Manche nennen es Schach. Andere nennen es Strategieplanung. Studenten in der Grazer Vorklinik überlegen wie es nun weiter gehen soll und vertreiben sich dabei die Zeit mit Jahrhunderte alten Kriegsspielen.
Archive for October, 2009
Willkommen in der Provinz
Nach der doch eher zurückhaltenden Twitteraktivität war das eigentlich zu erwarten. In der Vorklinik sind kaum Leute zu finden. Die Stimmung ist ziemlich im Keller. Aber immerhin die technische Infrastruktur stimmt. Es gibt ein freies W-Lan. Das wäre an einer Fachhochschule undenkbar.
Ich werde eine Weile hier bleiben und laufend berichten. Um 20 Uhr sollte eine Diskussionsveranstaltung stattfinden. Derzeit ist der “Protest” nichteinmal ein kleines Lüftchen. Es ist als wären
Es ist ruhig rund um Graz.
Die Studentenproteste in Wien haben angeblich auf mehrere Universitäten in Österreich ausgeweitet. Seit freitag ist die Vorklinik in Graz besetzt. Kommunikationstechnisch tut sich in der Provinz jedoch wenig. Während unter dem hashtag #unibrennt Twittermeldungen im Sekundentakt hereinkommen und konkrete Aufrufe nach Material und Personla gesendet wird, finden sich unter dem Grazer hashtag #vorklinik kaum Meldungen.
Um konkret zu sein gab es seite heute 6 Uhr früh gerade einmal 22 Meldungen (stand 16:40). Seit 40 Minuten ist es überhaupt still auf Twitter.
Woran liegt das? ist der hashtag nicht bekannt? Gibt es keine Internetverbindung? Ist die Provinz einfach nur “oldschool”?
Meine Vermutung ist, dass in Graz der Protest einfach nicht die Größe erreicht hat, um selbst in einem so minderheitenfreundlichen Medium wie das Internet aufzufallen.
Trotzdem. Ich wäre kein Journalist, würde ich mir nicht selbst ein Bild der Lage machen. Sofern ich eine Internetverbindung aufbauen kann, werde ich heute Abend aus der Grazer Vorklinik bloggen.
Studentenproteste gehen weiter

Die Proteste, sowohl in Graz als auch in Wien, gehen weiter. Auch in Graz will man zumindest bis zu einer größeren Kundgebung am Dienstag die Vorklinik weiter besetzen. Das berichtet @ugrazgehoertuns auf Twitter. In den nächsten Tagen wird es wieder Posts geben.
Nachrichtenfluss reloaded
Liebe Leser.
Lange ist es her, dass ich gebloggt habe. Vor Monaten habe ich meinen Blog “nachrichtenfluss” offline gestellt. Die Gründe dafür nannten sich Diplomarbeit und Diplomprüfung. Außerdem bin ich der Meinung, dass alte, nicht aktualisierte Blogs offline gestellt werden sollten. Nichts ist peinlicher als ein verlassener Blog.
Nun ist der Stress mehr oder weniger vorbei. Ich bin offiziell graduiert und deswegen wieder in der Blogosphäre aktiv. Der aktuelle Anlass, die Studentenproteste in Graz waren nur der Anstoß. Es wird wieder einen bunten Themenmix geben.
I am back und ich würd mich freuen wenn Ihr mich weiter lesen würdet.
liebe Grüße
Michael
Studentenproteste ohne Fachhochschulen


