Ein Laie trinkt Bier III – Premium Crno Pivo

 

Das schwarze Bier hat seinen Namen verdient.

Das schwarze Bier hat seinen Namen verdient.

Nach langer Schaffenspause will ich meine Serie „Ein Laie trinkt Bier“ wieder aktivieren. In der dritten Ausgabe möchte ich euch ein etwas exotischeres Bier vorstellen. Wer mich kennt weiß, dass ich eine gewisse Affinität für den Balkan entwickelt habe. Und so habe ich natürlich auch die dortigen Biere kennen und teilweise auch schätzen gelernt. Auch am Balkan entwickeln sich die Biere, entsprechend dem internationalen Trend, weiter. So finden sich immer mehr Radler-Variationen, die wohl dem allgemeinen Zeitgeist entsprechen. Für die heutige Ausgabe habe ich mir aber eine andere Biervariation ausgesucht. Ich möchte euch heute das Schwarzbier „Premium Crno Pivo“ von der Tuzlanski Pivera in Bosnien vorstellen.

Biername: Premium Crno Pivo
Herkunftsland:Bosnien
Hersteller: Pivara Tuzla d. d.
Bierart: Schwarzbier
Alkoholgehalt: 4,7 Prozent vol.
Verschlussart: Kronkorken
Zutaten: Wasser, Braugerste, Maisgrütze, Hopfen, Hopfenextrakt, Melasse
Getestete Flaschengröße: 0,33 Liter Flasche

 

Fast zu schade für den Biersieder-Test.

Fast zu schade für den Biersieder-Test.

Entdeckt habe ich dieses Bier in einem Restaurant in Tuzla, wo es auch vom Fass gezapft wurde. Danach habe ich es einfach in einem bosnischen Supermarkt, leider nur in 0,33 Liter Flaschen gekauft. Und eines kann ich gleich vorweg nehmen. Die Palette die ich gekauft habe ist fast schon weg getrunkten. In Österreich habe ich dieses Bier noch nicht gesehen. Gut gekühlt und eingeschenkt bildet sich ein schöner feinporiger Schaum. Eine feine Schicht der Schaumkrone hält sich auch recht lange. Farblich präsentiert sich das Crno Pivo seinem Namen entsprechend. Pech schwarz kann man wirklich von einem echten Schwarzbier sprechen. Auf dem ersten Blick scheint das Bier nicht besonders zu perlen, nimmt man aber einen Schluck merkt man schnell, dass es so richtig auf der Zunge prickelt. Trotzdem bleibt das Bier, zumindest für ein Schwarzbier recht süffig.

Geschmacklich erinnert mich das Crno Pivo an die Biere die man sonst eher in Belgien vermuten würde. Besonders der charakteristische Nachgeschmack ist ein Hinweis dafür, dass sich die Braumeister ein Vorbild aus dem Ausland genommen haben. Besonders fällt außerdem die sanfte süße des Bieres auf. Das liegt wohl auch am zugesetzten Zucker, der wohl auch für die dunkle Farbe verantwortlich ist. Durch eine besondere Duftnote kann das Bier nicht bestechen, das macht es aber im vollen Geschmack wieder wett. Auf jeden Fall ist es ein Bier, das man in ruhe genießen muss. Etwa zu einem, für Bosnien typisch schweren, Fleischgericht oder einfach nur auf der Terrasse mit dem Blick auf die Abendsonne.

 

Die Überraschung aus Bosnien.

Die Überraschung aus Bosnien.

Der Biersieder-Test
Der Biersieder-Test ist mir diesmal recht schwer gefallen. Nicht nur weil mir das Bier gut geschmeckt hat sondern auch, weil man eine 0,33 Liter Flasche nicht besonders lange stehen lässt. Aber es hilft nichts, er gehört einfach zur Rubrik und so habe ich das Bier wieder stehen lassen. Und jetzt merkt man erst, wie süß das Bier tatsächlich ist. Der Geschmack erinnert mich an die Malzmelasse die ich vor ein paar Monaten in einer schottischen Whiskydestillerie gekostet habe. Also sollte man das Crno Pivo besser kalt trinken, wie fast jedes Bier. 

 

Das Etikett
Interessant am Etikett ist, dass es auf Englisch verfasst ist. Nur „Crno Pivo“ steht auf bosnisch auf der Flasche. Auch, dass das Bier eigentlich aus Bosnien ist wird eher versteckt. Dafür wird betont, dass es sich um ein Premium-Bier handeln soll. Ein Grund dafür ist wohl auch, dass bosnische Produkte bei der einheimischen Bevölkerung nicht besonders gut ankommen und oft, leider oft auch zu recht, als minderwertig angesehen werden.

Gesamteindruck
Ich muss sagen, mein erstes Schwarzbier vom Balkan hat mich positiv überrascht. Schade, dass man die bosnische Herkunft so versteckt. Schade nur, dass man das Crno Pivo hierzulande nicht bekommt. Wer aber nach Dubrovnik auf Urlaub fährt könnte in Neum kurz stehen bleiben und mir eine Palette mitnehmen.

Mein Fazit: Trinkempfehlung

 

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Money, Money, Money – Bloggen und das Geld

Es geht immer ums liebe Geld. Credit: Avij - Wikimedia

Es geht immer ums liebe Geld. Foto: Avij – Wikimedia

Ritchie Pettauer hat kürzlich einen guten Blogpost zum Thema Blogger Relations geschrieben. Diesen Beitrag will ich aufgreifen und ein paar eigene Gedanken dazu formulieren.

Ritchie nimmt Bezug auf einen Artikel den Tina Goebel im Profil geschrieben hat. Darin zeigt sie das Marketingpotenzial von Blogs auf und schreibt, dass Blogger wohl weniger scheu vor Vereinnahmung hätten als Journalisten. Und genau hier will ich einhacken.

Die Bloggerszene ist so differenziert wie die Medienlandschaft. Zwar gehe ich davon aus, dass Journalisten beim Profil weitgehend vom Einfluss der Anzeigenkunden und anderen PR-Abteilungen abgeschirmt sind, aber das gilt doch noch lange nicht für die gesamte Medienlandschaft. Ein Großteil der österreichischen Medien werden in Klein- und Kleinstredaktionan produziert, wo Anzeigenkunden rar und Anzeigenabteilung und Redaktion sehr eng miteinander, wenn nicht gar in Personalunion agieren.

