Bosnien geht unter

Ihr wisst alle, dass Bosnien und Herzegowina ein Land ist das mir sehr am Herzen liegt. Nicht nur weil ich dort ein Jahr lang gearbeitet habe, sondern ich die Leute, die trotz ihrer verzweifelten Lage immer freundlich zu mir waren, sehr schätze.

Dieser Tage ist Bosnien noch einmal ein ordentliches Stück verzweifelter geworden. Die größte Flutkatastrophe seit über hundert Jahren hat fast zwei Drittel des Landes unter Wasser gesetzt. Stöbert man auf Youtube ein wenig, findet man dramatische Bilder. Von Brücken, die weggeschwemmt werden, oder von dramatischen Evakuierungen mit dem Hubschrauber.

Hier der Einsatz eines bosnischen Armee-Hubschraubers:

Hier kracht eine weggespülte Brücke auf eine andere:

Hier eine Bilderserie zum Hochwasser in Bosnien und Serbien:

Diese Brücke wäre bei dieser Lage in Österreich schon längst gesperrt:

Und noch mehr Eindrücke:

Ich habe selbst als freiwilliger Feuerwehrmann schon so manche Hochwasser, darunter auch das Jahrhunderthochwasser von 2002 und das Hochwasser vergangenes Jahr, erlebt. Selbst in einem hoch entwickelten Land wie Österreich ist das das reinste Chaos. Einsatztaktisch sind solche Ereignisse nur sehr schwer zu bewältigen. Nicht nur weil viel Einsätze auf einmal kommen (vergangenes Jahr etwa 70 Einsätze in 24 Stunden, allein bei meiner kleinen Feuerwehr mit drei Fahrzeugen), auch weil alle Kommunikationsmöglichkeiten fehlschlagen. Der Funk ist überlastet, die Handynetze auch, und wenn man mit dem Handy durchkommt, dann geht irgendwann der Akku aus.

So beschaulich sind die Bosnischen Flüsse derzeit leider nicht.

So beschaulich sind die Bosnischen Flüsse derzeit leider nicht.

In Bosnien muss die Lage noch viel dramatischer sein. Auch weil es, gerade am Land, kaum eine funktionierende Feuerwehr gibt. Koordinierte Hilfe ist so unmöglich. Hinzu kommt, dass der Schaden in Bosnien zwar nominell wahrscheinlich geringer ausfällt, als vielleicht in Österreich, oder wenn in den USA ein Hurricane zuschlägt. Faktisch ist der Schaden aber viel größer. Erstens weil es nicht so viele Versicherungen gibt und zweitens, weil das ohnehin unglaublich zarte Pflänzchen an wirtschaftlichen Wohlstand jetzt endgültig hinuntergespült wird. Was dort zerstört wird, wird sehr lange Zeit zerstört bleiben. Das gilt auch in Serbien, wo das Hochwasser auch zahlreiche Tote gefordert hat und auch ein Kohlebergwerk überflutet hat.

Pazi! Mine!
Hinzu kommt eine ganz praktische Gefahr, über die ich schon einmal ausführlich geschrieben habe. Es sind die Landminen, die in Bosnien weite Teile des Landes verseuchen. Mit jedem stärkeren Regen und jedem Erdrutsch, und solche gab es jetzt viele in Bosnien, verändert sich die Lage der Minenfelder. Und zwar so dramatisch, dass man nicht mehr sagen kann, wo die Minen liegen. Manche befürchten, dass die Minen über die Donau bis ins Schwarze Meer gespült werden könnten.

Das ist eine Gefahr, der sich hoffentlich auch die österreichischen Einsatzkräfte, die inzwischen nach Bosnien geeilt sind, bewusst sind. Denn gerade stark verminte Gegenden, dort wo früher die Front im Bürgerkrieg lag, sind vom Hochwasser betroffen. Nichts desto trotz ist es wichtig, dass Österreich hilft. Gerade heuer, 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo, muss uns bewusst sein, dass die nachbarschaftliche Hilfe in Bosnien ein wichtiger Weg ist, der Region nachhaltig zu helfen.

 

Mit solchen Hubschraubern ist der Österreichische Bundesheer im Einsatz.

Mit solchen Hubschraubern ist der Österreichische Bundesheer im Einsatz.

Österreichische Hilfe
Neben zahlreichen serbischen und bosnischen Vereinen, die in Österreich Sachspenden sammeln, sind vor Ort auch österreichische Feuerwehrmänner und das Österreichische Rote Kreuz aktiv. Im Rahmen der EUFOR fliegen auch Hubschrauber des Österreichischen Bundesheeres Rettunseinsätze.

Wer spenden will, sollte das auch tun. Hier die entsprechende Spendeninformation des Roten Kreuzes:

IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144 BIC: GIBAATWWXXX
Kennwort Überflutungen Südosteuropa

Oder Online: http://spende.roteskreuz.at

 

 

Ein falsches Gerücht.

Ein falsches Gerücht.

Nachtrag: 

Derzeit macht dieses Bild auf Facebook die Runde. Österreich soll 250 Soldaten in militärischen Fahrzeugen nach Bosnien schicken. 12 Tonnen Lebensmittel, 4000 Matratzen, 5000 Decken, 6000 Paar Schuhe, 17000 Kleidungsstücke, 4 Tonnen Babynahrung und 15000 Babyartikel sollen sie geladen haben. Außerdem sollen 90 Bagger und 150 LKW aus Österreich unterwegs sein. Das stimmt natürlich nicht und schürt nur falsche Hoffnungen. Auch dass UHBP Heinz Fischer 250 Millionen Euro an Hilfsgelder nach Bosnien schickt ist einfach falsch.

 

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