Der Kollateralschaden amerikanischer und britischer Isolationspolitik

In dieser Woche habe ich mich eigentlich mit dem Wirtschaftsstandort Mexiko und den potenziellen wirtschaftlichen Folgen der US-Präsidentschaftswahl beschäftigt. Aber im Grunde ging es in meinen Recherchen auch um etwas anderes. Denn wenn man sich die beiden aktuell wichtigsten Volksentscheide der vergangenen Monate ansieht – nämlich die Tump-Wahl und den Brexit – dann fällt eines auf: mehr als sonst bei Wahlen üblich – zumindest ist es mir noch nie so stark aufgefallen – ist jeweils ein weiteres Land, das keinen Anteil an der Wahl hatte, unmittelbar von den Auswirkungen betroffen.

Klar, eine US-Präsidentschaft hat immer Auswirkungen auf die ganze Welt gehabt. Und auch der Brexit hat unmittelbare Auswirkungen auf die gesamte EU. Aber trotzdem sind zwei Länder überproportional betroffen. Bei Trump ist es Mexiko, immerhin will er die Nordgrenze Mexikos zumauern und das Land mit Strafzöllen belegen. Im Grunde war der Nachbar Kern seiner spärlichen Botschaften in der politischen Schlammschlacht. Beim Brexit hingegen war es nicht ganz so vordergründig. Trotzdem ist ein Land übermäßig betroffen, nämlich die Republik Irland, die nun mit ähnlichen – vor allem wirtschaftlichen – Konsequenzen leben muss.

Wirtschaftliche Abhängigkeit zum Nachbarn

Ich kenne zum Beispiel kaum ein Land, dessen Außenwirtschaft so abhängig von den USA ist, wie Mexiko. Sage und schreibe 81,1 Prozent der Exporte gehen zum nördlichen Nachbarn. Das liegt in erster Linie daran, dass amerikanische Unternehmen ihre Produktion nach Mexiko verlegt haben. Paradox ist, dass gerade die Wahl Donald Trumps den mexikanischen Produktionsstandort zumindest kurzfristig noch attraktiver gemacht hat. Warum? Mit der Trump-Wahl wurde der mexikanische Peso stark abgewertet. Die Folge: Mexikanische Exporte in die USA sind aus US-amerikanischer Sicht nun noch günstiger geworden. Das ist freilich nur ein kurzfristiger Effekt, langfristig könnte das alles dramatisch werden. Denn während Mexiko viel in die USA exportiert, kommt fast die Hälfte der Importe auch von dort (47,3 Prozent) und die sind entsprechend teurer geworden. Das wiederum könnte der mexikanischen Wirtschaft nachhaltig schaden, denn obwohl die Exporte günstiger geworden sind, könnten die teuren Importe entsprechend die Inflation antreiben und dadurch die Exporte wieder teurer machen. Der Grund dafür liegt in der unzureichend entwickelten Zulieferindustrie der mexikanischen Autobauer – den Hauptakteuren der mexikanischen Exportwirtschaft. Denn wenn die Vorprodukte teurer werden und die Inflation anzieht, dann wirkt sich das natürlich entsprechend preiserhöhend aus. Wie gewonnen, so zerronnen quasi.

Kurzfristige Effekte, langfristige Konsequenzen

Und das bringt uns zurück nach Europa. Denn auch hier gibt es in Sachen Brexit ein Land, das – von UK abgesehen – besonders stark betroffen ist und das ist die Republik Irland. Zwar ist Irland wirtschaftlich nicht ganz so extrem von den Briten abhängig wie Mexiko von den USA, trotzdem merkt man ähnliche Effekte. Im Zuge des Brexit ist der Pfund deutlich abgewertet worden und dadurch sind irische Exporte zum Nachbarn (immerhin 13,8 Prozent) über Nacht teurer geworden. Erste kleine Unternehmen, die ganz auf den britischen Markt gesetzt haben, sind dadurch schon pleite gegangen. Für manche gilt das als Frühwarnsystem was auf die irische Wirtschaft noch zukommen könnte. Auch einen kurzfristigen Shopping-Effekt in grenznahen Gebieten – und dazu gehört auch die Hauptstadt Dublin – gibt es. Der irische Einzelhandel leidet nämlich darunter, dass der nordirische Handel jenseits der grünen Grenze plötzlich viel günstiger ist als vor dem Brexit. Das ist nur ein kurzfristig positiver Effekt für die Briten, nachhaltig richtet er nämlich großen Schaden an. Denn, dass es so günstig für die irischen Kunden bleibt, ist natürlich Wunschdenken. Erste Marken und Hersteller wie Marmite und Apple haben ihre Verkaufspreise im Vereinigten Königreich ob des schwachen Pfundes schon angehoben. Der positive Effekt für die Iren ist dadurch weg, und die Briten (und Nordiren) leiden unter den gestiegenen Preisen.

Im Endeffekt gibt es also langfristig nur Verlierer und das obwohl ich die ganzen politischen Konsequenzen der britisch amerikanischen Isolationspolitik noch gar nicht beschrieben habe. Ähnlich wie den irischen Grenzkonsumenten und den Briten wird es nämlich wohl auch der mexikanischen Autoindustrie ergehen. Jetzt sind mexikanische Autos günstig, weil der Peso schwach ist. Die steigende Inflation durch die teuren Importprodukte machen diesen Vorteil aber schnell zunichte. Voraussetzung dafür ist, dass es tatsächlich zur Abschottungspolitik Trumps und zum harten Brexit von Theresa May kommt. Und derzeit sieht es ja leider tatsächlich danach aus.

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2 Responses to Der Kollateralschaden amerikanischer und britischer Isolationspolitik

  1. PBOeBlog says:

    Interessante Position und Argumentation!
    Zunächst (scheinbar!) das Gegenteil von der Meinigen – siehe:
    https://pboeblog.wordpress.com/2016/11/29/global-lokal-egal/
    aber tatsächlich nur “scheinbar”!
    Denn einer der mMn ausgesprochen positiven Effekte einer Abkehr von der Globalisierung sind genau diese “negativen Konsequenzen für das Shopping-Verhalten”!
    Es ist ja nicht zu erwarten, dass der Mensch aus eigener Einsicht sein Konsumverhalten freiwillig einschränkt – aber weiterhin einfach immer mehr Ressourcen zu verschwenden und zu verbrauchen ist ebenfalls unmöglich.
    …ausser es wäre das Ziel einen Weltuntergang möglichst rasch herbei zu führen, den man dann mit einer Pfauenfeder im Hals erleben möchte. Was eine”Nero_ische” Geisteshaltung voraussetzen würde.
    So gesehen sind die hier beschriebenen “negativen Konsequenzen” durch eine “zunehmende Isolationspolitik” der größten Konsum-Treiber USofA und UK ausgesprochen wünschenswert!
    Quasi:
    Eine Abkehr von der Globalisierung trägt zu einer globalen Gesundung bei!
    Nettes Oxymoron irgendwie 🙂
    Wenn ich es mir recht überlege findet sich das schon in meinem (zufällig) ersten Blogpost wo ich Donald Trump – aus genau diesen Gründen – für einen “Umweltschutzpreis” vorgeschlagen habe:
    https://pboeblog.wordpress.com/2016/11/10/donald-trump-potus-umweltschutzer/
    So oder so wird uns das Tauziehen für-und-wider “Globalisierung” noch eine Weile beschäftigt halten…..

  2. Pingback: Katalonien: Die europäische Büchse der Pandora - NachrichtenflussNachrichtenfluss

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