Ähnlich verhält es sich mit Bloggern. Sofern sie überhaupt groß genug sind, ich bin es nicht, dass sie Kooperationsangebote bekommen sind sie natürlich, wie jedes kleine Medium, Anzeigenabteilung und Redaktion in Personalunion. Und wie im klassischen Journalismus gibt es auch bei den Bloggern faule Äpfel die auf die Kennzeichnung von bezahlten Beiträgen verzichten und den Erhalt von Zuwendungen verschweigen. Aber das ist leider kein Phänomen das sich auf die Blogger beschränkt. Deshalb wundert es mich, dass eine, eigentlich leider gängige Praxis, verwundert festgestellt wird. Besonders weil ich eine Vielzahl an Blogger kenne, die sich relativ strengen Compliance Richtlinien unterworfen haben.

Die eigentliche Frage ist aber wohl: Sollen sich Blogger überhaupt bezahlen lassen. Nun. Das ist eine persönliche Entscheidung die jeder Blogger selbst treffen muss. Ich halte es so. Bloggen ist Arbeit. Genauso wie jedes Hobby und jede ehrenamtliche Tätigkeit Arbeit ist. Ich blogge gratis und zwar über Themen die mich selbst beschäftigen und über die ich schreiben will. Hinzu kommt, dass ich bei Ironblogger mitmache, um wirklich regelmäßig zu bloggen. Eine Freizeitbeschäftigung eben. Genauso wie meine Tätigkeit beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr. Und gerade die Freiwillige Feuerwehr liefert hier ein gutes Beispiel. Sie rückt nämlich aus, wenn es notwendig ist. Dafür werden die ehrenamtlichen Feuerwehrleute natürlich nicht bezahlt und das ist vollkommen in Ordnung. Findet aber zum Beispiel eine Veranstaltung statt und die Freiwillige Feuerwehr übernimmt etwa eine Brandwache, dann wird das selbstverständlich, nach einem vorher festgelegten Stundensatz, bezahlt. Denn hier wird eine außerordentliche, dem eigentlichen Zweck fremde, Dienstleistung erbracht.

Und genau so sehe ich das beim Blogger. Er stellt sein Wissen und seine Expertise außerhalb des eigentlichen Zwecks des Blogs zur Verfügung. Wieso sollte er sich dafür nicht bezahlen lassen? Da er aber ein Medium betreibt, muss er das auch entsprechend kennzeichnen. Denn meiner Meinung nach unterscheidet sich ein Blog nicht mehr von einem klassischen Medium wie einer Zeitung.

Disclaimer: Ich wurde noch nie fürs bloggen auf meinem privaten Blog bezahlt. Würde ich ein seriöses Angebot bekommen, würde ich es vielleicht annehmen. Das würde ich aber entsprechend kennzeichnen. Da mein Blog jedoch recht klein ist, rechne ich nicht in nächster Zukunft, dass es so weit kommen wird.

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Blogparade: Für Content ins kalte Wasser springen

Mirko Lange stellt in einer Blogparade die Frage: “Geiler Content – aber wie geht das?”. Das ist wohl eine Frage, die sich viele Blogger, PR-Leute und auch Journalisten stellen. Und es gibt tausende Antworten dafür und wahrscheinlich ist jede richtig. Warum? Weil jeder Leser, jede Zielgruppe und jedes Unternehmen unterschiedlich ist.

Es gibt Unternehmen die sich mit attraktiven Themen leicht tun, weil ihnen die Themen einfach zufliegen. Das wäre ein Katzenzüchter zum Beispiel, weil Katzencontent immer zieht. Aber es sind auch Unternehmen der großen Consumer-Bereiche, die ein gewisses Lebensgefühl transportieren können. Auf die Schnelle fallen mir hier, nicht ganz objektiv, Stiegl und Hornig ein. Die eine Marke steht für Bier, die andere für Kaffee. Da geht jede Menge leicht verdauliche Emotion mit.

Aber im Grunde kann man das auf jedes Unternehmen umlegen. Sei es eine Supermarkt-Kette, der sich besonders um lokale Marken im Sortiment bemüht, eine Service/Lobbying-Organisation, die sich auf die Internationalisierung der Wirtschaft konzentriert,  eine Zeitung sich die als Sprachrohr einer bestimmten Gesellschaftsgruppe sieht oder ein kleiner Tischler, der coole Möbel baut. In jedem Unternehmen, jeder Organisation und jedem Hobby findet sich eine Vielzahl an Geschichten die es wert ist zu schreiben. Man muss nur offen damit umgehen und sich auch tatsächlich hinsetzen und sie formulieren.

Content funktioniert aber nur, wenn auch tatsächlich Leidenschaft dabei ist. Ich merke es zum Beispiel an der “Zeitenblicke”-Serie, die ich gemeinsam mit Klaus Krainer in der “Steirischen Wirtschaft” schreibe. In einer elf-teiligen Serie haben wir uns sehr intensiv und wissenschaftlich begleitet mit 100 Jahren Wirtschaftsgeschichte in der Steiermark beschäftigt. Keine kleine Aufgabe, besonders wenn man bedenkt, dass wir in diesen fast drei Monaten auch unsere anderen Aufgaben in der Zeitung zu betreuen hatten. Aber, und genau hier ist der Knackpunkt, es hat uns Spass gemacht und das haben die Leser auch gemerkt. Das zeigen die zahlreichen positiven Rückmeldungen die wir bekommen.

Leidenschaft ist King – niemand kann über alles schreiben
Robert Basic hat damit Recht, wenn er schreibt, dass man als Blogger einfach mit Herzblut dabei sein soll. Das gilt aber für jeden der schreibt und da sitzen Journalisten und Blogger in einem Boot. Primär sollte es bei Content also um die Leidenschaft um eben diesen gehen und erst in zweiter Linie um Leserzahlen. In einer Welt die von Zahlen regiert ist, lässt sich das aber schwer verkaufen. Doch Glaubwürdigkeit lässt sich nicht mit Zahlen festnageln.

Das werden jetzt manche Agenturen nicht gerne hören: Guten Content gibt es nicht von der Stange. Ich betreibe selbst einen corporate Blog. Und als externer Schreiber ist das gar nicht so einfach. Zum Glück habe ich bisher immer gute Hinweise auf Geschichten direkt vom Auftraggeber bekommen. Und da kann ich Uwe Baltner Recht geben. Wenn sich das Unternehmen und der Auftraggeber nicht öffnen will, dann kann man gleich wieder einpacken. Das gelingt manchen mehr und ganz vielen weniger. So hatte ich zum Beispiel die Gelegenheit mich direkt mit der Thematik, es geht um Wein – ich weiß dankbares Thema -, einzulassen. Ohne direkt in die Geschichte einzutauchen und vor Ort zu recherchieren kann man nämlich keinen guten Content liefern. Das gilt für den Journalismus und das gilt noch viel mehr für Blogger. Ein Reiseblogger der nicht reist, ein Weinblogger der nicht trinkt und ein Gadget-Blogger der diese “Wischhandys” (quote Johanna) nicht mag kann doch nur unglaubwürdig sein. Deshalb liebe Auftraggeber potenzieller Corporate Blogs, lasst euch ja nicht einreden, dass eure Agenturen über alles schreiben können. Können sie nämlich nicht. Schon gar nicht, wenn sie das von einem fernen Büro aus machen, ohne auch nur einen Zehen ins kalte Wasser des Themas zu stecken. Man muss schon einen Köpfler vom Drei-Meter-Brett machen um irgendwie Meter zu gewinnen. (Und, bitte lasst euch nicht das Gegenteil einreden, das kostet natürlich Zeit und Geld.)

