Trumps und zum harten Brexit von Theresa May kommt. Und derzeit sieht es ja leider tatsächlich danach aus.

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Wir sollten nicht so überheblich sein – meine Gedanken zum US-Wahltag

In den USA ist die Wahl geschlagen und die Welt scheint mit einem richtigen Kater aufgewacht zu sein. Einige private Gedanken zum historischen Ereignis.

“Now we have the salad.” Schöner als in diesem tiefsten Denglisch kann man es nach der Trump-Wahl einfach nicht sagen. Mit Trump hat also ein politischer Rüpel gewonnen. Aber was können wir Europäer eigentlich von diesem Wahl-Debakel lernen?

Ich habe heute mit vielen Leuten über das amerikanische Wahlergebnis gesprochen und schon davor viel über die Wahlentwicklungen der vergangenen Monate und Jahre nachgedacht. Eingeflossen ist das in meine Nachwahl-Analyse für die „Steirische Wirtschaft“. (Link folgt am Freitag, wenn die Zeitung erscheint.) Einige meiner persönlichen Gedanken und meine private Meinung möchte ich aber auch hier mit euch teilen.

Trump ist ein Populist europäischen Stils

Bei meiner zentralen Erkenntnis dieser und bei der noch nicht so lange vergangenen Brexit-Entscheidung will ich es mit dem Politologen Reinhard Heinisch von der Uni Salzburg halten. Er erklärte mir heute, wir Europäer sollten gar nicht glauben überheblich zu sein und spottend auf die Amerikaner zeigen zu können. Denn im Grunde – und damit scheint er tatsächlich recht zu haben – ist Donald Trump nichts anderes als ein Populist europäischen Stils. Das glaubt ihr nicht? Dann schaut euch einmal das Verhalten Silvio Berlusconis an. Lauscht den Reden von Geert Wilders, Marine Le Pen, Frauke Petry, Nigel Farage, Viktor Orban, Recep Tayyip Erdogan, Norbert Hofer oder Heinz Christian Strache. So groß sind die Unterschiede nicht und wir erleben in Europa seit Jahrzehnten diese Art von Politikern. Zwar scheint Donald Trump das Spiel perfektioniert zu haben und der USA-Experte Josef Mantl hat natürlich recht, wenn er mir heute erzählt, dass die europäischen Populisten wie Schulbuben neben Trump wirken. Aber gelernt hat Trump seine politische Strategie wohl in Europa und hier gilt das Ricola-Prinzip: „Wer hat’s erfunden?“

Spott hilft uns nicht weiter

Und das führt mich zu meiner nächsten Erkenntnis. Auch die Reaktion der Demokraten auf Trump erscheint mir nämlich eine typisch europäische Antwort zu sein. Trumps Ambitionen wurden von Anfang an nicht ernst genommen. Seine Unterstützer und Fans wurden lächerlich gemacht und verspottet. Und als es zu spät war, ihm ernsthaft entgegenzutreten, reagierte man panisch und verteufelte und dämonisierte ihn. Doch die Hauptzielscheibe waren seine Unterstützer. Hillary Clinton bezeichnete sie einmal als die „Bedauernswerten“. Ich glaube, das war einer der Schlüsselmomente, mit denen sie den Wahlkampf endgültig verloren hat. Denn das hat nur eine Reaktion ausgelöst: Trotz. Wenn jemand beleidigt wird, dann hat er im Grunde zwei Möglichkeiten zu reagieren: Entweder er schämt sich und zieht sich zurück, er behält seine Meinung, gibt sie unbeobachtet in der Wahlurne ab und bekennt sich nicht öffentlich dazu. Das würde auch die katastrophalen Fehlinterpretationen der Meinungsumfragen erklären – in Österreich nennen wir das „FPÖ-Effekt“. Oder er wird wütend und bringt sich in Rage. Letzteres ist bei den Trump-Unterstützern sehr deutlich passiert. Und Ähnliches erleben wir doch auch in Europa. Wie werden die verschmähten und verspotteten Wähler reagieren, wenn sie ob ihrer Rechtschreibfehler ausgelacht werden? Wenn man Einstein-Zitate wie „Die Herrschaft der Dummen ist unüberwindlich, weil es so viele sind und ihre Stimmen zählen genau wie unsere“ postet? Genau, sie scharen sich zusammen, stärken ihren eigenen Zusammenhalt und verschließen sich jeder vernünftigen Argumentation und Überzeugungsarbeit. Das gelingt ihnen dank Social Media heute viel besser als noch vor 20 Jahren. Damals hat sich dieser Frust vielleicht in den Leserbriefspalten der Kronenzeitung widergespiegelt. Die hat man gelesen und man wusste, woran man war. Heute befinden wir uns in der Filterblase, die uns suggeriert, dass ohnehin alle unserer Meinung sind und unsere Standpunkte noch verstärkt. Das mag uns gut tun, aber genau in der gleichen Blase stecken auch „die Anderen“. Auch die fühlen sich in ihrer Meinung bestärkt und dann heißt es „die Bedauernswerten“ gegen die selbsternannte arrogante „Elite“, das Establishment, wenn man so will. Oder: egal auf welcher Seite der Blasenwand – es geht um die „Dummen“ gegen „uns“. Und seien wir uns ehrlich, jedem von uns ist klar, zu welcher Gruppe er gehört. Und es muss klar sein, dass wenn wir ernsthaft in einer Demokratie leben wollen, wir aus unserer Blase ausbrechen und die Situation mit Überzeugungsarbeit auf Augenhöhe ändern müssen. Spott und Hohn wird da niemanden weiterbringen.

