Studentenproteste ohne Fachhochschulen

Bild: Studentenproteste

Das besetzte Audimax in Wien.

Seit Donnerstag geht es rund an Österreichs Universitäten. Nicht nur in Wien, auch in Graz wurden Räume der Universitäten besetzt. Es gab zahlreiche Solidaritätsbekundungen aber auch Kritik aus praktisch allen Universitäten in Österreich und teilweise auch im Ausland. Nur eine Fraktion in der vielfältigen Bildungslandschaft bleibt ruhig. Die Fachhochschulen und deren Studenten haben sich in der aktuellen Bildungs-Debatte nicht positioniert.

Woran liegt das? Sind sie zu angepasst? Sind sie mit der Situation zufrieden? Warum zeigen sie sich nicht einfach solidarisch?

Gründe dafür kann es natürlich zu genüge geben. Ich glaube aber, dass es sogar gut ist, dass wir von der FH nicht mitdemonstrieren.

Warum? Ganz einfach. Es würde den gesamten Protest unglaubwürdig machen und zu einer party verkommen lassen.

Worum geht es im Protest der Uni-Studenten eigentlich? Genug Plätze in den Lehrveranstaltungen. Ausfinanzierung der Unis. Endgültige Abschaffung der Studiengebühren. Abschaffung von Zugangsbeschränkungen.

Man kann zu diesen Forderungen stehen wie man will. Fakt ist, dass viele dieser Forderungen an den Fachhochschulen absolut kein Thema sind.

Die Plätze in den Lehrveranstaltungen etwa. Ich habe “Journalismus und Unternehmenskommunikation” an der FH Joanneum in Graz studiert. Im Jahrgang waren wir 28 Leute, aufgeteilt in zwei Gruppen. Fh Studenten sind Massenvorlesungen mit hunderten Studenten einfach fremd.

Ausfinanzierung: Ich persönlich habe den Eindruck, dass Fachhochschulen finanziell auf viel besseren Beinen stehen als die normalen Unis. Vielleicht liegt es daran, dass, im Fall der FH Joanneum, das Bundesland Eigentümer der Fachhochschule ist. In anderen Fällen sind es oft Institutionen wie die Arbeiterkammer und die Wirtschaftskammer.

Im Fall der FH Joanneum haben wir nicht einmal Studiengebühren die wir bezahlen müssen. Das liegt am sozialdemokratischen Landeshauptmann und hat vor und Nachteile. Als zweitgrößte Studentenstadt in Österreich gibt es durchaus Konfliktpotential, wenn eine Gruppe von Studenten das Glück haben nichts zahlen zu müssen und die anderen quasi die Arschkarte gezogen haben.

Machen all diese Vorteile die FH zum Land der Seeligen? Es klingt ja richtig nach Utopie: kleine Lehrveranstaltungen, gut Finanziert, keine Studiengebühren.

Aber in einem Kritikpunkt sind wir mehr betroffen als alle Universitäten. Die Aufnahmebeschränkung. In meinem Studiengang kommen auf  28 Plätze jedes Jahr mehr als 200 Bewerber. Ein Umstand der nicht ideal ist. Die aktuellen Proteste führen mich aber in ein moralisches Dilemma.

Denn ohne diese Zugangsbeschränkungen wäre an den FHs ein ähnliches Chaos wie an den Unis zu finden. Heißt es nun also entweder oder? Qualität gibts nur mit Zugangsbeschränkung und Bildung für alle lässt sich auf keinem hohen Niveau finanzieren? Eine Frage die ich auch nicht so ohne weiteres beantworten kann.

Ein weiterer Grund, warum FH-Studenten kaum Notiz von den Protesten nehmen ist vielleicht auch ein falsch verstandener Stolz der Studenten an regulären Universitäten. Nur zu oft werden FH-Studenten als “Schüler” oder “Studenten einer Walldorf-Uni” bezeichnet. Diese Hürde muss überwunden werden, bevor auch nur daran gedacht werden kann die Fachhochschulen einzubeziehen.

Den protestierenden Studenten ist nur zu wünschen, dass sie mit ihren Forderungen nach mehr Geld für Bildung etwas erreichen. Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass selbst lang andauernde Proteste, wie in Spanien, kaum Wirkungen erzielt haben. Dem pragmatischen Österreicher könnte das Grund genug sein, die Proteste bald wieder einzustellen. Eine besonders ausgeprägte Streikkultur haben wir ohnehin nicht.

2 Comments

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  1. schneeengel says:

    interessant… mit meiner anwesenheit ist das ganze hier also unglaubwürdig und zu einer party verkommen?
    und auch die fh-studenten zahlen studiengebühren – nur bezahlt das land diese für sie. geld, das durchaus auch anders verwendet werden könnte…
    bei dem protest geht es unter anderem um die stärkung der rechte der studierenden. etwas, dass gerade der fh gut tun würde. mehr beteiligung der studierenden!
    aber auf der fh gehts uns ja gut – betrifft uns ja alles nicht… eh schon wissen!

  2. Michael Neumayr says: (Author)

    Angesichts dessen, dass die FH Joanneum dem Land Steiermark gehört klingt es eigenartig. Wenn das Land Steiermark die Studiengebühren der Studenten der FH Joanneum übernimmt. Da beißt sich die Katze irgendwie in den Schwanz.

    Studentenmitbestimmung steckt an den FHs tatsächlich noch in den Kinderschuhen. Es entwickelt sich aber meiner Meinung nach den letzten zwei Jahren recht gut. Angesichts dessen, dass man bei null begonnen hat ist jeder kleine Fortschritt dort ein großer Schritt.

    Dass es noch immer keine Stellungnahme von JOIN gibt ist allerdings traurig.

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