Heiko Stein bringt es auf den Punkt. Er sagt: “Guter Content ist eine Chance, keine Garantie.” Denn im Endeffekt entscheidet der Leser wie glaubwürdig und damit gut der Content ist. Wer das übrigens lernen will, also das mit dem geilen Content, sollte sich diesen Studiengang anschauen.

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Bosnien-Hochwasser Teil II: Wie Bosnien helfen?

 

Die Zerstörung geht über den Bedarf an Gummistiefel hinaus.

Die Zerstörung im Überschwemmungsgebiet ist enorm.

Vergangene Woche habe ich erörtert, dass Bosnien nach dem Hochwasser Hilfe von außen braucht. Selbst kann sich das Land kaum helfen und das hat viele Gründe und so manche dieser Gründe machen Hilfe von außen sehr schwierig.

Zum Einen blockiert sich die staatliche Struktur Bosniens selbst. Das zeigt sich vor allem bei Katastrophen, die über die Grenzen der jeweiligen Entitäten (Republika Srpska und Föderation) hinausgehen. Wenn man sich die Grenzziehung dieser beiden Teilstaaten anschaut, dass kann man bei jeder größeren Naturkatastrophe davon ausgehen, dass beide Teilstaaten betroffen sind. Es war schon bemerkenswert, dass man während der Katastrophe die Zusammenarbeit beider Teilstaaten im militärischen Bereich betonen musste. Das zeigt nämlich vor allem, dass diese Zusammenarbeit nicht selbstverständlich war, obwohl es sich um eine gemeinsame – aber eben ethnisch getrennte – Armee handelt.

Hinzu kommt, dass – und das zeigten zahlreiche Proteste vor einigen Monaten – die bosnischen Behörden von Grund auf korrupt sind und man ihnen daher kaum trauen kann. Erneut habe ich eben aus unterschiedlichen Quellen gehört, dass auch im Zeichen der Katastrophe der eine nicht weiß was der andere tut. Jeder auf seinen eigenen Vorteil aus ist und auch so manche alte Konflikte dazu führen, dass Hilfe nicht so koordiniert ablaufen kann, wie es sollte.

Sperrmülltransporte landen unsortiert auf einem Haufen und kommt im besten Fall wohl auf den Flohmarkt.

Sperrmülltransporte landen unsortiert auf einem Haufen und kommen im besten Fall wohl auf den Flohmarkt.

Deshalb verstehe ich auch gut, wenn viele hilfsbereite Menschen im Ausland, zum Beispiel in Österreich, skeptisch sind, wenn es darum geht Geld an nationale Hilfsorganisationen in Bosnien zu schicken. Würde ich wohl auch nicht tun, denn die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich dort ankommt ist eher gering.

So unterwirft sich etwa auch das nationale bosnische Rote Kreuz den Regeln des staatlichen, zum Beispiel kantonalen, Zivilschutzes. Mit dramatischen Folgen. Nicht nur, dass dadurch ein wichtiger Rote-Kreuz-Grundsatz – nämlich die Neutralität – über Bord geworfen wird. Es führt auch dazu, dass das Rote Kreuz nicht selbst bestimmen kann, wen man hilft. Hilfe bekommt nämlich nur, wer auf einer Liste des kantonalen Zivilschutzes eingetragen ist. Wer Bosnien kennt weiß jetzt genau, dass erstens nicht alle Menschen auf diesen Listen erfasst sind und zweitens es für manche Gruppen, etwa Roma, sehr schwierig ist auf diese Listen zu kommen. Diese müssen dann zwangsläufig, weil sie im System nicht existieren, weggeschickt werden.

Bosnien braucht mehr als nur Gummistiefel.

Bosnien braucht mehr als nur Gummistiefel.

Umso mehr verstehe ich natürlich, wenn Menschen in Österreich mit diesem System nichts zu tun haben wollen. Im besten Fall kennen diese Leute selbst Leute unten, wissen was gerade gebraucht wird und unterstützen ihre Freunde und Verwandte direkt. Das ist wohl der beste und unbürokratischste weg. Er führt aber auch dazu, dass gerade die die am wenigsten haben, und eben keine Kontakte ins Ausland besitzen, wieder durch die Finger schauen.

Also lasst uns Gummistiefel und Gewand sammeln und sie per LKW runter transportieren, werden sich viele denken. Und tatsächlich, immer wieder kommen LKW mit mehr oder weniger organisiert gesammelten Gütern in Bosnien an. Gemeinsam mit meinem Freund Georg Wallner haben wir in Bosnien zufällig so einen Transport getroffen. Und gerade dieser Transport hat uns gezeigt, dass solche Aktionen nicht unbedingt zielführend sind. Abgesehen, dass der Transport teuer war und die Ladung um ein Haar nicht durch den bosnischen Zoll gekommen wäre. Als der LKW von den Helfern und dem bosnischen Militär in einer Lagerhalle entladen wurde stellte ich mir die Frage, ob man das nicht besser machen könnte.

Im LKW befanden sich zahlreiche Matratzen die man tatsächlich nur gut gebrauchen kann und die man hoffentlich bald verteilt. Der größte Teil der Ladung bestand jedoch aus alter Kleidung, Schuhen (etwa alten Stöckelschuhen) und zahlreichen alten Elektrogeräten, wo nicht klar war ob sie noch funktionieren. Da war ein alter Heizkörper dabei, ein altes Radio und ein alter Fernseher. Kurz, man hatte den Eindruck irgendjemand hat endlich einmal seinen Keller ausgemistet. Zwischen den Kisten fanden sich immer wieder Lebensmittel. Alles war unsortiert und relativ chaotisch verpackt.

Bosnien ist nach wie vor ein zerrüttetes Land mit vielen Problemen.

Bosnien ist nach wie vor ein zerrüttetes Land mit vielen Problemen.