Arbeiter wählen plötzlich konservativ

Bemerkenswert ist übrigens auch – wie Heinisch erklärt – dass es diesmal die Rechten sind, die sich der „Bedauernswerten“ annehmen und ihnen ein Zuhause geben. Eigentlich sind es doch historisch gesehen die Linken, die sich gegen das Establishment stellen sollten und vor der Tea Party waren die amerikanischen Rechtsextremen völlig unorganisiert. Bis vor ein paar Jahren waren die Rechten ja noch das Establishment, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. An den Ivy League-Schulen sind die Demokraten deutlich in der Minderheit. Ein steirischer Unternehmer griff das heute sehr gut in einem Gespräch auf: „Es ist paradox. Die Arbeiter wählen die Konservativen und die Konservativen stellen sich gegen die Wirtschaft und gegen den Freihandel. Da stimmt doch etwas nicht.“ Und das ist nicht die einzige Grundfeste der Weltpolitik, die heute und in den vergangenen Monaten erschüttert wurde.

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Anzeigen: Was die Medienhäuser von den „Bösen“ dringend lernen sollten

Der Journalismus liegt nicht im sterben, die Vertriebsform und der Verkauf von Anzeigen scheinbar schon. Viele Medienhäuser jammern über die schwachen Onlineumsätze. Wenn man sich aber die Tarifbestimmungen genauer anschaut, sind die Jammerer eigentlich selbst daran schuld.

Dieser Tage feiern wir den Abschied der einzigen Wirtschaftstageszeitung Österreichs. Das Wirtschaftsblatt war ein – wenn auch kleiner – Fixpunkt in unserer Medienlandschaft und es hinterlässt natürlich eine Lücke. Wer diese füllt, ob es nun der Standard ist – der schon jetzt mit verstärkter Wirtschaftsberichterstattung und gratis Abos wirb – die Presse oder doch vielleicht ein innovatives Onlineprojekt aus den freigeworden Kräften der Wirtschaftsblatt-Redaktion, steht in den Sternen. Irgendwer wird es auf jeden Fall tun, denn nicht der Journalismus ist vom Aussterben bedroht, sondern seine Vertriebsform.

Ja, der Print steckt in der Krise, das zeigen die schwindenden Auflagezahlen, die sinkenden Werbe erlöse und die nicht besonders starken Erlöse aus der Onlinewerbung. Überall macht sich der branchenübliche Katzenjammer breit. Und genau das macht mich stutzig. In der aktuellen Wochenendausgabe des „Standard“ kritisiert Bundeskanzler Kern nämlich, dass internationale Konzerne wie Google oder Facebook in Österreich 100 bis 200 Millionen Euro Umsatz machen und dafür keine Werbeabgabe zahlen. Facebook und Google machen mit online-Werbung hierzulande 200 Millionen Euro Umsatz? Wie kann das gehen, wenn der online Werbemarkt so schwach ist?

Irgendwo muss da der Hund drin sein. Ich habe mir daher spontan angesehen, was ich tun muss, um Onlinewerbung bei einer österreichischen Tageszeitung schalten zu können. Der Tausend-Kontakt-Preis startet bei etwa 40 Euro. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass man bei Facebook mit etwas Geschick nicht einmal die Hälfte dafür zahlt. Aber gut, den Preis kann man erklären. Ein qualitätsvolles Umfeld, viel Regionalität, Image und eine klare Zielgruppe sprechen dafür so viel zu zahlen. Für ein mittelständisches Unternehmen ist das allemal leistbar und gerade bei einem Medium wie der „Kleinen Zeitung“ oder den „Salzburger Nachrichten“ kann man die Zielgruppe schon sehr genau eingrenzen.

