Rauchen: Der K(r)ampf um die Tschick

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In Österreich herrscht umfassender Raucherschutz. Foto: (cc) Blu News /Flickr

Es gibt viele Dinge die man nicht verstehen muss und trotzdem sind sie gut. Manche Dinge sind aber so irrational, hirnrissig und so offensichtlich dumm und trotzdem passieren sie. Trotzdem erfahren sie gesellschaftliche Akzeptanz und gehören zu unserem Alltag wie kaum etwas anderes.

Ich rede vom Rauchen. Tabak gehört so sehr zu unserer Gesellschaft, dass sich sehr viel danach ausrichtet. Man kann rund um die Uhr Zigaretten kaufen, ohne Alterskontrolle. An jeder Ecke stehen Zigarettenautomaten und wenn die Zigarettenpreise steigen geht ein Aufschrei durch die Gesellschaft.

In meiner Schule gab es einen Raucherhof. Das heißt wir Schüler konnten in den Pausen hinaus und eine „entspannte“ Zigarette rauchen. Es kam sogar vor, dass Lehrer sich mit Schülern verbrüderten und eine Zigarette „geschnorrt“ haben. Ja die Raucher waren sogar einer der Gründe warum an meiner Schule die Hausschuhpflicht abgeschafft wurden. Man konnte es den Rauchern nicht zumuten mit Patschen auf den Hof zu gehen. Ein großer und bejubelter Erfolg der damaligen Schülervertretung. Im Nachhinein betrachtet war es ein klares Zeichen dafür, dass Rauchen nun einmal zu uns dazu gehört. Und die Raucher waren die coolen Kinder. Das hat sich scheinbar nicht geändert. Besonders in Österreich ist das Einstiegsalter der Raucher sehr niedrig.

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Jede Menge verbranntes Geld. Foto: (cc) ConstiAB / Flickr

Es scheint Rauchern nicht zumutbar zu sein
Später in Graz kam es zum nächsten großen Raucher-Aufschrei in meinem Umfeld. Ich habe beim Roten Kreuz als ehrenamtlicher Sanitäter angefangen und es war selbstverständlich, dass im großen Aufenthaltsraum geraucht wurde. Als ein generelles Rauchverbot auf der gesamten Dienststelle erlassen wurde ging ein großer Aufschrei durch die Mannschaft. Radikale Raucher drohten nicht mehr als ehrenamtliche Sanitäter zu arbeiten, wenn sie nicht im Aufenthaltsraum rauchen dürften. „Es war schon immer so und es hat nie jemanden gestört“, hieß es. Es galt als unzumutbar, dass Raucher sich auf die überdachte Terrasse begeben. Sie fühlten sich in die Kälte verbannt. Als zumutbar wurde jedoch angesehen den vielen Nichtrauchern unter den Sanitätern stinkende Nebelschwaden ins Gesicht zu blasen. Und das bei einer Truppe die eigentlich angetreten ist um die Gesundheit einer Stadt zu fördern. Klingt doch recht absurd. Aber gut, wenn man sich die Zahl der rauchenden Ärzte ansieht, weiß man wie irrational die Welt manchmal ist.

Seitdem diesen Erlebnissen hat sich sogar in Österreich in Sachen Nichtraucherschutz einiges getan aber bei weitem nicht genug. Auf der Rot-Kreuz-Dienststelle wird nur mehr auf der Terrasse geraucht. Die radikalen Raucher sind noch immer beim Roten Kreuz tätig. Ob es den Raucherhof an meiner Schule gibt weiß ich nicht, aber ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen.

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Besonders in Österreich gibt es viele junge Raucher. Wer raucht ist cool, redet man ihnen ein. Foto: (cc) Paul / Flickr

Es geht auch ohne
Damit ziehen wir endlich mit anderen vergleichbaren Ländern nach. Natürlich kann man in Bosnien noch immer unbeschwert rauchen. Aber wollen wir uns mit Ländern wie Bosnien vergleichen? Selbst Italien, wo die Zigarette zum Espresso gehörte und in England, wo verrauchte Pubs zum Kulturgut gehörten, war echter Nichtraucherschutz möglich. Auch dort gab es einen Aufschrei, aber die Gastronomie ist nicht daran zugrunde gegangen.

Anyways. Rein objektiv betrachtet gibt es keinen Grund Tabakrauch in öffentlichen Räumen zuzulassen. Anders als beim Alkohol gefährdet man nämlich mit den „Krebsstängel“ – schönes Wort übrigens – nicht nur selbst, sondern auch die Mitmenschen. Das hebt das Rauchen auf eine ganz andere Ebene. Denn Freiheit endet dort, wo man die Freiheit der anderen einschränkt.

Jetzt habe ich bewusst die medizinischen Argumente außen vor gelassen. Die hat die neue Experteninitiative „dont’t smoke“ ganz gut zusammengefasst.

Mein Highlight:

„In Österreich stirbt jede achte Stunde ein Mensch an den Folgen des Passivrauchens.“

Warum? Ob sich jemand selbst umbringen will, das kann ich nicht verhindern. Aber wenn mich jemand umbringen will, dann ist das etwas anderes. Nichtraucherschutz ist auch Arbeitnehmerschutz. Denn gerade in der heutigen Zeit, wo man sich den Job nicht unbedingt aussuchen kann, ist das umso wichtiger.

Ihre wichtigste Forderung: Ein Rauchverbot in allen Innenräumen, die auch von Nichtrauchern genutzt werden. Anders geht es leider nicht und alles andere ist eine typisch österreichische Wischiwaschi Lösung.

Disclaimer 1: Ich bin Nichtraucher. Jedoch habe ich diese Woche eine kubanische Zigarre geraucht. Eine Hälfte habe ich geschafft. Dann wurde mir erst heiß und dann wurde mir schlecht.

Disclaimer 2: Ich arbeite für die Wirtschaftskammer. In diesem Blogpost vertrete ich jedoch meine persönliche Meinung, die sich bei Teilen der Wirtschaftskammer, etwa den Vertretern der Gastronomie, nicht immer deckt.

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