So wurde es auch entladen. Man versuchte die Lebensmittel von den restlichen Gütern zu trennen. Die Matratzen konnte man separat aufstapeln. Der Rest, der ganze Sperrmüll, wurde einmal auf einen Haufen geworfen. Und wahrscheinlich liegt dieser unsortierte Haufen noch immer dort. Im besten Fall geht jemand durch und sucht sich für sich selbst etwas oder verkauft es auf den zahlreichen Flohmärkten. Verantwortlich für die Lagerhalle war übrigens wieder der kantonale Zivilschutz, was uns wieder zum ersten Problem führt.

Abgesehen davon wäre es zielführender gewesen, das Geld, das der Transport und die Zollformalitäten gekostet haben, zu nutzen und in Bosnien entsprechende Hilfsgüter anzuschaffen. Es ist nicht so, dass das Hochwasser das ganze Land zerstört hätte. Zwei Dörfer weiter kann man nach wie vor in den Supermärkten Nahrungsmittel, Insektensprays und Hygieneartikel kaufen. In den Baumärkten gibt es Baumaterial und Werkzeug zu kaufen. Damit wäre ein deutlich besserer Effekt zu erzielen gewesen, als mit alten Schuhen und kaputten Fernsehern.

Zwei mögliche Hilfsvarianten
Was bleibt also übrig? Den nationalen Hilfsorganisationen kann man nicht trauen. Die wild gesammelten Sachspenden kommen nicht an, außer man kennt persönlich jemanden. Es braucht aber nun einmal Hilfe und wer wirklich den Leuten unter die Arme greifen will, sollte sich eine dieser beiden Varianten einmal ansehen.

Variante eins: Man suche sich eine Hilfsorganisation der man vertraut. Das kann, muss aber nicht, das österreichische Rote Kreuz sein. Ich habe vorhin geschrieben, dass man dem bosnischen Roten Kreuz nicht trauen kann. Das scheint auch das nationale schweizerische Rote Kreuz zu glauben, und betreibt daher seit Jahren eine eigene Organisation in Bosnien. Damit können sie unabhängig vom bosnischen Roten Kreuz und damit vom staatlichen Zivilschutz arbeiten. Und genau hier klinkt sich das österreichische Rote Kreuz ein. Gemeinsam mit dem schweizerischen Roten Kreuz werden nämlich Hilfspakete geschnürt, die Familien, die vom Hochwasser betroffen sind, zugute kommen sollen. In erster Linie werden das Gutscheine für Baumaterial sein. Gekauft werden diese vor Ort. Damit kann die lokale Wirtschaft gestützt und – aufgrund der niedrigeren Preise – das gespendete Geld effektiver eingesetzt werden. Importiert werden nur Geräte die es in Bosnien nicht oder nur kaum gibt. Dabei geht es in erster Linie um Trocknungsgeräte, die die durchnässten Wände wieder trockenlegen sollen. Da diese Geräte sehr viel Strom fressen, wird es wohl aber auch Bargeld für die betroffenen Familien geben, damit diese ihre Stromrechnung bezahlen können.

Wie ihr seht. Es reicht nicht einen alten Pullover gen Süden zu schicken. Es braucht Planung, eine Bedarfsfindung und eine vertrauenswürdige Organisation die langjährig in der Region tätig ist. (Spendeninformation hier)

Variante zwei: Ihr habt direkte Kontakte ins Überschwemmungsgebiet und vertraut den Hilfsorganisationen nicht. Angesichts des Greenpeace Spendenskandals ist das nicht verwunderlich. Wenn das der Fall ist, dann erkundigt euch bei euren Freunden was gebraucht wird. Sammelt Geld und fährt damit nach Bosnien um direkt zu helfen. Kauft das benötigte Material direkt vor Ort. Es ist meist günstiger als in Österreich und es spart euch jede Menge Nerven am Zoll. Hier der Auszug aus der Reiseinformation des Außenministeriums:

Bei der Einfuhr von Gütern aller Art in größeren Mengen (also nicht haushaltsmäßigen Mengen), auch wenn diese für wohltätige Zwecke oder als Spenden vorgesehen sind, müssen durch die empfangende Organisation/Stelle die entsprechenden Importdokumente vorbereitet werden (unbedingt direkte Kontaktaufnahme mit jener Zollstation über welche die Einfuhr abgewickelt werden soll). Sind die Waren für Privatpersonen gedacht, so empfiehlt es sich im Vorfeld mit einer humanitären Organisation, die in Bosnien und Herzegowina tätig ist, in Kontakt zu treten, die bei der Einfuhr der Güter behilflich ist. Bei Spenden ist immer zu bedenken, dass durch den Empfänger der Waren Abgaben zu entrichten sind, deren Höhe sich nach der Art und dem Alter der gespendeten Güter richtet.“

Das alles ist nicht einfach und es soll schon Hilfstransporte gegeben haben, die schon an der Schengen-Außengrenze zu Kroatien gescheitert und umgekehrt sind. Dann war der Aufwand umsonst und man hat einen LKW voll Sperrmüll um den man sich kümmern muss.

In der kommenden Woche werde ich über die Trinkwassersituation, die Seuchengefahr und die zerstörte Infrastruktur in Bosnien schreiben.

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Wall of shame – die Kopierredaktionen dieses Landes

Shame on you - Wiener Zeitung.

Shame on you – Wiener Zeitung.

Ich bin einer der letzten, der normalerweise den Ablauf in Redaktionen kritisiert. Ich weiß wie stressig der Job in einer Onlineredaktion sein kann und auch in den gedruckten Tageszeitungen ist nicht jede Geschichte recherchiert. Viele Geschichten werden einfach von der Nachrichtenagentur übernommen. Das ist ganz normal und dafür sind Nachrichtenagenturen leider

Shame on you - Wirtschaftsblatt.

Shame on you – Wirtschaftsblatt.

auch da.

Trotzdem habe ich mich heute geärgert. Denn offensichtlich werden die Meldungen nicht einmal durchgelesen. Oder sie werden von monkeys (if you pay peanuts… ) gegengelesen.

In einer APA Meldung kursiert der

Shame on you - Kleine Zeitung

Shame on you – Kleine Zeitung

Vorschlag, dass Arnold Schwarzenegger amerikanischer Botschafter in Moskau werden könnte. Soweit so gut. Eine typische APA-Meldung. Fälschlicherweise wird in dieser Meldung behauptet, dass Schwarzenegger bis 2001 Gouverneur von Kalifornien war. Es ist ein Tippfehler, denn er bekleidete dieses Amt bis 2011. Das kann passieren und ist

Shame on you - Kronenzeitung

Shame on you – Kronenzeitung

keine Tragödie. Auch APA-Redakteure machen Fehler.

