Ich bin ein Mikrokredit-Hai – hoffentlich ein guter

Pedro schuldet mir Geld.

Pedro schuldet mir Geld.

Ich bin ja eigentlich kein großer Spender. Zumindest was Geldspenden anbelangt. Ich habe noch nie ein offenes Ohr für die Spendenkeiler am Jakominiplatz gehabt und auch andere Spendenaufrufe habe ich nie erhört. Das lag wohl auch daran, dass ich als freier Journalist nicht das regelmäßige Einkommen hatte um viel zu spenden. Aber auch der Umstand, dass ich ohnehin viel Zeit in Form meiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Roten Kreuz gespendet habe, hat mich davon abgehalten.

Bis vergangenen Februar. Damals habe ich zum ersten Mal Geld für die gute Sache in die Hand genommen. Was daraus geworden ist, möchte ich euch hier berichten.

Im Grunde war es eine Impulsentscheidung. Ich hatte einen neuen Job und endlich ein wirklich geregeltes Einkommen. Doch die Überlegung etwas zu spenden war auf keinem Fall auf meinem Radar. Bis Clemens Maria Schuster von der Schweizer PR-Agentur „Hofrat Suess“ von seinem Mikrokredit-Engagement auf seiner Facebook Timeline berichtet hat.

Mikrokredit, das klang interessant. Immerhin heißt Kredit auch zurückzahlen und zurückzahlen heißt, dass es ja eigentlich kein spenden ist. Das war mir sympatisch, denn es kommt dem Grundsatz „don’t give a fish, teach how to fish“, der mir sehr gefällt, recht nahe. Also habe ich Clemens kontaktiert und er hat mir von der Plattform „Kiva“ erzählt. Dabei handelt es sich um eine Online-Plattform die mit verschiedenen Mikrokreditgebern zusammenarbeiten. Man zahlt ein Startkapital – in meinem Fall 50 Dollar – ein und kann dann aus verschiedenen Projekten auswählen die man unterstützt. Diese kann man mit mindestens 25 Dollar unterstützen.

In meinem Fall habe ich folgende Projekte ausgewählt:

25 Dollar gingen an Pedro Juan aus El Salvador. Er ist Elektriker und brauchte einen Mikrokredit für Baumaterial. Mit den 325 Dollar, die er bekommen hat kaufte er elektrische Schalter, Kabelschächte, Sicherungen und Kabel. Er hat versprochen den Kredit innerhalb von 12 Monaten zurückzuzahlen und dieses Versprechen hat er bis jetzt übererfüllt. 66 Prozent seines Kredits hat er bereits abgestottert.

Gevorg will seine Fabrik aufbauen.

Gevorg will seine Fabrik aufbauen.

Die zweite Hälfte meiner Investitionssumme ging an ein europäisches Projekt. Gevorg aus Armenien betreibt gemeinsam mit seinem Bruder eine kleine Serviettenmanufaktur. Eine Fabrik kann man das kaum nennen, denn im Prinzip produziert eine kleine alte Maschine die Servietten. Sein Bruder kümmert sich um die Produktion und Gevorg hat den Vertrieb übernommen. Er beliefert rund 500 Läden und ein paar Fast-Food-Restaurants mit seinem Produkt. Um mehr Servietten produzieren zu können müssen sie einiges an Rohmaterial vorfinanzieren und hier ist der Mikrokredit eingesprungen. 1,700 Dollar sind zusammengekommen, 25 Dollar davon kamen aus meiner Tasche. Eine so große Summe braucht natürlich auch länger mit der Rückzahlung. 32 Monate sind das Ziel und bis jetzt sind sie auf jeden Fall im Plan, denn 16 Prozent des Kredites sind bereits zurückgezahlt.

Mein Portfolio zeigt, dass beide Kreditnehmer ihre Schulden zurückzahlen.

Mein Portfolio zeigt, dass beide Kreditnehmer ihre Schulden zurückzahlen.

Da das Geld schön langsam wieder auf mein Konto zurückgezahlt wird, kann ich mir jetzt überlegen, welches Projekt ich als nächstes unterstützen will. Dabei gehe ich nach einigen persönlichen Kriterien vor. Ich unterstütze vor allem Geschäfte, also Leute die aus dem Kredit ihre Arbeit bestreiten wollen. Außerdem habe ich Zugriff auf die Daten der einzelnen Kreditorganisationen. Dabei schaue ich mir vor allem die „Default rate“ an, also die Ausfallsrate. Ich will ja mein Geld wieder zurück bekommen. Übrigens kann ich das Geld das auf meinem Konto liegt auch wieder zurückfordern. Das Risiko besteht also in erster Linie im Währungsrisiko, da die Kredite in lokaler Währung ausgezahlt werden.

Was bleibt ist also ein Nullsummenspiel, und trotzdem hat man den Menschen mit geringen Summen geholfen. Wirklich kümmern muss ich mich um die Geschichte auch nicht. Einmal im Monat bekomme ich ein Email, wo mir mitgeteilt wird, dass wieder eine Rückzahlungsrate eingegangen ist. Dann logge ich mich kurz ein, schaue was ich hab und wenn wieder 25 Dollar beisammen sind, dann suche ich mir ein neues Projekt.

Kritik an Mikrokrediten
Natürlich gibt es auch Kritik an Mikrokrediten. Der Service ist nicht unumstritten und manche Studien stellen die Wirkung in Frage. Viele sehen darin in erster Linie ein Geschäftsmodell der Finanzwirtschaft. Hauptkritikpunkt ist aber, dass viele Kreditnehmer nicht das Wissen hätten um erfolgreich als Kleinunternehmer zu arbeiten. Dieses Risiko versuche ich durch die Auswahl der Projekte und der Kreditvergeber zu minimieren. In Summe halte ich das System für sehr spannend.

 

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2 Responses to Ich bin ein Mikrokredit-Hai – hoffentlich ein guter

  1. Pingback: Nachhaltig statt Peak: Wie man besser Gutes tut » Kredit, Engagement, Nicaragua, Geld, KIVA, Organisation » hofrat.ch

  2. Thomas says:

    Die Meinungen zu Mikrokrediten gehen immer noch sehr weit auseinander. Aus meiner Sicht sollte es in diesem Bereich grundsätzlich mehr Aufklärung geben, denn viele können mit dem Begriff ansich leider oftmals gar nichts anfangen.

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