Anzeigen: Was die Medienhäuser von den „Bösen“ dringend lernen sollten

Der Journalismus liegt nicht im sterben, die Vertriebsform und der Verkauf von Anzeigen scheinbar schon. Viele Medienhäuser jammern über die schwachen Onlineumsätze. Wenn man sich aber die Tarifbestimmungen genauer anschaut, sind die Jammerer eigentlich selbst daran schuld.

Dieser Tage feiern wir den Abschied der einzigen Wirtschaftstageszeitung Österreichs. Das Wirtschaftsblatt war ein – wenn auch kleiner – Fixpunkt in unserer Medienlandschaft und es hinterlässt natürlich eine Lücke. Wer diese füllt, ob es nun der Standard ist – der schon jetzt mit verstärkter Wirtschaftsberichterstattung und gratis Abos wirb – die Presse oder doch vielleicht ein innovatives Onlineprojekt aus den freigeworden Kräften der Wirtschaftsblatt-Redaktion, steht in den Sternen. Irgendwer wird es auf jeden Fall tun, denn nicht der Journalismus ist vom Aussterben bedroht, sondern seine Vertriebsform.

Ja, der Print steckt in der Krise, das zeigen die schwindenden Auflagezahlen, die sinkenden Werbe erlöse und die nicht besonders starken Erlöse aus der Onlinewerbung. Überall macht sich der branchenübliche Katzenjammer breit. Und genau das macht mich stutzig. In der aktuellen Wochenendausgabe des „Standard“ kritisiert Bundeskanzler Kern nämlich, dass internationale Konzerne wie Google oder Facebook in Österreich 100 bis 200 Millionen Euro Umsatz machen und dafür keine Werbeabgabe zahlen. Facebook und Google machen mit online-Werbung hierzulande 200 Millionen Euro Umsatz? Wie kann das gehen, wenn der online Werbemarkt so schwach ist?

Irgendwo muss da der Hund drin sein. Ich habe mir daher spontan angesehen, was ich tun muss, um Onlinewerbung bei einer österreichischen Tageszeitung schalten zu können. Der Tausend-Kontakt-Preis startet bei etwa 40 Euro. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass man bei Facebook mit etwas Geschick nicht einmal die Hälfte dafür zahlt. Aber gut, den Preis kann man erklären. Ein qualitätsvolles Umfeld, viel Regionalität, Image und eine klare Zielgruppe sprechen dafür so viel zu zahlen. Für ein mittelständisches Unternehmen ist das allemal leistbar und gerade bei einem Medium wie der „Kleinen Zeitung“ oder den „Salzburger Nachrichten“ kann man die Zielgruppe schon sehr genau eingrenzen.

Wirtschaftsblatt und Der Standard

Das Wirtschaftsblatt nimmt Abschied und der Kanzler fordert Werbeabgabe für Google und Facebook.

Ignoriertes Kleinvieh macht ordentlich Mist

Ich muss zugeben, ich werbe manchmal aus einer Laune heraus auf Facebook. Dann stecke ich eine Hand voll Euro in Facebooks Rachen um einen Blogpost etwas zu pushen. Einfach weil es Spass macht die selbst gestaltete Anzeige sofort online zu sehen. Außerdem ist man ab einem Euro schon dabei. Was will man also groß verlieren.

Und hier kommt der Clou. Das kann ich bei unseren heimischen Zeitungen nicht machen. Sowohl in den Tarifbestimmungen des Styria Konzern als auch im „Standard“ ist ein Mindestumsatz von 1.500 Euro pro Projekt vorgesehen. Na bumm. Welches kleine oder mittelständische Unternehmen, etwa der Bauernladen von nebenan oder die Studentenkneipe, kann und will sich das leisten? Es ist auch gar nicht zielführend und bringt den Unternehmen nicht das was es kostet. Ich weiß natürlich nicht wie groß die Kampagnen auf Google und Facebook im Schnitt sind, aber ich bin mir sicher, dass ein signifikanter Teil des Umsatzes solche Klein- und Kleinstkampagnen sind. Das ist ein – offensichtlich gar nicht so kleiner – Werbemarkt der von den heimischen Medienhäusern völlig (fahrlässig) ignoriert wird.

Kleine Anzeigen brauchen keine Anzeigenabteilung

Und wenn man es sich leisten kann, solche Chancen links liegen zu lassen, dann braucht man nicht zu jammern. Denn nicht nur Internetgrößen wie Google und Facebook haben das Potenzial des kleinen Werbemarktes erkannt. Onlinedruckereien und erfolgreiche Startups wie Snipcard in Graz leben defacto davon. Natürlich, eine teure und aufwändige Anzeigenabteilung braucht sich mit dem Wiederaufstieg der Kleinanzeige nicht beschäftigen. Es braucht höchstens jemanden, der diese selbsterstellten Anzeigen überprüft und eventuell rechtswidrige Inhalte ablehnt, aber das wars auch schon. Die großen Internetkonzerne machen das längst. Vielleicht sollten sich die heimischen Medienhäuser das einmal abschauen.

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