Wirtschaftsblatt und Der Standard

Das Wirtschaftsblatt nimmt Abschied und der Kanzler fordert Werbeabgabe für Google und Facebook.

Ignoriertes Kleinvieh macht ordentlich Mist

Ich muss zugeben, ich werbe manchmal aus einer Laune heraus auf Facebook. Dann stecke ich eine Hand voll Euro in Facebooks Rachen um einen Blogpost etwas zu pushen. Einfach weil es Spass macht die selbst gestaltete Anzeige sofort online zu sehen. Außerdem ist man ab einem Euro schon dabei. Was will man also groß verlieren.

Und hier kommt der Clou. Das kann ich bei unseren heimischen Zeitungen nicht machen. Sowohl in den Tarifbestimmungen des Styria Konzern als auch im „Standard“ ist ein Mindestumsatz von 1.500 Euro pro Projekt vorgesehen. Na bumm. Welches kleine oder mittelständische Unternehmen, etwa der Bauernladen von nebenan oder die Studentenkneipe, kann und will sich das leisten? Es ist auch gar nicht zielführend und bringt den Unternehmen nicht das was es kostet. Ich weiß natürlich nicht wie groß die Kampagnen auf Google und Facebook im Schnitt sind, aber ich bin mir sicher, dass ein signifikanter Teil des Umsatzes solche Klein- und Kleinstkampagnen sind. Das ist ein – offensichtlich gar nicht so kleiner – Werbemarkt der von den heimischen Medienhäusern völlig (fahrlässig) ignoriert wird.

Kleine Anzeigen brauchen keine Anzeigenabteilung

Und wenn man es sich leisten kann, solche Chancen links liegen zu lassen, dann braucht man nicht zu jammern. Denn nicht nur Internetgrößen wie Google und Facebook haben das Potenzial des kleinen Werbemarktes erkannt. Onlinedruckereien und erfolgreiche Startups wie Snipcard in Graz leben defacto davon. Natürlich, eine teure und aufwändige Anzeigenabteilung braucht sich mit dem Wiederaufstieg der Kleinanzeige nicht beschäftigen. Es braucht höchstens jemanden, der diese selbsterstellten Anzeigen überprüft und eventuell rechtswidrige Inhalte ablehnt, aber das wars auch schon. Die großen Internetkonzerne machen das längst. Vielleicht sollten sich die heimischen Medienhäuser das einmal abschauen.

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Schreibstile und so weiter

Meine Bloggerkollegin Henriette hat erst kürzlich über ihren Schreibstil im Blog geschrieben. Auch ich mache mir in letzter Zeit viele Gedanken zum Thema „Schreibstil“. Und Henriettes Beitrag ist eine gute Gelegenheit das Thema aufzugreifen. Klar ist, dass jedes Text-Genre und jedes Medium seinen eigenen Schreibstil fordert.

So schreibe ich in der „Steirischen Wirtschaft“ ganz anders als ich beim Fazit geschrieben habe. Und auch jedes Genre, ob jetzt eine Reportage, ein Bericht oder ein Interview, unterliegt seinen eigenen Gesetzen und jedes Medium hat hier ein anderes Selbstverständnis. Das gilt natürlich auch für Blogs und so ist es klar, dass ich auf meinem Blog anders schreibe. Ein Blog ermöglicht persönliche Einblicke und Meinungen, die im Printjournalismus noch am ehesten im Kommentar und in der Glosse zu finden sind.

Und trotzdem. Ein Blog ist immer noch anders. Auch weil man die Leser viel direkter ansprechen kann. Und wie Henriette schreibe ich derzeit im Blog eher frei von der Leber weg. Und selbst wenn man dann etwas emotionaler werden kann, wirklich geflucht und geschimpft wird bei mir hoffentlich nicht zu oft. Das schreiben im Blog ist aber eine willkommene Abwechslung zu jenen Texten die ich sonst schreibe, da ich mich keinen festen Regeln unterwerfen muss. Erfolgreiches onlinetexten sieht aber wohl auch anders aus.

Da bin ich derzeit fest am überlegen und recherchieren, wie Texte online funktionieren können. Wahrscheinlich macht es aber nicht ganz so viel Spaß, wenn man sich wieder einem neuen Regelkorsett unterwerfen will. Mehr dazu aber vielleicht ein andermal mehr.

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Ein Laie trinkt Bier VIII: Zlaten Dab Lager

Das Zlaten Dab aus Mazedonien.

Das Zlaten Dab aus Mazedonien.