Aber wenn von sieben überprüften Redaktionen nur eine den Fehler findet, dann zeigt uns das, dass etwas schief rennt im Journalismus. Denn anders kann ich mir nicht erklären, dass fast die gesamte österreichische Medienwelt

Shame on you - Salzburger Nachrichten

Shame on you – Salzburger Nachrichten

glaubt, dass Arnold Schwarzenegger bis 2001 Gouverneur in Kalifornien war. Entschuldigung aber, wenn man die Jahre nicht im Kopf hat ist das ok, aber sich gleich geschlossen um ein ganzes Jahrzehnt zu irren, das ist peinlich. Wenn auch irgendjemand glaubt, mit dieser Art von Onlinejournalismus irgendwie, irgendwann Geld verdienen zu können,

Shame on you - Der Standard

Shame on you – Der Standard

dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

Das ist wie mit den Affen die man kriegt, wenn man Peanuts zahlt. Von Lesern denen mal solchen Mist serviert kann man nicht erwarten bezahlt zu werden. Zum schämen ist das.

Nur "Die Presse" hat den Fehler gefunden.

Nur “Die Presse” hat den Fehler gefunden.

Nur eine Redaktion ist zur Rettung der Ehre ausgerückt. Die Presse hat den Fehler gefunden. Die Formulierungen wurden kopiert, die Jahreszahl aber zum Glück ausgebessert. Kann aber leicht sein, dass sie nur als ersten einen Leserhinweis bekommen haben.

Nachtrag: Zu meinem Schrecken hat die “Österreich”-Redaktion auch den Fehler vermieden. Sie haben die Jahreszahl gleich weggelassen, als sie die Meldung in ihre übliche Trash-Sprache übersetzt haben. Immer noch besser als einfach zu kopieren. Unglaublich, dass ich einmal “Österreich” loben muss.

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Bosnien-Hochwasser Teil I: Es braucht Hilfe – aber richtig

Jetzt wird aufgeräumt. Hier in Šamac. Einer bosnischen Stadt die besonders vom Hochwasser betroffen ist. (Viele Menschen sind aber noch nicht auf der Straße.)

Jetzt wird aufgeräumt. Hier in Šamac. Einer bosnischen Stadt die besonders vom Hochwasser betroffen ist. (Viele Menschen sind aber noch nicht auf der Straße.)

Meine Recherchereise ist zu Ende und deshalb will ich euch ein kurzes Update geben. Weitere Posts zur Reise folgen in den kommenden Wochen. Ich war in Bosnien, wo vor ein paar Wochen ein großes Hochwasser eine Spur der Verwüstung gezogen hat. Genauer gesagt waren wir in Orašje und Šamac. Zwei sehr unterschiedliche Grenzstädte die unmittelbar vom Hochwasser betroffen sind. Gemeinsam mit Georg Wallner habe ich mir mein persönliches Bild der Lage gemacht und mir zwei konkrete Fragen gestellt.

  1. Was passiert mit den zahlreichen „wild“ gesammelten Sachspenden die mehr oder weniger koordiniert nach Bosnien gelangen? Eine wesentliche Frage, denn mein Anfangsverdacht war, dass viele Leute hier nur ihren Sperrmüll aus dem Keller räumen und sich damit ein gutes Gefühl abholen. Echte Hilfe aber sieht anders aus. Ob das wirklich so ist werdet ihr kommende Woche erfahren.
  2. Jetzt ist das große Medieninteresse weg. Was passiert gerade im Katastrophengebiet? Mein Anfangsverdacht war, dass einige Hilfsorganisationen sich auch mit den TV-Kameras wieder verabschieden. Das war auch der Fall, aber zum Teil ist dieser Abzug auch berechtigt. In zwei Wochen erfährt ihr dazu mehr. Außerdem zeige ich euch wer geblieben ist.

Vorab kann ich aber bereits einiges berichten. Die Zerstörungen in der Region sind enorm. Medien haben zwar berichtet, dass sie schlimmer sind als im Bürgerkrieg, das kann ich aber bei Weitem nicht bestätigen. Warum? Wie bei jedem Hochwasser, und ich habe in meinem Leben schon einige erlebt, ist das Ereignis einigermaßen lokal begrenzt. Dort wo die Flut zugeschlagen hat ist die Zerstörung natürlich unebschreiblich. Zwei Dörfer weiter geht das Leben aber ihren normalen Lauf. Das zeigt sich auch in der Psyche der Menschen. Die Menschen die uns begegnet sind sind bei weitem nicht so verzweifelt wie man es nach den Medienberichten glauben mag. Der Gedanke an den Wiederaufbau macht sich breit. Überall wird, sofern die Leute schon zurückgekehrt sind, geputzt und ausgeräumt. Es ist auch höchste Zeit, denn der zurückgebliebene Schlamm trocknet schnell.

Überall sieht man noch die Spuren des Hochwassers.

Überall sieht man noch die Spuren des Hochwassers.

Das ändert aber nicht daran, dass die Leute Hilfe von außen brauchen. Bosnien ist ein armes Land und die staatlichen Strukturen – kombiniert mit der Korruption – können offensichtlich nicht mit einer Naturkatastrophe diesen Ausmaßes umgehen. In der kommenden Woche will ich euch daher auch einen Weg einer vernünftigen Spende zeigen. Etwas das in Bosnien nicht so einfach ist. Denn die Korruption ist enorm und es ist bei weitem nicht garantiert, dass die Spenden dort landen wo sie hin sollen. Eine Möglichkeit einigermaßen sicher zu Spenden bietet aber das Rote Kreuz. Zwar hängt die Spendenfreudigkeit immer von der Medienpräsenz ab. Ich kann euch aber versichern, nur weil die Katastrophe nur wenige „news cycle“ überlebt hat, heißt es nicht, dass sie schon vorbei ist. Der Wiederaufbau beginnt erst. Entscheidet man sich aber zu spenden, dann sollte man sich eine Hilfsorganisation suchen, der man auch wirklich vertraut. Besonders wenn es um ein Land wie Bosnien gehen. Deshalb hier noch einmal die Spendeninformation des Österreichischen Roten Kreuz (warum diese Organisation folgt beim kommenden Post):

Erste Bank
IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144
BIC: GIBAATWWXXX
Kennwort: Überflutungen Südosteuropa

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Die Vorbereitung einer Reise

Mich zieht es wieder auf die Straße, dort wo die Geschichten liegen. Deshalb gehe ich über Pfingsten auf eine Recherchereise. Gemeinsam mit einem befreundeten Fotografen werde ich ein fremdes Land besuchen und zwei, für mich sehr zentrale, Fragen versuchen zu beantworten. Worum es genau geht will ich noch nicht verraten. Aber: Es wird, wenn alles gut geht zwei Geschichten auf dem Blog darüber geben.

