Archive for May, 2010

Montenegro: Zu Besuch im kleinen Venedig

Wer Kroatien wegen seiner schönen Küste als europäische Karibik bezeichnet wird die Bucht von Kotor in Montenegro lieben. Eng wie ein Fjord erstreckt sich die Bucht einen Katzensprung von der südlichsten Spitze Kroatiens ins Festland Montenegros hinein. Die Bucht erscheint dem Betrachter fast als See und ist ebenso geschützt. Ein Traum für Segler die nicht unbedingt die stetige Wellenbewegung des offenen Meeres brauchen.

Entlang der Bucht reihen sich, einer Perlenkette gleich, kleine Ortschaften und Städte die jede für sich ein traumhaftes Juwel sind. Ein besonders Schmuckkästchen ist dabei die kleine verschlafene Stadt Perast.

Von der Hauptstraße geschickt umfahren und damit kaum auszumachen, liegt Perast direkt an der Hafenmauer an der sich früher zahlreiche Handelschiffe das Stelldichein gegeben haben. Heute leben in Perast nur noch ein paar Hundert Menschen. Bei der Hinfahrt fast übersehen, haben wir uns entschlossen bei der Rückreise in Perast einen ausgedehnten Boxenstopp einzulegen. Gelandet sind wir auf der Terasse des Hotel Conte, wo wir mit Blick auf die Bucht einen gemütlichen Espresso getrunken haben. (zur Info: ein Euro, den Cappuccino gab es um 1,50)

Der anschließende Spaziergang durch den Ort war kurz aber wunderschön. Perast hat sich uns dabei als kleines Venedig präsentiert, nur dass es mit dem Auto erreichbar war. Der Einfluss der italienischen Lagunenstadt war aber auf jeden Fall zu spüren, obwohl der wohl exklusivste Basketballplatz Montenegros direkt an der Bucht das Ortsbild etwas gestört hat.

Perast ist definitiv ein Grund wieder nach Montenegro zu kommen. Eine positive Überraschung, nachdem ich bei meiner letzten Reise so enttäuscht von Podgorica, der Hauptstadt des jungen Staates war.

Fotocredit: Georg Wallner (3)

Montenegro: Warten auf das Ersatzteil

Es kam wie es kommen musste. Wenn man mich kennt, weiß man auch, dass ich und mein Bus, liebevoll „The Green Machine“ genannt, ein besonderes Verhältnis zueinander haben.

Meine „Green Machine“ war früher ein Servicewagen für landwirtschaftliche Geräte und war Zeit seines Lebens grün. Der aktuelle Grünton ist übrigens ein Maschinenlack im Farbton „Steyr Traktor Grün“. Bei meiner ersten Reise nach Bulgarien zierten noch Reste der alten Beklebung meinen Bus. Worte wie „Melktechnik“ und „Herdenmanagement“ waren noch gut zu erkennen und ließen auf die frühere Verwendung schließen. Dieses neue Deutsch ist schon interessant. Früher hätte man Hirte gesagt, heute ist das schon ein Herdenmanager.

Aber ich schweife vom Thema ab. Es geht um den Bus und der bringt mich immer mehr aber meistens weniger verlässlich ans Ziel. Kurz nach der Bulgarienreise 2006 ist der Reifen geplatzt. Bei der Reise nach Spanien 2008 ist der Dieselfilter verstopft. 2009, in Bosnien, ist der Auspuff gebrochen und schließlich bei der aktuellen Reisen nach Albanien ist das Kupplungsseil gerissen.

Das war aber eine Geschichte der Extraklasse. Abgesehen davon, dass ein Kupplungsseil nur sehr selten reißt, wem reißt es schon auf der Grenzstation zwischen Kroatien und Montenegro? Natürlich uns. Wir standen in der Warteschlange um aus Kroatien ausreisen zu können und just in dem Moment wo wir an der Reihe gewesen wären den Bus zum Grenzbeamten zu fahren, reißt uns dieses verdammte Seil.