Bei den Bieren bleibe ich zur Zeit exotisch. Heute wird das „Zlaten Dab“ aus Mazedonien verkostet. Seit 1924 wird es in Prilep, der viertgrößten Stadt des Landes gebraut. Videos auf Youtube zufolge scheint die Prilepska Pivarnica ein recht großer Betrieb zu sein. Johanna hat es mir von ihrem Urlaub mitgebracht. Ich bin gespannt, weil gerade am Balkan kann man gutes und schlechtes Bier erwischen. Dazwischen habe ich noch nicht viel gefunden.

Biername: Zlaten Dab Lager
Herkunftsland: Mazedonien
Hersteller: Prilepska Pivarnica
Bierart: Lagerbier
Alkoholgehalt: 4,5 Prozent vol. (+/- 0,5 Prozent)
Verschlussart: Kronkorken mit Öffnungslasche
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz und Hopfen 
Getestete Flaschengröße: 0,5 Liter Flasche

Aber vielleicht habe ich diesmal ein richtiges Mittelmaß gefunden. Beim Öffnen der Flasche, das mit einem schönen „Plop“ passiert, kommt mir schon eine ordentliche Hopfennote entgegen. Der Schaum – der sich beim Einschänken bildet – bleibt nicht lange stehen. Zu grobkörnig ist er. Das gut gekühlte Bier präsentiert sich hellgelb, fast schon zu wässrig in der Farbe. Aber geschmacklich kann es mit den Standardbieren in Österreich durchaus mithalten. (Ob das ein Kompliment ist, sei dahin gestellt. Es ist halt ein Industriebier.) Die Kohlensäure im Bier ist da, zumindest spürt man sie schön auf der Zunge, in der Ausperlung ist aber nicht besonders viel davon zu sehen. Da gibt es deutlich frischere Biere. Geschmacklich zeichnet sich das gut gekühlte Bier mit seiner Unaufgeregtheit aus. Es bleibt kein störender Nachgeschmack. Aber große Überraschungen bleiben auch aus. Das Kopfweh-Potenzial dürfte dafür eher gering sein, als Durstlöscher ist es also durchaus geeignet.

Der Biersieder-Test
Auch beim Biersieder-Test beweist das Zlaten Dab, dass man auch mit Mittelmaß Punkte machen kann. Auf seine Festivaltauglichkeit geprüft, kann man sagen, dass sich keine allzu schlechten Eigenschaften nach dem warm werden lassen zeigen. Positiv bleibt, dass sich die Kohlensäure relativ lang hält. 

Das Etikett
Die grüne Flasche wird durch ein semitransparentes Etikett ergänzt. Es zeigt, dass das Bier auch für Ausländer und Gäste in Mazedonien gebraut wird. Denn große Teile des Etikett sind in Englisch. Nur die Zutaten sind auf mazedonische angeführt.

Gesamteindruck
Wie erwähnt ist das Zlaten Dab ein Bier mit wenig Überraschungen. Mit Sicherheit ist es nicht das schlechteste Bier, das ich am Balkan kennengelernt habe. Es ist aber auch nicht das Beste. In einer vollständigen Sammlung von Balkanbieren sollte es also nicht fehlen. Und sollte ich das Bier einmal in einer Speisekarte erspähen, werde ich mich wohl nicht abwenden. Vorausgesetzt es findet sich nicht doch eines der exzellenten Biere der Region.

Werbetechnisch geht Zlaten Dab übrigens hoch hinaus:

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Ein Laie trinkt Bier VII: Brokát – Dark 13 ° Lager

Pechschwarzes Bier aus der Slowakei.

Pechschwarzes Bier aus der Slowakei.

Vergangenen Sommer war ich ja beruflich in der Slowakei. Der österreichische Wirtschaftsdelegierte hat mich durch das Land geführt und mir das wirtschaftliche Umfeld gezeigt. Da wir aber beide eine Leidenschaft für das Bier teilen, haben wir auch das eine oder andere Bier verkostet. In Kosice haben wir dann auch ein Vinothek mit einer eigenen Bier-Abteilung besucht. Dort bin ich auf die Kreationen der südwestslowakischen Brauerei Kaltenecker gestoßen. Seit 1997 wird dort sogenanntes Craft-Beer gebraut. Ich habe ein paar davon mitgebracht und werde sie schön langsam einzeln verkosten. Heute ist das dunkle Lagerbier Brokàt dran.

