Es wird international im Nachrichtenfluss

Leider kann ich kaum noch vor Ort recherchieren. So wie 2012 im Kosovo, wo sich österreichische KFOR-Soldaten und Kosovo-Serben gegenüberstanden.

Leider kann ich kaum noch vor Ort recherchieren. So wie 2012 im Kosovo, wo sich österreichische KFOR-Soldaten und Kosovo-Serben gegenüberstanden.

Es ist ein Kreuz mit meinen Interessen. Wie Ihr ja wisst, habe ich für ein Jahr recht intensiv aus Südosteuropa berichtet. Dabei habe ich viel gelernt. Unter anderem auch, dass Außenpolitik mein Traumressort ist. Das Balkan-Experiment, quasi ein Svabo in Sarajevo, ist leider gescheitert. Auch weil es in der Österreichischen Medienlandschaft kaum Interesse und kaum finanzielle Mittel für einen ordentlichen Auslandsjournalismus gibt. Wohl auch nicht unbegründet. So wie Journalisten mit Auslandsthemen kaum Geld verdienen können, so können auch Zeitungen kaum von einer guten Auslandsberichterstattung profitieren. Welcher Anzeigenkunde will schon neben Völkermord und Krieg stehen. Und auch der Leser, wirtschaftlich gesehen spielt er im Mediengeschäft ohnehin zweite Geige, begnügt sich mich der allseits verbreiteten und ewig gleichen Nachrichtenwüste der großen Agenturen.

Nur noch “Breaking News” zählt
Der Effekt? Der ist klar. Interessant sind nur noch „Breaking News“. Syrien war gestern, Ukraine ist es bald, denn der nächste Konflikt kommt bestimmt. Die Proteste in Bosnien wurden, medial gesehen, sowieso zwischen der Ukraine und Syrien zerrieben. Von den ganzen spannenden Auslandsgeschichten von denen wir kaum etwas erfahren, von Nigeria bis Südostasien ganz zu schweigen. In die Tiefe kann bei der Schnelllebigkeit eine Berichterstattung ohnehin nicht gehen. Das scheint auch nicht wirklich gewünscht zu sein. Der Vergleich hinkt zwar, aber die zwei Biertests hier im Blog hatten (auf niedrigem Niveau) im Schnitt vier Mal so viele Leser wie die Geschichten zu Bosnien oder zur Ukraine.

Ich habe das Glück bei der „Steirischen Wirtschaft“ das Ressort „International“ zu betreuen. Dort habe ich die Möglichkeit, im Korsett der Blattlinie natürlich und sofern es vom Platz her auch möglich ist, ein wenig hinter die Kulissen zu schauen und tiefergehende Interviews zu führen. So haben wir uns in den vergangenen Wochen intensiv mit der Ukraine auseinander gesetzt und uns auch die Frage gestellt, ob der Machtwechsel in Italien wirtschaftliche Auswirkungen auf Österreich hat.

“Aufgelesen” und Ausführliches
Trotzdem, der deutschsprachige Auslands-Journalismus liegt am Boden. Das mag jetzt nicht weiter tragisch sein, doch mich stört es. Deshalb werde ich mich hier im Blog, unabhängig von den Leserzahlen, vor Allem mit zwei Dingen beschäftigen. Ich möchte unter der Rubrik „Aufgelesen“ wöchentlich Links zu Geschichten posten, die ich für guten Auslandsjournalismus halte. Quasi so etwas wie ein Readers Digest abseits der Agenturmeldungen. Denn es gibt ihn noch, den guten Auslandsjournalismus. Zu finden ist er in den Qualitätsmedien die leider keine Massenwirksamkeit haben.

Zusätzlich werden ich jene Interviews die ich für die „Steirische Wirtschaft“ führe, wie gewohnt, in einer längeren Version hier online stellen. Auch kann es immer wieder vorkommen, dass ich das eine oder andere Interview oder eine ausführlichere Geschichte zusätzlich hier posten werde, ohne, dass sie in der „Steirischen Wirtschaft“ erschienen sind. Leider kann ich, aus verständlichen Gründen, nicht vor Ort recherchieren. Das machen viele große Zeitungen auch nicht und wenn sie es tun, dann nur sporadisch. Dieses Manko muss ich eben versuchen auszubügeln, indem ich immer wieder Experten zuhause in Österreich zu Wort kommen lassen will.

(Das heißt aber nicht, dass die Biergeschichten ganz sein lasse. Irgendwoher muss ja der Traffic herkommen.)

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.