Ihr könnt euch vorstellen wie die Beamten gelacht haben. Nichts desto trotz, drei Grenzer haben sich dann unserer Situation erbarmt und haben freundlicherweise einen Balken geöffnet und uns geholfen den Bus über die Grenze ins Niemandsland zu schieben. Den Pass wollten sie dann gar nicht mehr sehen.

Als ob das nicht schon spannend genug gewesen wäre, kam es natürlich noch viel besser. Auf einmal öffnete nämlich ein Kroate, der selbst gerade die Grenze passierte, meine Motorhaube und ruft freudig aus: „Kein Problem, ich kann ohne Kupplung fahren.“

Er setzte sich ungefragt hinter das Steuer. Wir hatten gerade noch Zeit um aufzuspringen ehe er rief: „Ich fahre zur nächsten Werkstatt,“ den ersten Gang einlegte und den Motor startete. Die Augen der montenegrinischen Grenzpolizei auf der anderen Seite des Niemandslandes hättet ihr sehen sollen.

Also brausten wir, erst durchs Niemandsland, dann die Straße nach Herceg Novi hinunter, Richtung Werkstatt. Natürlich kamen wir zwischenzeitlich in einer Radarfalle und die Polizei stoppte unseren Wagen. Schlimmer könnte es nicht kommen, dachte ich mir und stieg resignierend, ich sah in Gedanken meine Reisekassa davon schwimmen, aus und wollte schon die Brieftasche zücken. Da sprang mein kroatischer Helfer, er hat sich als Dragan vorgestellt, aus dem Fahrzeug und beschimpfte, zumindest dem Tonfall seiner Stimme nach zu schließen, die Polizisten. Natürlich erklärte er, wenn auch aggressiv, unser Problem und nach ein paar Sätzen deutete uns der Polizist, wir mögen ihn doch damit in Ruhe lassen und gefälligst weiter fahren.

Bei der Werkstatt angekommen war es ein Wechselbad der Gefühle. Erst heiß es, man könne den Schaden schnell reparieren. Doch die Freude verflog als sich bald heraus stellte, dass das Ersatzteil, nämlich das neue Kupplungsseil erst aus Podgorica geholt werden musste. Das könnte gut einen Tag dauern.

Wir saßen also außerplanmäßig in Montenegro fest und warteten auf das Ersatzteil. Die Termine in Albanien mussten verschoben werden und wir nutzten die Zeit um den etwas heruntergekommen Ferienort Herceg Novi zu besuchen. Übernachtet haben wir übrigens in der Werkstatt, aber das ist eine andere Geschichte.

Fotocredits: Michael Neumayr (2), Georg Wallner (1)

Georg der Fotograf

Allein zu reisen ist nur halb so lustig. Deswegen will ich diesmal meinen Begleiter der letzten Reise vorstellen. Georg Wallner fungierte bei der letzten Reise nach Albanien als mein Begleiter und Fotograf. Schon einmal hat er mich bei einem Roadtrip begleitet. Damals ging es nach Spanien.

Als ich ihn gefragt habe, ob er nicht kurzfristig mit nach Albanien kommen möchte, hat er zuerst geschmunzelt und dann seine Sachen gepackt. Georg ist vor allem leidenschaftlicher Fotograf. Gleich drei Kameras hatte er im Gepäck. Dabei setzt er auf digitale, analoge und die Polaroid-Technik. Dass das Abenteuer Albanien für ihn eine große Fototour war, wurde schnell klar. Dass ich nicht alle Fotos zu Gesicht bekommen werde, auch. Denn ein Perfektionist, wie Georg einer ist, zeigt nur die Bilder von denen er absolut überzeugt ist. Trotzdem war er immer unterwegs, die Kamera im Anschlag und bereit ein Bild zu schießen.