Das besetzte Audimax in Wien.
Seit Donnerstag geht es rund an Österreichs Universitäten. Nicht nur in Wien, auch in Graz wurden Räume der Universitäten besetzt. Es gab zahlreiche Solidaritätsbekundungen aber auch Kritik aus praktisch allen Universitäten in Österreich und teilweise auch im Ausland. Nur eine Fraktion in der vielfältigen Bildungslandschaft bleibt ruhig. Die Fachhochschulen und deren Studenten haben sich in der aktuellen Bildungs-Debatte nicht positioniert.
Woran liegt das? Sind sie zu angepasst? Sind sie mit der Situation zufrieden? Warum zeigen sie sich nicht einfach solidarisch?
Gründe dafür kann es natürlich zu genüge geben. Ich glaube aber, dass es sogar gut ist, dass wir von der FH nicht mitdemonstrieren.
Warum? Ganz einfach. Es würde den gesamten Protest unglaubwürdig machen und zu einer party verkommen lassen.
Worum geht es im Protest der Uni-Studenten eigentlich? Genug Plätze in den Lehrveranstaltungen. Ausfinanzierung der Unis. Endgültige Abschaffung der Studiengebühren. Abschaffung von Zugangsbeschränkungen.
Man kann zu diesen Forderungen stehen wie man will. Fakt ist, dass viele dieser Forderungen an den Fachhochschulen absolut kein Thema sind.
Die Plätze in den Lehrveranstaltungen etwa. Ich habe “Journalismus und Unternehmenskommunikation” an der FH Joanneum in Graz studiert. Im Jahrgang waren wir 28 Leute, aufgeteilt in zwei Gruppen. Fh Studenten sind Massenvorlesungen mit hunderten Studenten einfach fremd.
Ausfinanzierung: Ich persönlich habe den Eindruck, dass Fachhochschulen finanziell auf viel besseren Beinen stehen als die normalen Unis. Vielleicht liegt es daran, dass, im Fall der FH Joanneum, das Bundesland Eigentümer der Fachhochschule ist. In anderen Fällen sind es oft Institutionen wie die Arbeiterkammer und die Wirtschaftskammer.
Im Fall der FH Joanneum haben wir nicht einmal Studiengebühren die wir bezahlen müssen. Das liegt am sozialdemokratischen Landeshauptmann und hat vor und Nachteile. Als zweitgrößte Studentenstadt in Österreich gibt es durchaus Konfliktpotential, wenn eine Gruppe von Studenten das Glück haben nichts zahlen zu müssen und die anderen quasi die Arschkarte gezogen haben.
Machen all diese Vorteile die FH zum Land der Seeligen? Es klingt ja richtig nach Utopie: kleine Lehrveranstaltungen, gut Finanziert, keine Studiengebühren.
Aber in einem Kritikpunkt sind wir mehr betroffen als alle Universitäten. Die Aufnahmebeschränkung. In meinem Studiengang kommen auf 28 Plätze jedes Jahr mehr als 200 Bewerber. Ein Umstand der nicht ideal ist. Die aktuellen Proteste führen mich aber in ein moralisches Dilemma.
Denn ohne diese Zugangsbeschränkungen wäre an den FHs ein ähnliches Chaos wie an den Unis zu finden. Heißt es nun also entweder oder? Qualität gibts nur mit Zugangsbeschränkung und Bildung für alle lässt sich auf keinem hohen Niveau finanzieren? Eine Frage die ich auch nicht so ohne weiteres beantworten kann.
Ein weiterer Grund, warum FH-Studenten kaum Notiz von den Protesten nehmen ist vielleicht auch ein falsch verstandener Stolz der Studenten an regulären Universitäten. Nur zu oft werden FH-Studenten als “Schüler” oder “Studenten einer Walldorf-Uni” bezeichnet. Diese Hürde muss überwunden werden, bevor auch nur daran gedacht werden kann die Fachhochschulen einzubeziehen.
Den protestierenden Studenten ist nur zu wünschen, dass sie mit ihren Forderungen nach mehr Geld für Bildung etwas erreichen. Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass selbst lang andauernde Proteste, wie in Spanien, kaum Wirkungen erzielt haben. Dem pragmatischen Österreicher könnte das Grund genug sein, die Proteste bald wieder einzustellen. Eine besonders ausgeprägte Streikkultur haben wir ohnehin nicht.



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