Der harte weg zum erfolgreichen Online-Abo – Eine Replick auf ein Meedia-Interview mit Yannick Dillinger

Heute habe ich ein bemerkenswertes Interview auf Meedia mit Yannick Dillinger – dem künftigen Online-Chef der Augsburger Allgemeine” und aktuelle Online-Chef der “Schwäbischen” gelesen. Bemerkenswert fand ich das Interview deshalb, weil es die Hoffnung gibt, dass der Journalismus selbst kaum gefährdet ist, vielmehr ist es die Darstellungsform, die ins Wanken gerät. Der Weg, weg von Print hinter die Bezahlschranke im Web ist steinig, aber er scheint schön langsam zu greifen. Anders als andere Anbieter verschwindet bei der Schwäbischen ausnahmslos jeder Autoren-Artikel hinter der Paywall. Artikel deren Grundlage eine Presseaussendung oder die Agentur sind, bleiben frei zugänglich.

Diese Unterscheidung ist für mich wesentlich, denn sie grenzt echten Journalismus von Copy-Paste-Arbeit ab und gibt dem echten Journalismus den Stellenwert den er verdient. Journalismus ist harte Arbeit und sollte entsprechend honoriert werden.

Die Frage ist jedoch, ob sich zahlende Kunden auch halten lassen. Die Absprungrate scheint nämlich bei Online-Abos nach wie vor hoch zu sein. Hier gibt Dillinger spannende Einblicke bei der “Schwäbischen”. Dem Mai 2019 mit rund 1.300 neuen Online-Abos folgten mehr als 800 Kündigungen im Juni und dasselbe galt im Monat danach. Zwar steigen die Zahlen kontinuierlich, aber Tageszeitungen scheinen ein Problem zu haben Online-Kunden länger als das Probemonat zu halten. Dillinger jedoch stellt auch das Abomodell an sich teilweise infrage. Manche Zielgruppen wollen sich nicht mehr binden. Die Erfahrung zeigt uns aber, dass Micropayment auch nicht funktioniert. Ein Dilemma, dem sich Zeitungsmacher meiner Meinung nach in Zukunft stellen müssen.

Long reads ziehen

Dillinger stellt übrigens auch fest, dass es besonders die langen und erzählenden Geschichten sind, die Abos abschließen. Vielleicht sollten sich das auch andere Medien hinter die Ohren schreiben. Oft landen nämlich Artikel hinter der Paywall, bei denen ich als Kunde mir im Nachhinein die Frage stellen muss, ob es sich tatsächlich ausgezahlt hat, dafür zu bezahlen. Ob das der Kundenbindung hilft, wage ich zu bezweifeln.

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