Wenn wir uns mit Einheimischen einließen und versuchten ins Gespräch zu kommen, war Georg der perfekte Eisbrecher. Mit seiner Polaroid-Kamera hatte er immer ein kreatives und außergewöhnliches Geschenk parat. Gerade Menschen die keine eigene Kamera besitzen freuen sich besonders, wenn sie ein Foto geschenkt bekommen.

Auch in der Einschätzung meiner „Green Machine“, dem VW-Bus der die meisten meiner Reisen begleitet, lag er nicht falsch. Schon bei Beginn der Reise versicherte er mir, dass wir eine Panne haben werden. Mehr dazu aber mein nächsten Eintrag.

Ich hoffe er findet auch in Zukunft Zeit, mit mir gen Süden zu fahren. Ich fürchte aber sein neuer Job wird ihn doch sehr einspannen. In diesem Sinne, danke Georg für die freundliche Begleitung, jederzeit wieder. Denn der einsame Stempel in deinem Pass sehnt sich nach Gesellschaft.


Fotocredits: Michael Neumayr (2), Georg Wallner (1)

Albanien: Der Barbier um die Ecke

Foto: Michael Neumayr

Der Barbier meines Vertrauens ist 1000 km entfernt. Versteckt im Zentrum der albanischen Stadt Shkodra, nicht weit vom Postamt, gegenüber des Kinema Kaffeehaus, liegt seine Nische in der er einen uralten Barbierstuhl stehen hat. Auf dem Spiegeltisch der wohl nicht viel jünger ist, findet sich das Werkzeug des jungen Mannes. Schere, Messer und eine Haarschneidemaschine die auch schon bessere Tage erlebt hat. Würde man auf westliche Standards beharren, dann würde man seinen Laden niemals betreten.

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Albanien: So kommen Menschen zusammen

Polaroid, Zigaretten und Schnaps. Die ideale Mischung um Menschen kennen zu lernen. Georg, mein Begleiter und Fotograf hat einfach ein Polaroid-Foto unseres neuen Freund verschenkt. Das brachte uns ins Gespräch.

Es kommt ja nicht täglich vor, dass man ein Foto geschenkt bekommt. Es werden Witze gerissen und man kommuniziert ob der fehlenden gemeinsamen Sprache mit Händen und Füßen. Jamal heißt unser neuer Freund und ein deutsches Wort versteht auch er ganz gut: Schnaps.

Schnell ist mein Marillen-Abfindungsbrand, ohne den würde ich nie gegen Süden fahren, gezückt und ein erstes Glas eingeschenkt. Das lässt Jamal nicht auf sich sitzen. Er bringt seinen eigenen, selbstgebrannten Schnaps in einer Plastik-Wasserflasche. Kostproben werden verteilt und gleichzeitig zeigt er stolz auf seine Birnenbäume im Garten. Die obligatorischen Essiggurken, aus eigenen Anbau wie er uns versichert, hat er auch dabei. Nach ein paar Runden Schnaps und ein paar Zigaretten, am Balkan werde auch ich zum Raucher, wird Jamal gesprächig.

Er habe in Deutschland gearbeitet, erzählt er in gebrochenen Deutsch. Karlsruhe, Frankfurt, was genau, konnte er uns aber nicht erklären. Dafür erzählte er stolz, dass er bis vor Kurzem noch als Wärter auf der Festungsruine von Shkodra, an dessen Fuß er wohnt, gearbeitet habe. Vor vier Jahren ging er in Pension. Seitdem betreibt er einen Parkplatz am Fuß des Festungsberges.

100 Lek, umgerechnet 73 Eurocent, kostet das Parken. Eigentlich eine Deppensteuer, denn 200 Meter weiter bergauf, direkt am Eingangstor der Ruine, kostet der Parkplatz nichts. Das war es uns aber trotzdem wert. Sonst hätten wir Jamal, unseren albanischen Trinkkumpanen, wohl nicht kennen gelernt.

Fotocredit: Georg Wallner

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