Ein Laie trinkt Bier II – Gambrinus Bier

Das Gambrinus-Bier. So schlecht sieht das volle Glas nicht aus.

Das Gambrinus-Bier aus Österreich. Ganz so schlecht sieht das volle Glas wirklich nicht aus.

Wer aus Österreich kommt, dem ist das Gambrinus Bier, nicht das tschechische sondern das österreichische, sicher schon einmal untergekommen. Benannt ist das Bier nach niemand geringeren als den legendären niederländischen König, dem auch die Erfindung des Biers zugeschrieben wird. Gambrinus gilt als Gegenstück zum Weingott Bacchus. In Österreich ist es aber meist eines jener Biere die in der untersten Preisklasse im Supermarkt zu finden sind. Kein Wunder also, dass dieses Bier gerne auch in Begleitung des entsprechenden Klientels kommt. Man sollte ich nicht täuschen, Biertrinken hat oft auch mit Markenbewusstsein zu tun. Ein Gambrinus Bier in der richtigen Hand kann auch ein Statement sein. Oft findet man aber auch dieses Bier in den Händen Obdachloser oder den üblichen Bahnhofs-Alkoholikern. Trotzdem, soll ja nicht gesagt sein, dass diese Leute keinen Geschmack hätten. Deshalb habe ich diesmal das Gambrinus Bier ausprobiert. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass auch bei diesem Bier so manches Bild mitschwingt. Das Bier dürfte übrigens aus dem Hause Ottakringer stammen, obwohl es auf der Dose keinen Hinweis dazu gibt.

Biername: Gambrinus Bier
Herkunftsland:Österreich
Hersteller: Sörvis GmbH – Wien (Ottakringer)
Bierart: Schankbier
Alkoholgehalt: 4,2 Prozent vol.
Verschlussart: Dose
Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Getestete Flaschengröße: 0,5 Liter Dose

Halb ausgetrunken lässt die Begeisterung aber zu wünschen übrig.

Halb ausgetrunken lässt die Begeisterung aber zu wünschen übrig.

Zu kaufen gibt es das Gambrinus Bier meist nur in der 0,5 Liter Dose. Ich habe es zumindest noch nicht in einem anderen Format gesehen. Gut gekühlt und eingeschenkt bildet sich zwar ein schöner Schaum, ich musste mich aber mit dem Fotografieren beeilen, denn innerhalb einer Minute war der Schaum praktisch weg. Das liegt nicht an meinen zweifelhaften Einschenkkünsten. Farblich präsentiert sich dieses Bier klar und hellgelb. Was mir etwas fehlt ist das perlende Erscheinungsbild. Man spürt zwar kurz die Kohlensäure beim trinken aber ein wirklich prickelndes Erlebnis bleibt aus. Dafür macht es das Bier süffig, man kann es also durchaus schnell in größeren Mengen trinken. Aber das wollen wir ja nicht.

Geschmacklich weiß ich nicht recht was ich mit diesem Bier anfangen soll. Süffig schön und gut, aber wie Wasser sollte es doch nicht trinkbar sein. Besonders unangenehm ist auf jeden Fall, dass der fehlende Geschmack beim eigentlichen Schluck vom bitteren Nachgeschmack des Vorschlucks übertüncht wird. Auch der Geruch des Bieres ist relativ inhaltsleer. Es fehlt sowohl eine starke Getreidenote als auch irgend ein anderer signifikanter Geruch.

Der Biersieder-Test
Jetzt ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Lässt man nämlich ein Bier stehen, dann offenbaren sich alle schlechten Eigenschaften eines Bieres, die zuvor von der Kälte überdeckt wurden. Beim Biersiedertest spielt das Gambrinus Bier aber seine Stärken aus. Die wenige Kohlensäure ist nicht weniger geworden. Der Geschmack, nunja, der ist gleich schlecht geblieben. Nur beim Geruch hat das Gambrinus Bier massiv abgebaut. Jetzt riecht das Bier wie aus einer Bahnhofvorhalle. Aber zumindest schmeckt das Bier nicht noch schlechter.

Ein billiges Bier eben. Eher etwas für die Bierchallenge.

Ein billiges Bier eben. Eher etwas für die Bierchallenge.

Das Etikett
Das Etikett ist etwas backen. In grün gehalten zeigt es den König Gambrinus, der sein Glas hebt. Doch richtig Freude kommt beim Etikett nicht auf. Ganz klein und verwaschen, zu klein für den ungenauen Druck auf einer Bierdose versteckt sich noch der Hinweis auf das Reinheitsgebot von 1516. Reinheitsgebot hin oder her, ansprechend ist das Dosendesign auf jeden Fall nicht. Kann man sich aber bei einer Billigmarke auch nicht erwarten.

Gesamteindruck
Also Gambrinus würde sich, so es ihn tatsächlich gab, im Grabe umdrehen. Das Gambrinus Bier ist wohl eher etwas für diese schreckliche Bierchallenge auf Facebook. Schnell runter damit und sich dem Kopfweh frönen. Das kam nämlich am folgenden Tag so sicher wie das Amen im Gebet. 

This entry was posted in Ein Laie trinkt Bier, Uncategorized and tagged , , , . Bookmark the permalink.

One Response to Ein Laie trinkt Bier II – Gambrinus Bier

  1. Hi Michael,
    ich bin selbst Biertrinkerin aus Leidenschaft. Den Satz: “Besonders unangenehm ist auf jeden Fall, dass der fehlende Geschmack beim eigentlichen Schluck vom bitteren Nachgeschmack des Vorschlucks übertüncht wird.” finde ich besonders gelungen. Tolle gedankliche Verschränkung fein ausgedrückt. Liebe Grüße

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *