Wie ich arbeite, eine Selbstreflextion.


Reisen, Lesen und Reflexion. Schon der berühmte Journalist und Schriftsteller Ryszard Kapuscinski hat erklärt die Kraft für seine Arbeit aus diesen drei Tätigkeiten zu schöpfen. Dem will ich mich anschließen, obwohl ich seine Argumentation etwas abändere.

Die Reise ist für den Journalisten, was für den Wissenschaftler wohl das Experiment, also die Primärforschung ist. Nur vor Ort lassen sich Eindrücke, Erlebnisse und Informationen erhaschen, ohne Gefahr zu laufen, dass das Geschriebene durch mehr als nur den eigenen Filter gegangen ist. Begiebt sich ein Journalist nicht an den Ort des Geschehens, läuft er zwangsläufig Gefahr nicht mehr der Schöpfer sondern nur noch der Multiplikator von Information zu werden. Doch die grundlegende Aufgabe des Journalisten ist es jedoch Geschichten erst zu entdecken und sich nicht auf das Gebrabbel der PR zu verlassen. Ich wurde letztens über ein soziales Netzwerk gefragt, warum ich denn immer wieder an den selben Ort und die selbe Region zurück kehre. Ganz einfach, mit einer Reise allein ist es nicht getan. Vor kurzem war ich das zweite Mal innerhalb eines Jahres in Srebrenica und es hat sich ausgezahlt, diesen Abstecher zu machen. Ich habe alte Bekannte wieder getroffen, Veränderungen die sich im letzten Jahr ereignet haben registriert und natürlich auch die Kontinuität des Ortes verspürt.

Doch mit der Reise allein ist es nicht getan. Um den Überblick und Hintergrundwissen zu erlangen, führt der Weg an Sekundärliteratur nicht vorbei. Klar, man kann kritsieren, dass so der Journalist erst recht wieder zum Multiplikator und nicht zum Schöpfer seiner Arbeit wird. Das stimmt so jedoch nicht. Auch Wissenschaftler bauen ihre Arbeit auf die Arbeit von Vorgängern auf. Nur so können sie etwas neues erschaffen. Außerdem ist es eine Frage des Stils. Liest ein Journalist nur seine eigenen Texte kommt das einem stilistischen Inzest gleich. Nur durch frische Ideen von Außen kann sich ein Journalist weiter entwickeln.

Bleibt die Reflexion in der kapuscinskischen Aufzählung. Gemeint ist dabei wohl vor allem die Selbstreflexion. Immerhin ist ein Journalist auch ein Dienstleister. Er erzählt Geschichten, transportiert Informationen und erklärt Hintergründe. Der Rückkanal, das vielbeschworene Feedback bleibt aber meistens aus. Eine selbstkritische Reflexion und die Überlegung über die Sinnhaftigkeit und Qualität der eigenen Arbeit bleibt also oft die einzige Möglichkeit sich selbst zu verbessern.

In einer solchen Reflexionsphase ist dieser Texte entstanden. Wo sonst als am Balkan habe ich die nötige Ruhe gefunden um darüber nachzudenken. Eigentlich war der Urlaub mit Freunden auf der kroatischen Insel Lopud, ein kleines Nest, das gerade einmal vier Mal am Tag von einem Postschiff des vorletzten Jahrhunderts versorgt wird, als reine Entspannung geplant, aber wann hört schon ein Journalist auf zu arbeiten.

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