Schottland: Und alle haben gewonnen

Schottland hat nein gesagt. Beim Urlaub zu Ostern war aber vor allem die "Yes" Kampagne präsent.

Schottland hat nein gesagt. Beim Urlaub zu Ostern war aber vor allem die “Yes” Kampagne präsent.

Jetzt hat Schottland abgestimmt und alles ist noch einmal gut gegangen. Also zumindest aus unionistischer Sicht. So knapp war das Rennen schließlich gar nicht und 55 Prozent haben sich für den Verbleib im Vereinigten Königreich entschieden. Jetzt kann man also getrost wieder zur Tagesordnung übergehen, möchte man glauben. Doch so einfach ist das nicht.

Denn die Schotten haben gezeigt, dass und wie es geht. Separatismus ist nämlich nicht nur in Großbrittanien (Nordirland, Schottland) en vouge. In ganz Europa gibt es Regionen die sich abspalten wollen. Ich denke da etwa an die Flamen in Belgien, an die Katalanen und die Basken in Spanien. Dann gibt es natürlich noch den Krieg in der Ostukraine, ein besonders kompliziertes Beispiel. Die Südtiroler in Italien und mit etwas schmunzeln meinetwegen auch die Kärntner. Es gibt kaum ein Land in Europa, das nicht über mehr oder weniger starke, autonome und abspaltungswillige Minderheiten gibt.

Das heißt auch das Land jenseits von Hadrians Mauer wird weiterhin zum Vereinigten Königreich und zur EU gehören.

Das heißt auch das Land jenseits von Hadrians Mauer wird weiterhin zum Vereinigten Königreich und zur EU gehören.

Für all diese Minderheiten haben die Schotten jetzt eine grundlegende Roadmap für eine potenzielle Unabhängigkeit gezeichnet. Die Frage ist nur, ob uns, also uns EU-Europäern, so viel Separatismus gut tun. Immerhin geht der europäische Gedanke eigentlich in die andere Richtung. Weg vom Nationalstaat hin zur europäischen Identität. Und doch scheint die Entwicklung weg vom Nationalismus aber dafür zum Mikronationalismus zu gehen. Wer die Streitereien bei der steirischen Gemeindestrukturreform beobachtet kann ein Lied davon singen. Ob das Europa noch regierbar macht, darf man durchaus bezweifeln.

Doch was würde das wirklich für die EU bedeuten? Es wundert mich schon, dass die EU-Verträge, in denen die Regeln auf der politischen Spielwiese „Europäische Union“ festgelegt sind, eben nicht festgelegt ist wie man sich verhalten soll, wenn ein EU-Mitglied sich aufteilt. Das wäre so als ob man bei den Fußballregeln vergisst festzulegen was bei einer roten Karte passiert. Den dass sich Länder aufteilen hat in Europa praktisch Tradition. Aber wie auch immer. Spätestens jetzt wäre es angebracht konkret darüber nachzudenken. Denn jene Minderheiten die auch die Unabhängigkeit anstreben haben in Schottland ein Vorbild gefunden, wie dies auch friedlich gehen kann.

Die Schotten werden aber unabhängiger denn je sein.

Die Schotten werden aber unabhängiger denn je sein.

Das Beispiel Schottland ist – im Gegensatz zum Krieg in der Ukraine – ein gutes Vorbild. Auch das „Referendum“ auf der Krim, wo die Menschen unter vorgehaltener Waffe abstimmen mussten, war kein gutes Beispiel für Demokratie.

Und alle haben in Schottland gewonnen. Die Schotten bleiben zwar im Vereinigten Königreich, können aber mehr Autonomie erwarten. Man wird quasi Unabhängig ohne sich unabhängig zu nenne. Entstehen könnte ein Hongkong-Modell. Quasi ein „Vereinigtes Königreich“ – zwei Systeme. Denn die Tories haben in Schottland eine Chance. Die Engländer konnten ihr Gesicht wahren. Die Europäische Union kann hoffen, dass mit den EU-freundlichen Stimmen der Schotten ein EU-Referendum im Vereinigten Königreich positiv ausfällt. Und die NATO kann sich freuen, dass die Atom-Uboote weiter in Schottland stationiert bleiben.

Zum Thema „Separatismus in Europa“ wird in der kommenden Ausgabe der Steirischen Wirtschaft ein Interview mit dem dem Völkerrechtler Josef Marko erscheinen.

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