Nur so viel ist gesagt. Ich gehe in gewisser Weise zu meinen Wurzeln zurück. Eine Wurzel liegt im Jahr 2002, eine weitere im Jahr 2012 und die dritte im Jahr 2013.

Kommende Woche werde ich euch hoffentlich schon aufklären können. Bis dahin müsst ihr euch aber noch gedulden.

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Antifaschismus findet nicht nur auf der Straße statt

Vergangene Woche hat mein Ironblogger-Kollege Fuchsy einen Artikel unter dem Titel „Antifaschismus nicht nur Linken überlassen“ geschrieben. Leider hat er die Kommentarfunktion gesperrt und so muss ich wohl über einen Blogpost meinen Senf dazu abgeben. In seinem Artikel entsteht nämlich der Eindruck, dass Antifaschismus nur auf der Straße passieren kann. Und da will ich ihm, ja muss ich ihm einfach widersprechen.

Nur weil ich Austria-Salzburg-Fan bin, bin ich noch lange kein Hooligan.

Nur weil ich Austria-Salzburg-Fan bin, bin ich noch lange kein Hooligan.

Auch ich habe schon gegen „Rechte“ demonstriert. Und Extremismus, egal von welcher Seite, schweigend zu akzeptieren ist für mich keine Option. Nur leider wird das Bild „auf der Straße“ immer einseitiger. Gegendemonstranten fallen nur zu leicht auf die Provokationen der Rechten herein. Und dass es nur einige wenige sind, ist im Grunde egal. Genauso wie man als „Austria Salzburg“ Fan, zu denen ich mich zähle, schnell einmal zum Anhänger eines Hooligan-Clubs wird, fällt einem Demonstranten nun leider schnell einmal die Krawallmacher-Karte zu.

Antifaschistische Demonstranten lassen sich heutzutage sehr schnell provozieren. Dabei merken diese, entschuldigung ich muss es sagen, Trotteln gar nicht, dass sie, indem sie schon auf die einfachste Provokation völlig überzogen antworten, der extremen Rechten überhaupt erst eine Plattform bieten. Das ist doch genau das was die sehen wollen. Ein paar Mistkübel die brennen, ein paar Schlägereien und die Sympathien liegen genau dort wo sie eigentlich nicht liegen sollten.

Das Problem, das ich sehe, ist doch im Grunde, dass diese Trotteln, und nichts anderes sind diese Krawallmacher, einen friedlichen Protest gar nicht mehr zulassen. Jede Lichterkette wird von diesen Leuten zur Straßenschlacht gemacht. Natürlich spielt die Polizei da auch eine gewisse Rolle und sie agiert wohl nicht gerade ideal. Ihr aber die alleinige Schuld zuzuweisen finde ich nicht richtig.


(So eine Aktion scheinen heute sehr schwierig zu sein, weil schnell wieder einige Leute versuchen ein paar Köpfe einzuschlagen.)

Auch einen Gedenkdienst zu leisten und viel darüber zu sprechen ist Antifaschismus. Hier, im Florida Holocaust Museum, war mein "antifaschistischer" Arbeitsplatz.

Auch einen Gedenkdienst zu leisten und viel darüber zu sprechen ist Antifaschismus. Hier, im Florida Holocaust Museum, war mein “antifaschistischer” Arbeitsplatz.

Also verlagert sich die Antifaschisten, die nicht unbedingt auf Schlägerbanden stehen, auf andere Ebenen. Auf intellektuelle Diskussionen. Auf symbolische Aktionen, die sehr wichtig sind und leider immer wieder zerstört werden. Auf politisches Lobbying, etwa wenn es um das Haus der Verantwortung in Braunau geht. Sie leisten Gedenkdienst und bemühen sich um einen Dialog mit den letzten verbliebenen Zeitzeugen. Sie arbeiten daran bei ihrem Bekannten und Freundeskreis Überzeugungsarbeit zu leisten und wirken so dem Vergessen entgegen. Diese Leute finden sich aber kaum auf der Straße, wenn die Rechten wieder einmal marschieren. Warum nicht? Weil sie sich nicht zum Handlanger jener machen wollen, gegen die sie auftreten. Nämlich genau das passiert gerade mit jeder Gegendemonstration. Wäre die Demonstration der Identitären friedlich verlaufen, was ja ihr demokratisches Recht ist, wäre wohl nicht in dem Ausmaß darüber berichtet worden. So wollte man diese Demo um jeden Preis verhindern, schlug sich daher die Köpfe ein und hat so den Nazis erst eine Plattform geboten. Mit fällt dazu immer ein Video ein, das ich aus Deutschland kenne.

Was passiert in dem Video? Die Neonazis reagieren dumm auf die Provokation der Antifa und holen die Baseballschläger raus. Wer sind die Guten in dem Video? Genau, die Antifa die friedlich bleibt. Hätten die Neonazis kühl reagiert, das Video hätte heute wahrscheinlich 500 Views, so sind die 500.000. Diese Strategie haben sich die Identitären zunutze gemacht und den Spieß umgedreht. Heute sind die Antifaschisten die, die sich provozieren lassen. Toll gemacht. Und das ist ein Mitgrund warum ich nicht mehr auf solche Demonstrationen gehe. Weil ich nicht zum Handlanger jeder werden will, denen man eigentlich entgegentreten sollte. Das geht zum Glück auch auf einer intellektuell vernünftigeren Ebene. Dazu muss man aber erst erkennen, dass Antifaschismus nicht unbedingt auf der Straße stattfindet, sondern es bessere Möglichkeiten gibt.

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Bosnien geht unter

Ihr wisst alle, dass Bosnien und Herzegowina ein Land ist das mir sehr am Herzen liegt. Nicht nur weil ich dort ein Jahr lang gearbeitet habe, sondern ich die Leute, die trotz ihrer verzweifelten Lage immer freundlich zu mir waren, sehr schätze.

Dieser Tage ist Bosnien noch einmal ein ordentliches Stück verzweifelter geworden. Die größte Flutkatastrophe seit über hundert Jahren hat fast zwei Drittel des Landes unter Wasser gesetzt. Stöbert man auf Youtube ein wenig, findet man dramatische Bilder. Von Brücken, die weggeschwemmt werden, oder von dramatischen Evakuierungen mit dem Hubschrauber.

