Antifaschismus findet nicht nur auf der Straße statt

Vergangene Woche hat mein Ironblogger-Kollege Fuchsy einen Artikel unter dem Titel „Antifaschismus nicht nur Linken überlassen“ geschrieben. Leider hat er die Kommentarfunktion gesperrt und so muss ich wohl über einen Blogpost meinen Senf dazu abgeben. In seinem Artikel entsteht nämlich der Eindruck, dass Antifaschismus nur auf der Straße passieren kann. Und da will ich ihm, ja muss ich ihm einfach widersprechen.

Nur weil ich Austria-Salzburg-Fan bin, bin ich noch lange kein Hooligan.

Nur weil ich Austria-Salzburg-Fan bin, bin ich noch lange kein Hooligan.

Auch ich habe schon gegen „Rechte“ demonstriert. Und Extremismus, egal von welcher Seite, schweigend zu akzeptieren ist für mich keine Option. Nur leider wird das Bild „auf der Straße“ immer einseitiger. Gegendemonstranten fallen nur zu leicht auf die Provokationen der Rechten herein. Und dass es nur einige wenige sind, ist im Grunde egal. Genauso wie man als „Austria Salzburg“ Fan, zu denen ich mich zähle, schnell einmal zum Anhänger eines Hooligan-Clubs wird, fällt einem Demonstranten nun leider schnell einmal die Krawallmacher-Karte zu.

Antifaschistische Demonstranten lassen sich heutzutage sehr schnell provozieren. Dabei merken diese, entschuldigung ich muss es sagen, Trotteln gar nicht, dass sie, indem sie schon auf die einfachste Provokation völlig überzogen antworten, der extremen Rechten überhaupt erst eine Plattform bieten. Das ist doch genau das was die sehen wollen. Ein paar Mistkübel die brennen, ein paar Schlägereien und die Sympathien liegen genau dort wo sie eigentlich nicht liegen sollten.

Das Problem, das ich sehe, ist doch im Grunde, dass diese Trotteln, und nichts anderes sind diese Krawallmacher, einen friedlichen Protest gar nicht mehr zulassen. Jede Lichterkette wird von diesen Leuten zur Straßenschlacht gemacht. Natürlich spielt die Polizei da auch eine gewisse Rolle und sie agiert wohl nicht gerade ideal. Ihr aber die alleinige Schuld zuzuweisen finde ich nicht richtig.


(So eine Aktion scheinen heute sehr schwierig zu sein, weil schnell wieder einige Leute versuchen ein paar Köpfe einzuschlagen.)

Auch einen Gedenkdienst zu leisten und viel darüber zu sprechen ist Antifaschismus. Hier, im Florida Holocaust Museum, war mein "antifaschistischer" Arbeitsplatz.

Auch einen Gedenkdienst zu leisten und viel darüber zu sprechen ist Antifaschismus. Hier, im Florida Holocaust Museum, war mein “antifaschistischer” Arbeitsplatz.

Also verlagert sich die Antifaschisten, die nicht unbedingt auf Schlägerbanden stehen, auf andere Ebenen. Auf intellektuelle Diskussionen. Auf symbolische Aktionen, die sehr wichtig sind und leider immer wieder zerstört werden. Auf politisches Lobbying, etwa wenn es um das Haus der Verantwortung in Braunau geht. Sie leisten Gedenkdienst und bemühen sich um einen Dialog mit den letzten verbliebenen Zeitzeugen. Sie arbeiten daran bei ihrem Bekannten und Freundeskreis Überzeugungsarbeit zu leisten und wirken so dem Vergessen entgegen. Diese Leute finden sich aber kaum auf der Straße, wenn die Rechten wieder einmal marschieren. Warum nicht? Weil sie sich nicht zum Handlanger jener machen wollen, gegen die sie auftreten. Nämlich genau das passiert gerade mit jeder Gegendemonstration. Wäre die Demonstration der Identitären friedlich verlaufen, was ja ihr demokratisches Recht ist, wäre wohl nicht in dem Ausmaß darüber berichtet worden. So wollte man diese Demo um jeden Preis verhindern, schlug sich daher die Köpfe ein und hat so den Nazis erst eine Plattform geboten. Mit fällt dazu immer ein Video ein, das ich aus Deutschland kenne.

Was passiert in dem Video? Die Neonazis reagieren dumm auf die Provokation der Antifa und holen die Baseballschläger raus. Wer sind die Guten in dem Video? Genau, die Antifa die friedlich bleibt. Hätten die Neonazis kühl reagiert, das Video hätte heute wahrscheinlich 500 Views, so sind die 500.000. Diese Strategie haben sich die Identitären zunutze gemacht und den Spieß umgedreht. Heute sind die Antifaschisten die, die sich provozieren lassen. Toll gemacht. Und das ist ein Mitgrund warum ich nicht mehr auf solche Demonstrationen gehe. Weil ich nicht zum Handlanger jeder werden will, denen man eigentlich entgegentreten sollte. Das geht zum Glück auch auf einer intellektuell vernünftigeren Ebene. Dazu muss man aber erst erkennen, dass Antifaschismus nicht unbedingt auf der Straße stattfindet, sondern es bessere Möglichkeiten gibt.

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