Der Begriff “Gutmensch” ist wohl einer der häufigsten “Schimpfwörter” der hiesigen politischen Szene. Gerade durch die neu aufgeflammte Ausländer Debatte in Österreich findet sich dieses Wort immer öfter. Sei es bei altmodischen Wirtshausdiskussionen oder im modernen Internetz immer hört man vom bösen Gutmenschen. Einem Wort dessen Erfindung einem gewissen Joseph Goebbels zugeschrieben wird.
Google findet fast 300.000 Einträge zum Stichwort “Gutmenschen” und kaum einer ist positiv. Sogar beim Buchhändler findet sich ein Buch, das dem “Gutmenschen” nicht gerade Honig ums Maul schmiert.
So heißt es dort:
Sie leiden persönlich unter globaler Erwärmung. Sie sagen Schokokuss statt Negerkuss. Sie haben Verständnis für Terroristen. Sie kommen sich mutig vor, wenn sie Hitler schlecht finden. Sie sind die Gutmenschen – und sie glauben, die Welt wäre schlechter dran ohne sie. Doch das Gegenteil ist der Fall. Sie quälen und sie nerven uns. Und es ist höchste Zeit, sie loszuwerden.
Mancher unterteilt die Gutmenschen auch in drei Hauptgruppen:
+ Natur-/Tierschützer
+ Pazifisten
+ Menschenrechtler
Ach du meine Güte. Sollte ich mir Sorgen machen, wenn ich mich hier angesprochen fühle? Ja, ich bin Pazifist, ich habe nicht umsonst einen Gedenkdienst geleistet. Dass Naturschutz immer wichtiger wird ist wohl auch selbstverständlich und dass man sich inzwischen schon schämen muss wenn man etwas auf die Menschenrechte hält ist wohl leider ein Zeichen der Zeit.
Ich bin also ein Gutmensch. Na da bin ich froh. Was könnte denn das Gegenteil eines Gutmenschen sein? Ein Schlechtmensch etwa? Einer der in einem Schwarzen (= Neger) einen Drogendealer sieht und für den Hitler auch was Gutes hatte? Jemand etwa der in einem Wirtschaftsflüchtling (wohl PR Sprech für jemanden dem es so schlecht geht, dass er in seiner Heimat keine Zukunft mehr sieht) einen Kriminellen sieht? Vergesst nicht. Noch vor wenigen Jahrzehnten kamen die Wirtschaftsflüchtlinge aus Österreich.
Da macht das Magzin “Profil” ein Mädchen aus dem Kosovo zum “Menschen des Jahres”. Als Reaktion darauf erhält die Redaktion eine Flut an Emails und Briefen. Einer davon wurde in der darauf folgenden Ausgabe abgedruckt.
Anonymisiert natürlich, obwohl der Absender seinen vollen Namen bekannt gegeben hat. Von “Schmarotzer-Gesindel”, “saugrünen Gutmenschen”, der “Hure Arigona eine extrem freche Saugoschn” und von nichtsnutzigen “Islam-Gesindel” ist die Rede.
Der Islam ist übrigends seit 1912 in Österreich anerkannt.
Das Wort “Abschiebung” heißt in der englischen Übersetzung übrigends “deportation“. Ein Wort das man im deutschsprachigen Raum gar nicht gern hört. Darum hat mich sich wohl wieder des PR-Sprechs bedient.
Für diesen Artikel werde ich mir wahrscheinlich gefallen lassen müsen, dass ich ja eh ein typischer links linker Journalist bin der den Leuten des so schön genannten dritten Lagers nur die Worte im Mund verdreht. Dazu kann ich nur sagen: Nein. Ich bin nicht links link. Ich bin vielleicht nichtmal links. Offenheit und Toleranz hat nichts mit einer politischen Farbe zu tun. Es ist einfach nur menschlich.
In Florida wurde mir ein T-Shirt geschenkt. Darauf steht in großen Buchstaben Coexistance. Der Titel einer Freiluft-Ausstellung des Florida Holocaust Museums die bereits in der Nacht nach der Eröffnung geschändet wurde. Ich sollte dieses T-Shirt öfter tragen.
Aber es heißt oft Österreich sei eh ein so liberales Land. 1993 gab es ja den großen Aufschrei gegen das Ausländervolksbegehren. Das Volksbegehren war nichteinmal innerhalb der FPÖ salonfähig und hat dort zu einer Parteispaltung geführt. Dass viele der geforderten Punkte von damals heute umgesetzt sind wird gerne verschwiegen.
In der letzten Zeit, vor allem durch das FPKBZÖFPÖ Chaos in Kärnten, höre ich immer öfter den Satz: “Wehret den Anfängen.” Nennt mich meintewegen einen schwarzmalerischen Gutmenschen. Aber manchmal scheint mir wir sind schon mitten drin, statt nur dabei. So gesehen lasse ich mich gerne auf diversen Leserbriefseiten beschimpfen.
One Comment
Ich bin auch ein “saugrüner Gutmensch” und danke für dein blog. Ich habe auch den Profil-Artikel gelesen und mich zutiefst geschämt über die Einstellungen unserer Mitmenschen.