Der finanzielle Rückhalt der Ukraine ist sehr gering

Das Gespräch mit dem österreichischen Wirtschaftsdelegierten in Kiew, Hermann Ortner habe ich kurz vor dem russischen Einmarsch auf die Krim geführt. Seitdem hat sich die politische Lage in der Ukraine erneut dramatisch verändert. Trotzdem gibt das Interview wertvolles Hintergrundwissen. Ursprünglich wurde das Interview für die „Steirische Wirtschaft“ geführt. Eine kurze Version des Gespräches wurde auch dort veröffentlicht.

Wie werden sich steirische/österreichische Unternehmen in der jetzigen Situation verhalten?
Das kann man sehr schwer sagen. Es ist viel zu früh darüber zu sprechen. Unternehmen investieren immer mit einem mittel- und langfristigen Horizont, da gibt es selten kurzfristige Entscheidungen.

Das Geschäftsleben hat sicher darunter gelitten, das ist klar. In der Ukraine gibt es aber schön länger Probleme, vor allem im Bereich Steuern und Zoll. Das wirtschaftliche Umfeld war in den letzten ein bis zwei Jahren nicht gut. Jetzt muss man abwarten. Seit ein paar Tagen sieht es so aus, dass es Neuwahlen geben wird. Es hat in den letzten paar Monaten aber so viele schnelle Änderungen der Situation gegeben, dass man nur abwarten kann.

Wie steht die Ukraine derzeit wirtschaftlich da?
Man hat in der Ukraine sehr viel Zeit versäumt. Die Unabhängigkeit ist fast 25 Jahre her und die wirtschaftliche Entwicklung ist im Vergleich sehr hinten. Das Wirtschaftswachstum war im vergangen Jahr sogar leicht negativ und Auslandsinvestitionen sind zurückgegangen. Es gibt in der Ukraine vor allem veraltete Industrie. Es bräuchte einfach bessere Rahmenbedingungen für Investitionen. Gerade Investitionen aus dem Ausland wären wichtig für die Ukraine eine wichtige Entwicklung. Geschäftsleute wollen, wie Aktienmärkte, aber ein stabiles Umfeld. Niemand hat daher wohl in den letzten Monaten die Entscheidung getroffen das Geschäft auszubauen. Ich habe das Gefühl, dass die Neuwahlen ein Szenario sind, das politische Stabilität bringen kann, aber kurzfristig wird es nicht ohne Reibereien weitergehen. Es gibt derzeit so viele Gerüchte und Geschichten, die sich schwer verifizieren lassen, etwa wenn es um den Aufenthaltsort einzelner Politiker geht.

Es gibt derzeit viele Spekulationen. Ist die Ukraine bankrott?
Man sagt, dass die Devisenenreserven gering sind. Der finanzielle Rückhalt in der Ukraine ist sehr gering. Man wird unbedingt ausländische Geldgeber finden müssen. Mit einer Teilung wird seit Jahrzehnten spekuliert. Aber ich stelle mir das persönlich unwahrscheinlich vor und ist eher Theorie.

Sind österreichische Unternehmen überhaupt im Osten der Ukraine vertreten?
Die meisten österreichischen Firmen sind in Kiew. In der Ostukraine gibt es kaum österreichische Präsenz. Ein weiteres österreichisches Stronghold ist im westukrainischen Lemberg. Im Osten ist vor allem die veraltete Schwerindustrie angesiedelt. Das heißt diese Region ist höchstens für Exporteure von Maschinen interessant. Aber in diese Industrien wurde schon in der Vergangenheit kaum investiert.

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