Hier der Einsatz eines bosnischen Armee-Hubschraubers:

Hier kracht eine weggespülte Brücke auf eine andere:

Hier eine Bilderserie zum Hochwasser in Bosnien und Serbien:

Diese Brücke wäre bei dieser Lage in Österreich schon längst gesperrt:

Und noch mehr Eindrücke:

Ich habe selbst als freiwilliger Feuerwehrmann schon so manche Hochwasser, darunter auch das Jahrhunderthochwasser von 2002 und das Hochwasser vergangenes Jahr, erlebt. Selbst in einem hoch entwickelten Land wie Österreich ist das das reinste Chaos. Einsatztaktisch sind solche Ereignisse nur sehr schwer zu bewältigen. Nicht nur weil viel Einsätze auf einmal kommen (vergangenes Jahr etwa 70 Einsätze in 24 Stunden, allein bei meiner kleinen Feuerwehr mit drei Fahrzeugen), auch weil alle Kommunikationsmöglichkeiten fehlschlagen. Der Funk ist überlastet, die Handynetze auch, und wenn man mit dem Handy durchkommt, dann geht irgendwann der Akku aus.

So beschaulich sind die Bosnischen Flüsse derzeit leider nicht.

So beschaulich sind die Bosnischen Flüsse derzeit leider nicht.

In Bosnien muss die Lage noch viel dramatischer sein. Auch weil es, gerade am Land, kaum eine funktionierende Feuerwehr gibt. Koordinierte Hilfe ist so unmöglich. Hinzu kommt, dass der Schaden in Bosnien zwar nominell wahrscheinlich geringer ausfällt, als vielleicht in Österreich, oder wenn in den USA ein Hurricane zuschlägt. Faktisch ist der Schaden aber viel größer. Erstens weil es nicht so viele Versicherungen gibt und zweitens, weil das ohnehin unglaublich zarte Pflänzchen an wirtschaftlichen Wohlstand jetzt endgültig hinuntergespült wird. Was dort zerstört wird, wird sehr lange Zeit zerstört bleiben. Das gilt auch in Serbien, wo das Hochwasser auch zahlreiche Tote gefordert hat und auch ein Kohlebergwerk überflutet hat.

Pazi! Mine!
Hinzu kommt eine ganz praktische Gefahr, über die ich schon einmal ausführlich geschrieben habe. Es sind die Landminen, die in Bosnien weite Teile des Landes verseuchen. Mit jedem stärkeren Regen und jedem Erdrutsch, und solche gab es jetzt viele in Bosnien, verändert sich die Lage der Minenfelder. Und zwar so dramatisch, dass man nicht mehr sagen kann, wo die Minen liegen. Manche befürchten, dass die Minen über die Donau bis ins Schwarze Meer gespült werden könnten.

Das ist eine Gefahr, der sich hoffentlich auch die österreichischen Einsatzkräfte, die inzwischen nach Bosnien geeilt sind, bewusst sind. Denn gerade stark verminte Gegenden, dort wo früher die Front im Bürgerkrieg lag, sind vom Hochwasser betroffen. Nichts desto trotz ist es wichtig, dass Österreich hilft. Gerade heuer, 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo, muss uns bewusst sein, dass die nachbarschaftliche Hilfe in Bosnien ein wichtiger Weg ist, der Region nachhaltig zu helfen.

 

Mit solchen Hubschraubern ist der Österreichische Bundesheer im Einsatz.

Mit solchen Hubschraubern ist der Österreichische Bundesheer im Einsatz.

Österreichische Hilfe
Neben zahlreichen serbischen und bosnischen Vereinen, die in Österreich Sachspenden sammeln, sind vor Ort auch österreichische Feuerwehrmänner und das Österreichische Rote Kreuz aktiv. Im Rahmen der EUFOR fliegen auch Hubschrauber des Österreichischen Bundesheeres Rettunseinsätze.

Wer spenden will, sollte das auch tun. Hier die entsprechende Spendeninformation des Roten Kreuzes:

IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144 BIC: GIBAATWWXXX
Kennwort Überflutungen Südosteuropa

Oder Online: http://spende.roteskreuz.at

 

 

Ein falsches Gerücht.

Ein falsches Gerücht.

Nachtrag: 

Derzeit macht dieses Bild auf Facebook die Runde. Österreich soll 250 Soldaten in militärischen Fahrzeugen nach Bosnien schicken. 12 Tonnen Lebensmittel, 4000 Matratzen, 5000 Decken, 6000 Paar Schuhe, 17000 Kleidungsstücke, 4 Tonnen Babynahrung und 15000 Babyartikel sollen sie geladen haben. Außerdem sollen 90 Bagger und 150 LKW aus Österreich unterwegs sein. Das stimmt natürlich nicht und schürt nur falsche Hoffnungen. Auch dass UHBP Heinz Fischer 250 Millionen Euro an Hilfsgelder nach Bosnien schickt ist einfach falsch.

 

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Unser Zeichen ist rund, rotes Kreuz auf weißem Grund

Auf in den Nachtdienst.

Auf in den Nachtdienst.

Im weltweiten Netz läuft gerade eine internationale Social-Media- und Blog-Parade unter dem Titel #myredcross. Anlass dafür war der 8. Mai, der internationale Rotkreuz-Tag. Für mich Grund genug auch ein paar Zeilen zu verfassen. Dass eine Facebook- oder Twitter-Meldung nicht reichen wird, war von Anfang an klar. Immerhin bin ich seit 2006 beim Roten Kreuz ehrenamtlich tätig und obwohl meine Dienstfrequenz in den vergangenen Jahren abgenommen hat, mit dem Rotkreuz-Gedanken kann ich mich immer noch voll und ganz identifizieren.

50603506 – eigentlich bin ich ja kein großes Talent wenn es darum geht sich Nummern zu merken. Ich kenne keine Telefonnummern mehr. Wenn es um Hausnummern und Adressen geht, muss ich drei Mal nachschauen. Ich kenne weder meine Sozialversicherungsnummer, mein Bankkonto noch die Handynummer meiner Freundin auswendig und bin froh, dass ich mir den Pin meiner Bankomatkarte merken kann. Doch diese eine Nummer – 50603506 – die kenne ich im Schlaf. Es ist meine Dienstnummer beim Roten Kreuz.

In Graz natürlich.

In Graz natürlich.

Jetzt mag so eine Nummer nicht viel aussagen. Trotzdem zeigt sie mir, welch wichtigen Teil das Rote Kreuz in meinem Leben eingenommen hat. Dabei hat alles aus einem Verlegenheit heraus begonnen. Denn im Gegensatz zu den meisten männlichen Freiwilligen war ich weder Zivildiener beim Roten Kreuz noch Bundesheersanitäter. Das wären so die klassischen Freiwilligen-Karrieren. Ich war – obwohl ich aus einer Rot-Kreuz-Familie stammt – als Jugendlicher immer bei der Freiwilligen Feuerwehr. Ich bin noch immer bei der Feuerwehr und wenn ich zufällig Zuhause in Salzburg bin und die Sirene heult, kann man gar nicht so schnell schauen stehe ich schon im Feuerwehrhaus.

