Wall of shame – die Kopierredaktionen dieses Landes

Shame on you - Wiener Zeitung.

Shame on you – Wiener Zeitung.

Ich bin einer der letzten, der normalerweise den Ablauf in Redaktionen kritisiert. Ich weiß wie stressig der Job in einer Onlineredaktion sein kann und auch in den gedruckten Tageszeitungen ist nicht jede Geschichte recherchiert. Viele Geschichten werden einfach von der Nachrichtenagentur übernommen. Das ist ganz normal und dafür sind Nachrichtenagenturen leider

Shame on you - Wirtschaftsblatt.

Shame on you – Wirtschaftsblatt.

auch da.

Trotzdem habe ich mich heute geärgert. Denn offensichtlich werden die Meldungen nicht einmal durchgelesen. Oder sie werden von monkeys (if you pay peanuts… ) gegengelesen.

In einer APA Meldung kursiert der

Shame on you - Kleine Zeitung

Shame on you – Kleine Zeitung

Vorschlag, dass Arnold Schwarzenegger amerikanischer Botschafter in Moskau werden könnte. Soweit so gut. Eine typische APA-Meldung. Fälschlicherweise wird in dieser Meldung behauptet, dass Schwarzenegger bis 2001 Gouverneur von Kalifornien war. Es ist ein Tippfehler, denn er bekleidete dieses Amt bis 2011. Das kann passieren und ist

Shame on you - Kronenzeitung

Shame on you – Kronenzeitung

keine Tragödie. Auch APA-Redakteure machen Fehler.

Aber wenn von sieben überprüften Redaktionen nur eine den Fehler findet, dann zeigt uns das, dass etwas schief rennt im Journalismus. Denn anders kann ich mir nicht erklären, dass fast die gesamte österreichische Medienwelt

Shame on you - Salzburger Nachrichten

Shame on you – Salzburger Nachrichten

glaubt, dass Arnold Schwarzenegger bis 2001 Gouverneur in Kalifornien war. Entschuldigung aber, wenn man die Jahre nicht im Kopf hat ist das ok, aber sich gleich geschlossen um ein ganzes Jahrzehnt zu irren, das ist peinlich. Wenn auch irgendjemand glaubt, mit dieser Art von Onlinejournalismus irgendwie, irgendwann Geld verdienen zu können,

Shame on you - Der Standard

Shame on you – Der Standard

dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

Das ist wie mit den Affen die man kriegt, wenn man Peanuts zahlt. Von Lesern denen mal solchen Mist serviert kann man nicht erwarten bezahlt zu werden. Zum schämen ist das.

Nur "Die Presse" hat den Fehler gefunden.

Nur “Die Presse” hat den Fehler gefunden.

Nur eine Redaktion ist zur Rettung der Ehre ausgerückt. Die Presse hat den Fehler gefunden. Die Formulierungen wurden kopiert, die Jahreszahl aber zum Glück ausgebessert. Kann aber leicht sein, dass sie nur als ersten einen Leserhinweis bekommen haben.

Nachtrag: Zu meinem Schrecken hat die “Österreich”-Redaktion auch den Fehler vermieden. Sie haben die Jahreszahl gleich weggelassen, als sie die Meldung in ihre übliche Trash-Sprache übersetzt haben. Immer noch besser als einfach zu kopieren. Unglaublich, dass ich einmal “Österreich” loben muss.

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4 Responses to Wall of shame – die Kopierredaktionen dieses Landes

  1. Henriette says:

    Dein Artikel erinnert mich an etwas, was mir schon früher einmal aufgefallen ist und mir im Rahmen meiner Arbeit ebenfalls immer wieder begegnet. In dem Zusammenhang eine Frage, die du mir sicher beantworten kannst: Ist es rechtens, wenn Redaktionen die APA-Meldungen eins zu eins kopieren und veröffentlichen? Dürfen sie das? Aus SEO-Sicht werden damit nämlich jede Menge doppelte Inhalte erstellt, die Google eigentlich nicht mag …

  2. Danke für deinen Kommentar. Ich sehe rechtlich überhaupt kein Problem. Nachrichtenagenturen sind im wesentlichen Content-Großhändler. Bei der APA sind alle wesentlichen Tageszeitungen (außer der Krone) auch die Eigentümer der Nachrichtenagentur.

    Grundsätzlich erspart sich das Medium (zB eine Zeitung) eine Menge Korrespondenten, weil sie auf die Dienste einer internationalen Nachrichtenagentur zurückgreifen kann. Grundlage des Geschäftsmodell ist es, dass Meldungen von APA, DPA, Reuters, AP und AFP, oder wie sie noch alle heißen übernommen werden. Die meisten Kunden der Nachrichtenagenturen sind andere Medien und Börsendienste.

    Das ist auch in Ordnung. Vor allem bei breaking news sind Nachrichtenagenturen unerlässlich. So gab es die Nachricht um Haiders Tod schon eine halbe Stunde nach dem Unfall in der Nachrichtenagentur. Auch bei Wahlergebnissen laufen viele Hochrechnungen (mit Sperrfrist) über die Agenturen. Was mich stört ist, dass der Anteil der Agenturmeldungen in den Medien aus Kostengründen längst überhand genommen hat. Ob das Google mag oder nicht ist mir da eigentlich egal. Das ist Leserverarsche und macht die Zeitungen austauschbar.

  3. Henriette says:

    Ich kenne da einige Leute, die das “Abschreiben” ebenfalls kritisieren … Österreichische Zeitungen scheinen hier auch den Trend entwickelt zu haben, von bekannten deutschen Zeitungen Inhalte zu “adaptieren” (Drücken wir es mal so aus). Und wegen der Austauschbarkeit geb ich dir ebenfalls recht – vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich mittlerweile so wenig Zeitungen lese …

  4. Das sind alles Phänomene der Kosteneinsparungen. Ich glaube aber, dass ein Großteil der abgeschrieben und adaptierten Meldungen ohnehin auf Agenturgeschichten zurückgehen. Wenn eine Zeitung etwas exklusiv hat und man das dann zitiert, weil es eben relevant ist, hab ich kein Problem damit. Solange auch noch einmal journalistische Arbeit passiert. Etwa indem es in Kontext gesetzt wird oder ein neuer Aspekt hinzu kommen.

    Fakt ist auch, dass viele Geschichten auch auf Presseaussendungen basieren und dann, je nach dem wie viel dazu recherchiert wir, natürlich überall einigermaßen ähnlich klingen. Das ist leider die Medienrealität. Dabei kritisiere ich gar nicht die Journalisten, denn bei dem Arbeitspensum geht es nunmal nicht, dass jede Geschichte exklusiv recherchiert ist. Wäre einfach nicht praktikabel.

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