Biername: Brokát – Dark 13° Lager
Herkunftsland: Slowakei
Hersteller: Kaltenecker Pivovar
Bierart:dunkles Lagerbier
Alkoholgehalt: 5,5 Prozent vol.
Verschlussart: Kronkorken
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz und Hopfen
Getestete Flaschengröße: 0,33 Liter Flasche

Ich muss es jetzt einfach sagen. Ich liebe Craftbier. Warum? Weil sie sehr kreativ mit dem Bier umgehen. Zum Beispiel dieses Bier. Dunkel wie ein Espresso und genau so schmeckt er auch. Besonders im Abgang schmecke ich eine deutliche Kaffeenote. Und auch in der Duftnote scheint sich die eine oder andere schwarze Bohne verirrt zu haben. Was den Kohlensäuregehalt betrifft orientiert sich das Brokát eher an den eher sanften englischen Bieren, die ich so liebe. Optisch ist das Bier wie schon gesagt pech schwarz und es bildet sich – richtig eingeschenkt – eine satte und feinpoorige Krone. Passt auf, dass ihr beim einschenken das Malz, das ist der Flasche zurückbleibt mitnehmt. Das Geschmack des Bieres war auf jeden Fall spitze. Kein wunder, dass sechs von zehn slowaksichen Bieren auf www.ratebeer.com aus der Brauerei stammt. Noch gehört die Brauerei mit 1,5 Millionen Litern pro Jahr zu den kleinen Bauereien. Doch das dürfte sich bald ändern. Viele der dort angebotenen Biersorten gibt es nur für kurze Zeit. Ich hoffe aber, dass ich das nächste mal in der Slowakei wieder ein so tolles dunkles Bier finden werde.

Der Biersieder-Test
Nun zum obligatorischen Biersieder-Test. Einmal aufgewärmt kommt der Kaffeegeschmack noch viel stärker zur Geltung. Er übertönt aber leider alles. So gesehen ist das Bier besser leicht gekühlt zu trinken. Wie die Engländer das machen, Kellertemperatur eben. Auf der Flasche wird eine Trinktemperatur zwischen 8 und 10 Grad Celsius empfohlen.

Das Etikett
Das runde Etikett zeigt worum es geht. Slowakisches Craft Bier. Positiv erwähnt sei, dass auch die Unterschrift des Braumeistern für Qualität bürgt.

Gesamteindruck
Wie schon oben erwähnt ist das Brokát Dark Lager ein absolutes must für jeden Slowakeibesucher. Sollte man sich einfach nicht entgehen lassen und bei der Gelegenheit sollte man gleich ein paar Flaschen nach Österreich mitnehmen. So gesehen mehr als eine Trinkempfehlung, fast schon eine Liebeserklärung.

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Da war ja noch ein Blockstöckchen

Ich tu mir in letzter Zeit etwas schwer gute Blogthemen zu finden. Ich hätte zwar immer noch meine ganze Reihe an Bieren die ich verkosten könnte, aber irgendwie ist mir heute nicht nach Bier. Umso gelegener kommt mir, dass meine Ironblogger-Kollegin Monika mir ein Blogstöckchen geworfen hat. Eine Reihe an Fragen gilt es dabei zu beantworten. Mal schauen was dabei herauskommt.

Und hier sind meine Fragen:

  1. Was gefällt Dir an Deinem Job am Besten?
    Der Umstand, dass ich mich jede Woche mit völlig neuen Themen beschäftigen muss.
  2. Was inspiriert Dich?
    Der Blick in die weite Welt. Und natürlich der Austausch mit anderen Menschen. Wer nur allein sein Süppchen kocht, kommt nicht weit.
  3. Welche kulturelle Veranstaltung besuchst Du am Liebsten?
    In Graz. Eindeutig Poetryslams.
  4. Welche kulturelle Veranstaltung muss man unbedingt noch erfinden?
    Das ist eine gute Frage. Ich glaube ja, dass es nichts gibt was es nicht schon gibt. Deshalb muss man sich einfach umsehen. Gerade in Graz kann man allein durch die Kunstuni schon sehr viel abdecken. Was mir fehlt, aber vielleicht habe ich mich damit zu wenig beschäftigt, sind richtig spannende Fotoausstellungen.
  5. Was motiviert Dich wieder, wenn Du einmal nicht weiterkommst?
    Der Gedanke an das Endprodukt. Dieses Gefühl, wenn man den letzten Text abgibt und den Redaktionsschluss feiert. Bei langfristigen Projekt wird das schwierig, da helfen Zwischenziele und wieder die Menschen zum austauschen von Gedanken.
  6. Welche interessanten Blogs, Websites oder Social Media Kanäle besuchst Du regelmäßig?
    Online drifte ich immer mehr in aktuelle News ab. Aber ich habe so meine Phasen wo ich mir die Zeit für eine echt gute Reportage nehmen, die ich meist über reportagen.fm finde. Außerdem kann ich Nächte auf Wikipedia verbringen.
  7. Wohin möchtest Du als nächstes Reisen?
    Meine Reiseliste ist lang. Die USA steht ganz oben. Norwegen ist auch dabei. Die nächste Reise geht aber wahrscheinlich nach Irland. Wichtig ist, es ist immer irgendeine Form von Roadtrip dabei.
  8. Wie sieht Dein perfekter Urlaub aus?
    Siehe oben. Ein echter Roadtrip muss es sein. Man kann immer stehen bleiben und innehalten. Man kann kurzfristig seine Pläne ändern. Und es sollte etwas exotisches dabei sein. Bei meiner letzten Reise war das ein Besuch auf einem Weingut in Yorkshire. Ja, in Nordengland gibt es Wein.
  9. Was ist Deine Lieblingsstadt?
    Es gibt so viele tolle Städte. Viele davon liegen in England. Tintagel zum Beispiel, oder Oxford. Ich bin zwar kein Mann der großen Städte, aber New York hat es mir ganz besonders angetan. Obwohl ich dort nur für vier Tage war.
  10. Was würdest Du tun, wenn es das bedingungslose Grundeinkommen gäbe?
    Ich würde nichts ändern. Arbeit gehört zum Leben dazu. Ohne Arbeit würde man schnell in einen Strom schlechter Angewohnheiten verfallen. Aber: Ich würde vielleicht weniger Stunden arbeiten und dafür das eine oder andere pro bono Projekt aufziehen.
  11. Welches Projekt beschäftigt Dich gerade?
    Nichts konkretes. Zur Zeit bin ich glücklich, wenn ich eisern blogge und jede Woche die Zeitung fertig mache.
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Das Grazer Tesla Taxi: 300 PS ohne Brmmtata

