Archive for March, 2010

Wenn ein blindes Huhn …

Das Innenministerium und Ministerin Fekter sind in letzter Zeit ziemlich unter Druck geraten. Geringe Aufklärungsquoten, eine Soko Ost deren Sinnhaftigkeit bezweifelt wird, Eberau, alles was Maria Fekter anfasst scheint schief zu gehen.

Was kann man dagegen tun? Genau! Es muss etwas geschehen. Ein Polizeischwerpunkt zum Beispiel. Anhaltspunkte oder gar einen echten Verdacht gibt es zwar nicht, aber vielleicht landet man den großen Coup und verhaftet zufällig einen der großen Fische. Dann kann man das Ganze als großen Aufklärungserfolg feiern.

Aber was, wenn man nur kleine Fische und da nur ganz wenige findet? Stellen Sie sich vor Sie kontrollieren 12.100 Menschen. Wie wahrscheinlich ist es, dass 13 Menschen kriminell sind und verhaftet werden können? Das macht 931 Kontrollen bei einer Verhaftung.  Hm… Klar, das kann ja nur als großer Erfolg verkauft werden.

2008 gab es laut Kriminalstatistik 572.695 angezeigte Straftaten. Laut Wikipedia gibt es in Österreich 8.376.761 Einwohner. Macht 14,6 Einwohner pro Anzeige. Ich weiß, der Vergleich hinkt, aber von einem Fahndungserfolg kann das Innenministerium mit der Schwerpunktaktion wirklich nicht sprechen.

Was bleibt also übrig? Jede Menge Publicity für eine erfolglose Ministerin und 100.000 Euro Kosten für den Steuerzahler. Macht 7.692 Euro pro Verhaftung. Damit konnte man schon wieder jede Menge Gutes tun. Zumindest etwas besseres als 12.100 Menschen zu belästigen und was weiß ich wie viele Tausend Ekis Abfragen unbegründet durchzuführen.

12.100 Menschen, so viele Einwohner hat übrigends Eisenstadt. Egal, die Stammtische freuen sich, dass endlich einmal durchgegriffen wird. Erfolgreiche Polizeiarbeit sieht freilich anders aus, aber was kümmert uns das, Hauptsache es passiert etwas. Aber gut, wie war das nochmal mit den blinden Hühnern? Auch die finden mal ein Korn.

Warum mich der Balkan so interessiert

Noch hab ich ihn nicht besonders gut kennen gelernt, den Balkan. Klar, die meisten Länder die man zu dieser Gegend zählt hab ich schon mehr oder weniger lang besucht. Nur Mazedonien und Griechenland habe ich noch nicht kennen gelernt und meine Erfahrung in den meisten anderen Ländern beschränkt sich auf wenige Tage. Trotzdem hat mich das Balkanfieber gepackt.

Mein größtes Manko ist die Sprache. Die meisten Sprachen in der Gegend sind zwar eng miteinander verwandt, aber leider spreche ich kein Serbisch/Kroatisch/Bosnisch. Die Feinheiten der Kommunikation blieben mir also bis jetzt weitgehend verwehrt.

Eine grobe Kommunikation war aber meistens möglich. Sei es auf Englisch oder zu meiner Überraschung auch auf Deutsch, viele Einheimische sind zweisprachig. Besonders im Kosovo hat mich das überrascht. Aber gerade im jüngsten Land Europas sind viele Heimkehrer zu finden. Und die meisten kosovarischen Flüchtlinge sind nunmal nach Österreich, Deutschland oder in die Schweiz geflüchtet. Kein Wunder also, dass mir der Grenzbeamte an der albanisch/kosovarischen Grenze ein “kleines Deutschland” versprochen hat.

Ein weiterer Vorteil am so genannten Balkan: Die Währungen. In Slowenien, Montenegro und im Kosovo wird mit Euro gezahlt. In Bosnien gibt es die konvertible Mark die in in einem festen Wechselkurs mit dem Euro steht. Der Kurs entspricht übrigends dem der D-Mark.

Aber warum ist der Balkan so interessant? Für mich gibt es da eine klare Antwort.

Der Balkan ist eine der letzten Regionen vor unserer Haustüre wo sich, von Slowenien, Kroatien und Griechenland abgesehen kaum ein Urlauber verirrt. Wer macht schon Urlaub in Albanien oder in Bulgarien? Gleichzeitig ist diese Halbinsel eine Fundgrube für Geschichten. Kaum beackert, jede Menge Konflikte, so tragisch diese auch sind, viel Aubruchstimmung und eine Landschaft die man nur als atemberaubend beschreiben kann.

Dabei muss ich mir aber immer wieder einen Punkt in Erinnerung rufen. Verstehen, verstehen werde ich den Balkan nie können. Allein schon die Konflikte zwischen den Völkern kann man nicht vernünftig erklären. Man muss schon Serbe, Bosniake, Kroate, Albaner, Roma oder sonst einer Volksgruppe angehören umd das zu verstehen. Umso spannender ist die ganze Geschichte. Zu differenzieren wer Opfer und wer Täter ist, das will ich mir nicht herausnehmen.

Was bleibt ist der Begriff “Balkan”. Eigentlich ein Konstrukt das es so nicht gibt, vielleicht nie gegeben hat. Zu intensiv hat sich mir das “nationale Bewusstsein” der einzelnen Gruppen vorgestellt. Man sollte also eher von Serben oder von Kroaten oder Albanern und was weiß ich noch sprechen.

Ich werde diese Gegend wohl noch öfter besuchen. Dass dies abseits der Touristenhochburgen passiert kann ich jetzt schon garantieren.

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