Als mich aber dann mein Studium nach Graz geführt hat stand ich vor einem Dilemma. Damals, man schrieb das Jahr 2005, gab es nämlich in Graz noch keine Freiwillige Feuerwehr. Und so ganz ohne Ehrenamt das Dasein zu fristen, das kam nun wirklich nicht in Frage. So bin ich also als verhinderter Feuerwehrmann, mehr oder weniger freiwillig, beim Grazer Roten Kreuz in der Donnerstag-Nacht-Gruppe gelandet. Und es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Da ist natürlich einmal die Möglichkeit anderen zu helfen. Nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Fähigkeit bekommt man beim Roten Kreuz. Allein der Gedanke im Notfall zu wissen, was zu tun ist, ist schon viel wert. Dazu kommt das Wissen, mit der eigenen Freizeit etwas sinnvolles anzufangen.

Wenn man einmal so eine Foto-Love-Story zum Geburtstag bekommt, dann ist klar, wo die Prioritäten liegen.

Wenn man einmal so eine Foto-Love-Story zum Geburtstag bekommt, dann ist klar, wo die Prioritäten liegen.

Die Stadt aus einem anderen Blickwinkel
Man lernt außerdem eine Stadt wie Graz durch den Dienst beim Roten Kreuz ganz anders kennen. Immerhin bin ich gerade erst an die Murmetropole gezogen. Gerade für mich als Journalist war das ein unheimlich gutes Training. Nicht nur weil man sich oft mit wildfremden Patienten unterhalten muss und man dadurch fast automatisch ein Interviewtraining bekommt. Auch der Blick über den Tellerrand hat mir für meinen Beruf wahnsinnig geholfen. Welcher Student bewegt sich schon regelmäßig in allen sozialen Schichten, von der Messie-Wohnung bis zur Ruckerlberg-Villa. Wer kann sich schon mit Menschen aus allen möglichen Hintergründen, von der Opernsängerin bis zum Asylwerber der morgen abgeschoben wird, unterhalten? Ein Sanitäter, ob freiwillig, Zivildiener oder hauptberuflich, macht das, als ob es selbstverständlich wäre.

Aber auch sonst lernt man eine Stadt als Rotkreuz-Sanitäter mit ganz anderen Augen zu sehen. Erstens, weil das geschulte Auge eine Notsituation viel schneller erkennt als ein Laie. Kann man sich das vorstellen? Bevor ich beim Roten Kreuz angefangen habe, hatte ich noch nie den Notruf gewählt. Inzwischen kommt das sicher alle paar Monate vor. Nicht dass ich das Unglück magisch anziehen würde, aber es fällt einem viel schneller auf. Da kollabiert einmal eine Person in der Straßenbahn, oder da liegt eine Alkoholleiche herum oder wenn es ein Kind ist, das einfach gegen eine Straßenlaterne rennt, man sieht die Dinge anders und weiß sie schneller einzuordnen. Und zweitens. An jeder Straßenecke ist eine Geschichte die man im Rettungsdienst erlebt hat. Und so wurde Graz, eine zu Beginn mir fremde Stadt, mit jedem Nachtdienst ein Stückchen mehr zu meiner Stadt.

Für zwölf Stunden mein Zuhause.

Für zwölf Stunden mein Zuhause.

Hauptbenefit Freundschaften
Und als I-Tüpfelchen oben drauf kommen noch die ganzen Freundschaften, die durch das Rote Kreuz entstanden sind.Was sag ich da Goodiebag, eigentlich ist das, bei aller Liebe zum Menschen, der Hauptbenefit meiner Rotkreuz-Karriere. Da muss man verstehen, dass das Rote Kreuz in Graz etwas anders ist als in anderen Teilen Österreichs. Wir sind eine sehr studentisch geprägte Stadt. Das zeigt sich auch bei den rund 1000 Rotkreuz-Freiwilligen. Die Fluktuation ist studienbedingt relativ hoch. Studenten schließen ja früher oder später hoffentlich ein Studium ab und verlassen dadurch irgendwann die Stadt. So bin ich mit meinen mittlerweile acht Dienstjahren eher ein Oldie in der Dienstgruppe. Doch gerade das macht die Sache so spannend. Diese jugendliche Energie im Dienstbetrieb schafft eine ganz eigene Stimmung die ich nicht missen möchte. Besonders die Vielfalt der Meinungen innerhalb unserer Dienstgruppe und die zahlreichen verschiedenen Hintergründe haben dazu geführt, dass ich Menschen zu meinen Freunden zähle, die ich sonst nie kennen gelernt hätte. Nicht über das Studium, nicht über die ähnliche Meinung oder über das ähnliche Umfeld. Auch die Internationalität die ich beim Roten Kreuz erfahre ist spannend. Auf die Schnelle fallen mir neben Österreichern noch Deutsche, Perser, Polen, Italiener, Russen, Türken und sogar ein Mongole ein, der beim Roten Kreuz in Graz Dienst versehen. Bei allen Unterschieden haben wir nämlich eine Gemeinsamkeit. Wir setzen uns am Donnerstag in der Nacht für zwölf Stunden in ein Auto und fahren, manchmal mit Blaulicht, durch die Stadt, helfen Menschen und verbringen einfach eine tolle Zeit miteinander.

Uns alle verbinden auch die Rotkreuz-Grundsätze. Zur Erinnerung: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Quasi eines der ältesten Leitbilder der Welt. Und gerade wenn diese Grundsätze wanken, etwa wegen politischer Querschüsse aus Interessensvertretungen oder wegen „innenpolitischer“ Probleme innerhalb der Organisation, und die gibt es in jeder großen Organisation in regelmäßigen Abständen, sollten wir uns diese Grundsätze in Erinnerung rufen. Sie sind die Basis für unsere Arbeit.

Zwar hat meine Dienstfrequenz aus beruflichen Gründen deutlich abgenommen. Aber trotzdem freue ich mich auf jeden Dienst in dem ich meine Dienstnummer in das Display des Datenterminals drücke und im Protokoll vermerke. Ja ich mache so gern Dienst, dass ich sogar manchmal die Dienstnummern meiner Kollegen im Kopf behalte. Etwas was ich von den Schrankencodes in den verschiedenen Krankenhäusern leider nicht behaupten kann.

PS: Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass ich kein Foto von mir in Uniform habe. Sollte noch eines Auftauchen werde ich es natürlich posten.

Fotos: Markus Karlseder und Ruth Herrgesell

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