Kennt ihr dieses Lied? Letztens habe ich mich bei einer Taxifahrt durch Graz so gefühlt. Naja fast. Hört euch das Lied an und ich werde es euch erklären.


300 PS. Naja um genau zu ein 367 PS. So viel Power hat nämlich das neue Tesla-Taxi in Graz. Was fehlt ist aber dieses kräftige Gurgeln, das so starke Autos für gewöhnlich produzieren. 300 PS und das ohne Brmmtata. Ein Hammer. Vor allem dann, wenn das Taxi an der Ampel jede andere Kiste stehen lässt. Denn der Elektromotor zieht, das glaubt man gar nicht. Noch nie wurde ich in einem Taxi so in den Sitz gedrückt.

Fotocredit: Creative Commons. Flickr. Steve Jurvetson.

Tesla-Fahren hat Style. Selbst wenn man nur am Beifahrersitz Platz nimmt. Fotocredit: Creative Commons. Flickr. Steve Jurvetson.

Seit Juli gibt es in Graz ein e-Taxi und nicht nur, dass dieses Fahrzeug leise ist, es zeigt auch Style. Das beginnt mir den Türklinken die man einziehen kann und hört mit dem überdimensionierten Touchscreen in der Mittelkonsole auf. Dass es sich dabei nicht um einen Renault Zoe handelt ist klar. Es muss schon ein Tesla sein, um als Taxi zu überzeugen.

Dazu passte es, dass ich nach langer Zeit wieder einmal einen echten Scoop in der “Steirischen Wirtschaft” recherchieren könnte. Tesla plant nämlich einen Standort in Graz. Wofür der Standort genutzt wird ist noch nicht bekannt, aber von anderen Medien wurde das gerne aufgenommen. Vom ORF über die Styria Medien bis zur Krone, alle waren dabei. Und dabei ist es auch egal ob es sich nur um einen Verkaufsstandort oder doch um ein Forschungsprojekt handelt. In beiden Fällen wird es ein Auftrieb für die Elektromobilität in Graz sein.

Es wird also wohl auf jeden Fall nicht bei dem einen Tesla-Taxi bleiben. Aber um sich auf das Zeitalter der Elektroautos einzustimmen könnte man den Grazer Pionier einmal ausprobieren. Keine Sorge, die Fahrt kostet nicht mehr als beim normalen Diesel-Taxi. Nur auf die Ladung Feinstaub muss man verzichten. Und auf das Brmmtata muss man verzichten.

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Ein Laie trinkt Bier VI: up Beer – Glutenfrei

Das up Beer. Schaum sieht anders aus.

Das up Beer. Schaum sieht anders aus.

Mit dem up Beer habe ich heute ein ganz besonders Bier in mein Glas gefüllt. Ingo, ein Freund der eben von seiner Weltreise zurückgekommen ist, hat nämlich das „up Beer“ vorbeigebracht. Das wichtigste Feature des Bieres ist ein ernährungstechnisches. Das Bier ist glutenfrei und nachdem Ingo sich bemüht glutenfrei zu leben war es biertechnisch seine erste Wahl. Gebraut wird das „up Beer“ im oberösterreichischen Grieskirchen in der Brauerei Malt ‘n’ More.

Biername: up Beer Glutenfrei
Herkunftsland:Österreich
Hersteller: Malt ‘n’ More
Bierart:Lagerbier
Alkoholgehalt: 4,5 Prozent vol.
Verschlussart: Kronkorken
Zutaten: Wasser, Hirsemalt, Maismalz, Buchweizenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Getestete Flaschengröße: 0,33 Liter Flasche

Das Bier kommt im Vierer Pack mit 0,33 Liter Flaschen. Gut gekühlt und eingeschenkt bildet sich ein sehr grober Schaum, der innerhalb weniger Sekunden zerfällt. Optisch präsentiert sich das up Beer goldgelb aber nicht allzuhell. Deutlich ist die Kohlensäure die sehr intensiv ausperlt. Das merkt man auch beim ersten Schluck der die Kohlensäure intensiv über die Zunge tanzen lässt. Beim zweiten Schluck hingegen habe ich mich ganz auf die hopfige Note und den deutlichen Hirsegeschmack im Abgang konzentriert. Das macht zwar gewöhnungsbedürftig, macht es aber gerade für jene die Gluten nicht vertragen zu einer guten Alternative. Wie bei anderen „Diätlebensmittel“ schlägt sich die glutenfreiheit leider auch beim Preis nieder. Im österreichischen Supermarkt kosten die vier „Seiterlflaschen“ stolze 6,49 Euro. Kein billiges Vergnügen also.

 

Der Biersiedertest hat sich beim up Beer diesmal ausgezahlt.

Der Biersiedertest hat sich beim up Beer diesmal ausgezahlt.

Der Biersieder-Test
Der Biersiedertest ist diesmal etwas eigenartig. Denn ich glaube tatsächlich, dass da Bier nicht ganz so kalt besser schmeckt. Endlich tritt eine Duftnote in Erscheinung. Das macht das Bier echter. Geschmacklich hat das up Beer gar nicht abgebaut. Die Kohlensäure hält sich erstaunlich gut und die charakteristische Hirsenote bleibt gut erhalten.

Das Etikett
Das Etikett des up Beers ist leider recht uninspiriert. Goldiger Hintergrund bei dem offensichtlich ein Bier eingeschenkt wird. Die Wortbildmarke könnte genauso als Wordart durchgehen. Bemerkenswert ist, dass die Zutaten auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch präsentiert werden.

Gesamteindruck
Das up Beer gefällt mir besser als erwartet. Es ist gewöhnungsbedürftig aber durchaus genießbar. Besonders der Biersiedertest hat mich beeindruckt. Rein preislich ist es eher ein Bier, das man wohl wirklich nur aus Ernährungstechnischen gründen trinken würde. Ganz abgesehen davon, finde ich solche Bierexperimente recht spannend. Mein Fazit mit vorbehalten daher: Trinkempfehlung

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Rauchen: Der K(r)ampf um die Tschick

Foto: (cc) Blu News /Flickr

In Österreich herrscht umfassender Raucherschutz. Foto: (cc) Blu News /Flickr

Es gibt viele Dinge die man nicht verstehen muss und trotzdem sind sie gut. Manche Dinge sind aber so irrational, hirnrissig und so offensichtlich dumm und trotzdem passieren sie. Trotzdem erfahren sie gesellschaftliche Akzeptanz und gehören zu unserem Alltag wie kaum etwas anderes.

Ich rede vom Rauchen. Tabak gehört so sehr zu unserer Gesellschaft, dass sich sehr viel danach ausrichtet. Man kann rund um die Uhr Zigaretten kaufen, ohne Alterskontrolle. An jeder Ecke stehen Zigarettenautomaten und wenn die Zigarettenpreise steigen geht ein Aufschrei durch die Gesellschaft.

In meiner Schule gab es einen Raucherhof. Das heißt wir Schüler konnten in den Pausen hinaus und eine „entspannte“ Zigarette rauchen. Es kam sogar vor, dass Lehrer sich mit Schülern verbrüderten und eine Zigarette „geschnorrt“ haben. Ja die Raucher waren sogar einer der Gründe warum an meiner Schule die Hausschuhpflicht abgeschafft wurden. Man konnte es den Rauchern nicht zumuten mit Patschen auf den Hof zu gehen. Ein großer und bejubelter Erfolg der damaligen Schülervertretung. Im Nachhinein betrachtet war es ein klares Zeichen dafür, dass Rauchen nun einmal zu uns dazu gehört. Und die Raucher waren die coolen Kinder. Das hat sich scheinbar nicht geändert. Besonders in Österreich ist das Einstiegsalter der Raucher sehr niedrig.

Foto: (cc) ConstiAB / Flickr

Jede Menge verbranntes Geld. Foto: (cc) ConstiAB / Flickr

Es scheint Rauchern nicht zumutbar zu sein
Später in Graz kam es zum nächsten großen Raucher-Aufschrei in meinem Umfeld. Ich habe beim Roten Kreuz als ehrenamtlicher Sanitäter angefangen und es war selbstverständlich, dass im großen Aufenthaltsraum geraucht wurde. Als ein generelles Rauchverbot auf der gesamten Dienststelle erlassen wurde ging ein großer Aufschrei durch die Mannschaft. Radikale Raucher drohten nicht mehr als ehrenamtliche Sanitäter zu arbeiten, wenn sie nicht im Aufenthaltsraum rauchen dürften. „Es war schon immer so und es hat nie jemanden gestört“, hieß es. Es galt als unzumutbar, dass Raucher sich auf die überdachte Terrasse begeben. Sie fühlten sich in die Kälte verbannt. Als zumutbar wurde jedoch angesehen den vielen Nichtrauchern unter den Sanitätern stinkende Nebelschwaden ins Gesicht zu blasen. Und das bei einer Truppe die eigentlich angetreten ist um die Gesundheit einer Stadt zu fördern. Klingt doch recht absurd. Aber gut, wenn man sich die Zahl der rauchenden Ärzte ansieht, weiß man wie irrational die Welt manchmal ist.

Seitdem diesen Erlebnissen hat sich sogar in Österreich in Sachen Nichtraucherschutz einiges getan aber bei weitem nicht genug. Auf der Rot-Kreuz-Dienststelle wird nur mehr auf der Terrasse geraucht. Die radikalen Raucher sind noch immer beim Roten Kreuz tätig. Ob es den Raucherhof an meiner Schule gibt weiß ich nicht, aber ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen.

Foto: (cc) Paul / Flickr

Besonders in Österreich gibt es viele junge Raucher. Wer raucht ist cool, redet man ihnen ein. Foto: (cc) Paul / Flickr

Es geht auch ohne
Damit ziehen wir endlich mit anderen vergleichbaren Ländern nach. Natürlich kann man in Bosnien noch immer unbeschwert rauchen. Aber wollen wir uns mit Ländern wie Bosnien vergleichen? Selbst Italien, wo die Zigarette zum Espresso gehörte und in England, wo verrauchte Pubs zum Kulturgut gehörten, war echter Nichtraucherschutz möglich. Auch dort gab es einen Aufschrei, aber die Gastronomie ist nicht daran zugrunde gegangen.

Anyways. Rein objektiv betrachtet gibt es keinen Grund Tabakrauch in öffentlichen Räumen zuzulassen. Anders als beim Alkohol gefährdet man nämlich mit den „Krebsstängel“ – schönes Wort übrigens – nicht nur selbst, sondern auch die Mitmenschen. Das hebt das Rauchen auf eine ganz andere Ebene. Denn Freiheit endet dort, wo man die Freiheit der anderen einschränkt.

Jetzt habe ich bewusst die medizinischen Argumente außen vor gelassen. Die hat die neue Experteninitiative „dont’t smoke“ ganz gut zusammengefasst.

Mein Highlight:

„In Österreich stirbt jede achte Stunde ein Mensch an den Folgen des Passivrauchens.“

Warum? Ob sich jemand selbst umbringen will, das kann ich nicht verhindern. Aber wenn mich jemand umbringen will, dann ist das etwas anderes. Nichtraucherschutz ist auch Arbeitnehmerschutz. Denn gerade in der heutigen Zeit, wo man sich den Job nicht unbedingt aussuchen kann, ist das umso wichtiger.

Ihre wichtigste Forderung: Ein Rauchverbot in allen Innenräumen, die auch von Nichtrauchern genutzt werden. Anders geht es leider nicht und alles andere ist eine typisch österreichische Wischiwaschi Lösung.

Disclaimer 1: Ich bin Nichtraucher. Jedoch habe ich diese Woche eine kubanische Zigarre geraucht. Eine Hälfte habe ich geschafft. Dann wurde mir erst heiß und dann wurde mir schlecht.

Disclaimer 2: Ich arbeite für die Wirtschaftskammer. In diesem Blogpost vertrete ich jedoch meine persönliche Meinung, die sich bei Teilen der Wirtschaftskammer, etwa den Vertretern der Gastronomie, nicht immer deckt.

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